FRIDAY FOR FUTURE

Wut, Frust, Feindbilder bei Warener Klima-Demo

Von der Politik zum Narren gehalten, von den Medien heruntergespielt – die Klimaschutz-Kämpfer von Waren hatten bei einer Demonstration gleich mehrere Feindbilder.
Christine Gerhard Christine Gerhard
Viele Schüler wären nicht gekommen, wenn die Demonstration zur Schulzeit stattgefunden hätte.
Viele Schüler wären nicht gekommen, wenn die Demonstration zur Schulzeit stattgefunden hätte. Christine Gerhard
Aber auