Gesperrte Drehbrücke

Zwei Kapitäne bewahren Malchow vor der Spaltung

Not macht erfinderisch: Weil selbst Fußgänger in der Malchow Innenstadt auf dem Landweg abgeschnitten sind, haben zwei Unternehmer einen Shuttle-Service zu Wasser organisiert.
Petra Konermann Petra Konermann
Richtig was los an der Drehbrücke: Hier haben derzeit Schiffe freie Fahrt, denn das Bauwerk ist momentan geöffnet, weil daran Nachbesserungsarbeiten vorgenommen werden müssen.
Richtig was los an der Drehbrücke: Hier haben derzeit Schiffe freie Fahrt, denn das Bauwerk ist momentan geöffnet, weil daran Nachbesserungsarbeiten vorgenommen werden müssen. Petra Konermann
Adolf Beuster genoss die Fahrt und gab gern einen Obolus.
Adolf Beuster genoss die Fahrt und gab gern einen Obolus. Petra Konermann
Wassertaxi für Malchower und Touristen: Die Floß, das sonst für Events eingesetzt wird, dient derzeit in Malchow als Shuttle zur Malchower Festlandseite und wieder zurück. Foto: Petra Konermann
Wassertaxi für Malchower und Touristen: Die Floß, das sonst für Events eingesetzt wird, dient derzeit in Malchow als Shuttle zur Malchower Festlandseite und wieder zurück. Foto: Petra Konermann Petra Konermann
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Malchow.

Nicht mal sechs Minuten dauert eine Überfahrt. Dann hat Kapitän Diemo Jänisch wieder eine Handvoll Fußgänger und Radfahrer glücklich gemacht. Das Floß, mit dem der Firmeninhaber von „Boot for fun“ sonst Ausflüge, Events, Kaffeefahrten oder auch Junggesellenabschiede bestreitet, wird für drei Tage zum Wassertaxi umfunktioniert. Unentgeltlich und unermüdlich fahren Jänisch und seine Crew hin und her zwischen dem Anleger in der Kurzen Straße und dem Malchower Stadthafen. Rund 60 Fahrten waren es wohl allein am Mittwoch. Damit hält das Floß zumindest einen Teil des Verkehrs in der Inselstadt aufrecht.

Und das Beste: Das Ganze ist für die Nutzer kostenfrei

Denn die Ortsdurchfahrt, die Lebensader Malchows, ist unterbrochen. An der Drehbrücke in Malchow finden noch bis Freitag Nachbesserungsarbeiten statt. Dafür muss die Brücke geöffnet sein, die Durchfahrt ist gekappt. Die Drehbrücke ist noch bis Ende der Woche Endstation für Autofahrer. Für sie ist eine Umleitung über die Autobahn ausgeschildert.

Fußgänger und Radfahrer haben es da besser. Es gibt gleich zwei unentgeltliche Shuttle-Angebote: Eines bestreitet Jänisch mit seinem Floß, das andere erledigt das Fahrgastschiff „Stadt Malchow“ der Reederei Mike Pickran. Beide Unternehmer hatten ihre Unterstützung umgehend angeboten, als bei Besprechungen im Vorfeld klar wurde, welche Einschränkungen die Bauarbeiten mit sich bringen würden. „Ich will meiner Heimatstadt helfen“, sagte Pickran gegenüber dem Nordkurier. „Es ist wichtig, auch mal was zurückzugeben“, meinte Diemo Jänisch.

Drei Tage Vollsperrung, statt wochenlangem Durcheinander

Die fünf Jahre junge Drehbrücke funktioniert im Große und Ganzen tadellos – das hatte die Endabnahme im Herbst vergangenen Jahres ergeben. Mängel wurden seinerzeit dennoch entdeckt. So hatte der Fahrbahnbelag der Brücke gelitten, er muss erneuert werden. Ebenso hat sich an einigen Stellen Rost gezeigt.

Beide Maßnahmen, sowohl die Erneuerung des Fahrbahnbelages wie auch die Nachbesserung des Korrosionsschutzes, unterliegen der Gewährleistungspflicht. Das heißt, die zuständigen Firmen, die seinerzeit an dem Brückenbau beteiligt waren, müssen die Mängel beseitigen. Und zwar besser an insgesamt nur intensiven Arbeitstagen bei einer Vollsperrung als mit einer zwei Wochen währenden Bauzeit mit immer wieder kehrenden Behinderungen für den Auto- und Schiffsverkehr. So hatte es Malchows Bürgermeister René Putzar (parteilos) erklärt.

Pannen-Rettung und Freizeit-Angebot

Heiko Tietjen aus Niedersachsen musste am Mittwoch dringend von der Landseite auf die Malchower Insel. Mit seiner Frau Anke ist er auf Mecklenburg-Rundreise. Dann aber ging der Sattel seines Fahrrades kaputt. Verblüfft musste das Paar feststellen, dass es gar nicht so einfach ist, ans nur wenige Meter entfernt liegende Inselufer und damit zum Fahrradladen zu gelangen. „Ich finde die Idee mit dem Wassertaxi super, das ist wie ein kleiner Urlaub im Urlaub", meinte der Niedersachse.

Auch der Malchower Adolf Beuster kann der Vollsperrung seiner Stadt etwas Positives abgewinnen. Der Rentner nutzte die Gelegenheit, um ein paar Mal über den Malchower See zu fahren – im Minutentakt zwischen Kurzer Straße und Stadthafen, nur so zum Spaß. Nicht jedoch ohne seinen freiwilligen Obolus in die Box zu stecken, die Diemo Jänisch auf dem Floß aufgestellt hat. Immer wieder sammelten sich Fußgänger, die hinüber wollten oder mussten. Die Strecke zwischen dem Anleger und dem Stadthafen, die „fahre ich wohl schon im Schlaf und mit 40 Grad Fieber“, scherzte er.

Am Donnerstag und am Freitag gehen beide kostenlosen Shuttle-Angebote weiter: Das Floß startet im Minutentakt. Die „Stadt Malchow“ bietet Fahrten ab der Klosterseite sowie zwischen Anleger Drehbrücke und Anleger Kurze Straße zu festen Zeiten an.