Wolfsmonitoring und Managementplan sollen helfen, Mensch und Wolf näher zueinander zu bringen anstatt zu entzweien (Symbo
Wolfsmonitoring und Managementplan sollen helfen, Mensch und Wolf näher zueinander zu bringen anstatt zu entzweien (Symbolbild). Bernd Thissen
Naturschutz

Wolf oder Reh? Was das Land zu Sichtungen an der Müritz sagt

Müritzer Jäger und Forstleute beobachten immer wieder Wölfe. So manches Tier traue sich auch näher an den Menschen heran, erzählen einige.
Müritzregion

Kann ein Wolf den Eindruck eines „wegspringenden Rehs“ erwecken und können selbst ausgebildete Forstleute und erfahrene Jäger einer solchen Täuschung aufsitzen? Ja, ein Wolf kann als Reh „verwechselt“ werden. Diese Aussage kommt aus Kreisen des Landwirtschaftsministeriums und basiert auf der Wahrnehmung Müritzer Jäger und Forstleute, die gehäufte Wolfssichtungen bemerkt haben. Das Thema „Wolf“ wird in Teilen hochemotional diskutiert, dabei ist Sachlichkeit und Transparenz das Gebot der Stunde.

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Wolf häufiger als früher beobachtet

Das Wolfsmonitoring soll in die gefühlte Wolfswahrnehmung Sachlichkeit bringen. Dabei wurden im Monitoring-Jahr vom 1. Mai 2020 bis zum 30. April 2021 in ganz Mecklenburg-Vorpommern 15 Rudel, sechs Paare und drei territoriale Einzelwölfe registriert. Das aktuelle Monitoring-Jahr ist erst am 30. April beendet. Die vorläufigen, öffentlich zugänglichen Zahlen weisen 14 Rudel, ein Paar und fünf Einzelwölfe aus. Seit Jahren schon ist bekannt, dass sich inzwischen auch in der Nossentiner Heide Rudel gebildet haben. Jäger und Forstleute aus der Region gehören zu denjenigen, die auf Nordkurier-Nachfrage bestätigten, dass sie Meister Isegrim viel häufiger wahrnehmen als noch vor einem Jahr. Auch im Bereich Petersdorf bis Satow nahe Malchow soll Isegrim einen neuen Lebensraum gefunden haben.

Olaf Schwahn ist als Revierförster im Bereich Petersdorf unterwegs und ist, wie viele seine Kollegen im Umland, nun des Öfteren mit Isegrim konfrontiert – entweder durch Fotofallen, durch Spuren auf dem Waldboden oder dem Vis-a-vis-Kontakt. Bisher galt der Bereich eher als Transitstrecke für den Wolf, so Schwahn. Doch erst vor einer Woche habe er einem gegenübergestanden. Nur 80 Meter von ihm entfernt, berichtet der Forstmann, der gleichzeitig Jäger ist. Das Tier wertete er eindeutig als Wolf. Kurz nachdem sich die Blicke trafen, flüchtete das Tier, so der Förster weiter. Dass der Wolf nach wie vor seine Scheu vor Menschen nicht verliert, stimme aber nicht, sagen Schwahn und andere Müritzer Jäger. Immerhin sei Isegrim intelligent und lernfähig.

Ministerium: Wolf ist keine Gefahr

Das Ministerium hat dafür nur Kopfschütteln übrig. In den Amtsstuben bleibt die Meinung zum Wolf unverändert: Er wird seine Scheu vor dem Menschen nicht ablegen und sei keine Gefahr, wie es in einem Gespräch.

„Fand man Spuren vom Wolf vorher nur einmal in einem halben Jahr, so ist es jetzt beinahe täglich“, schätzt Schwahn ein. Um den Wolf aber in einer Gegend nachzuweisen, braucht es „harte Fakten“. Das Ministerium versteht darunter sogenannte C1-Hinweise. Dazu zählen etwa ein Lebendfang, ein Totfund, ein genetischer Nachweis oder Fotos.

Mehrere Rudel rund um die Müritz bestätigt

Im Bereich der Müritz gab es Anfang 2021 laut Ministerium aktuell drei bestätigte Wolfsrudel: eines in Nossentiner Heide mit drei bekannten Welpen im Jahr 2020, eines im Bereich der Müritz mit drei bestätigten Welpen im Vorjahr und seit vergangenem Jahr auch ein Rudel in Wokuhl mit fünf bestätigten Welpen 2020.

Landwirt und CDU-Politiker Thomas Diener sieht vermeintliche Ängste vor dem Wolf von zuständigen Behörden heruntergespielt und Kompetenzen von Fachleuten zu Unrecht infrage gestellt. Das Wolfsmonitoring soll Zahlen liefern; ein Managementplan das Ziel und den Schutzstatus des Raubtieres erklären: „Der Ansatz des Wolfsmonitorings sowie der Managementplan sind vom Ziel her zwar löblich, allerdings führen die Vielzahl der Beteiligten und Schnittstellen in der Verfahrenskette zu einer schwierigen Umsetzbarkeit. Ich halte dies für eine ,strukturelle und organisierte Hilflosigkeit’. Man könnte den Eindruck gewinnen, dies sei gewollt“, meint der CDU-Landtagsabgeordnete. Diener sieht mehrere zentrale Probleme: neben der Identifizierbarkeit des Einzeltieres eben auch unterschiedliche Definitionen zu auffälligem Verhalten etc..

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