„TAG DER SCHLANGE“

Würgeschlangen im Wohnzimmer und Nattern im Garten

Schlangen als Haustiere sind wahrlich nicht jedermanns Sache. Olaf Prather aber liebt diese Tiere und hält besonders imposante Exemplare. Für den „Tag der Schlange“, hat er seinen Lieblingen ein besonderes Festmahl vorbereitet.
Emma will ausbüxen. Olaf Prather hält insgesamt sechs Boas im Haus und 15 Strumpfbandnattern im Garten.
Emma will ausbüxen. Olaf Prather hält insgesamt sechs Boas im Haus und 15 Strumpfbandnattern im Garten. Helga Wagner
Boa Berta ist in Hochzeitsstimmung. Aber Schlangenmann Bert hat keinen Zutritt.
Boa Berta ist in Hochzeitsstimmung. Aber Schlangenmann Bert hat keinen Zutritt. Helga Wagner
Am Ehrentag der Schlange gibt es Rattensteaks für die Lieblinge von Olaf Prather.
Am Ehrentag der Schlange gibt es Rattensteaks für die Lieblinge von Olaf Prather. Helga Wagner
Viel Mühe macht so ein Knäuel – nicht noch einmal will Olaf Prather junge Boas züchten.
Viel Mühe macht so ein Knäuel – nicht noch einmal will Olaf Prather junge Boas züchten. Helga Wagner
Silz.

Ein Waran, wäre schön, sagt er, eine Großechse oder wenigstens ein Feuersalamander oder eine Schildkröte. „Aber meine Frau hat gleich die Arme gehoben. Nein, bloß nicht noch so was! Die Schlangen reichen!“ Olaf Prather blättert in den bunten Katalogen. Stolze Amphibien sind dort abgebildet. Er seufzt. Bei den Schlangen hatte Frau Monika seinem Drängen schließlich nachgegeben. Seit 2014 hält der Silzer in der Nähe von Malchow sechs gesunde Boas mit Stammbaum-Papieren. Die Würgeschlangen haben sogar ein eigenes Wohnzimmer, mit feinen weißen „Möbeln“. Eine Anlage im Vorraum regelt Luftfeuchtigkeit und Temperaturgefälle, am Tag 28 bis 30 Grad und nachts 24 bis 26.

Am 1. Februar haben seine Boas und seine Strumpfbandnattern im Garten ihren Ehrentag. In einem internationalen Kalender ist der 1. Februar nämlich der „National-Tag der Schlange“. Damit soll auf diese Tiere, die wichtig und nützlich im Ökosystem sind, aufmerksam gemacht werden. Obwohl sie nicht immer über den besten Ruf verfügen. Schon in der Bibel mussten Schlangen als bösartige Verursacher des Sündenfalls herhalten. Allerdings wurden sie aber auch das Symbol medizinischer Heilkünste und der Fruchtbarkeit. 3500 bekannte Arten gibt es weltweit. Lediglich ein Achtel davon sei giftig, heißt es in einschlägigen Lexika. Weil es im Februar hierzulande wohl den allermeisten Schlangen zu kalt ist, sich im Freien wohlzufühlen, hat man noch einmal am 16. Juli den „Welttag der Schlange“ gekürt. Doppelt hält eben besser.

Tiefkühl-Ratten werden wohl temperiert

Olaf Prather hat für seine Riesenschlangen-Lieblinge heute Rattenfleisch auf dem Speiseplan. Er holt zwei Pakete aus der Kühltruhe. Die wird er auftauen, wohl temperieren, um sie Berta, Emma, Frieda, Fred, Bert und Gerd zu reichen. Mit einer Zange. Etwas Lebendigkeit wird simuliert, damit sie lustvoller zubeißen. Alle zwei bis drei Wochen wird gefüttert. Im Dunkeln. Die Schlangen sind ja nachtaktiv, erklärt er.

Für seine 15 Strumpfbandnattern bleibt allerdings auch heute die Speisekammer verschlossen. Sie haben Winterruhe. Das Terrain im Hof ist verwaist. Nur die barbusige Schlangengöttin aus Keramik lächelt in die Runde. Die Nattern schlummern derweil in 1,20 Metern Tiefe auf Eichenlaub, Steinen oder Stroh. „Wo sie gern wollen“, sagt Prather. Vier Überwinterungs-Kammern hat er für sie bauen lassen.

Gleich nach dem Winterschlaf ist Paarungszeit

Im April kommen die Nattern dann wieder zum Vorschein und lassen es sich in der Sonne zwischen Sträuchern und Rosenbüschen gutgehen. Im Mai beginnen sie zu fressen, jagen kleine Fische, die Olaf Prather ihnen in den Teich gesetzt hat. „Meine Strumpfbandnattern sehen schon schick aus – mit ihren blauen, roten und goldenen Perlenkleidern“, freut sich der ehemalige Landwirt – und verrät schmunzelnd, was sie als Erstes machen, wenn sie aus dem Winterschlaf kommen: „Sie saufen und paaren sich.“ Zwölf Männchen buhlen dann um die Gunst von drei Weibchen. „Da ist was los!“ Die Jungen kommen im August, September. Rank und schlank und dünner als Spaghetti.

Im vergangenen Jahr hatten auch seine Boas Nachkommen. 13 kleine Schlangen hat Olaf Prather aufgepäppelt. Die Kinder von Berta und Bert. Er habe die kleinen auch gut ans Futter bekommen, erzählt er. Eine Geduldsprobe. Nackte Mäuschen so lange den Winzlingen vor den Mäulern herumwackeln, bis sie zupacken. Oft hat er da stundenlang gesessen. Nachwuchs wird er aber nun nicht mehr züchten. Er winkt ab. Er hat gesehen, dass er es kann. Dass seine Haltungsbedingungen so gut sind, dass es klappt. Das reiche ihm. Es bleibe ja immer die Frage: Wohin dann mit den Kleinen? Man könne sie ja nicht einfach Nachbarn oder Freunden zum Geburtstag schenken. „Die Frau möchte nicht es auch nicht mehr“ sagt Olaf Prather, „und da ist es eben so!“

Ohne Liebesspiel machen die Boas Zoff

Schlange Berta liegt derweil majestätisch auf ihrem weißen Thron. Schlangenmann Bert hat sich im Nebenzimmer in seiner Kiste verkrochen. Das gefällt der Berta wohl ganz und gar nicht. Sie schlägt mit der Schwanzspitze, signalisiert Unmut. „Sie haben jetzt Paarungszeit“, verrät Prather. Aber nichts da, kein Liebesspiel sei ihnen mehr gegönnt. Natürlich gibt es dann auch mal Zoff. Dann räumen diese bis zu zwei und fast drei Meter großen Tiere ihre Terrarien so richtig auf, „da hängen sie auch gleich mal die Lampe ab oder kippen ihre Bade- und Wasserbehälter um.“ Er richtet es wieder. Mit Liebe und Sorgfalt.

Schon als Kind hat Olaf Prather Ringelnattern auf dem Boden des Hauses gehalten. Heimlich. „Mäuse gab es ja genug.“ Er wohnte damals in einer sächsischen Kleinstadt. Einmal sei eine Natter ausgebüxt und habe in der Straße ziemliches Aufsehen erregt. „Meine Mutter war Lehrerin und hatte mich gleich in Verdacht. Vielleicht schämte sie sich auch ein bisschen“, erzählt Olaf Prather.

„Die Leute haben einfach keine Ahnung“

Eigentlich kann er nicht verstehen, warum sich mancher vor diesen Tieren ekelt oder sie gar für widerwärtig, hinterhältig, gefährlich hält. „Die Leute haben einfach keine Ahnung“, sagt er. „Schlangen sind schützenswerte Geschöpfe.“ Und Ängste müsse man nicht haben, wenn man diese Tiere respektiert und weiß, wie man mit ihnen umzugehen hat. 50 einschlägige Bücher hat der 62-Jährige gewälzt. Und er führt selbst Buch über alles, was seine Schlangen angeht, über jede Fütterung, wie viel und was sie fressen und wie sie sich fühlen.

Ja, er liebt seine Schlangen. Er sieht ihnen gern zu, wenn andere vor dem Fernseher sitzen. Er freut sich, wenn es ihnen gut geht. Natürlich kann er sie nicht streicheln und kraulen wie Hund und Katze. „Dafür haaren sie aber auch nicht!“, sagt er.

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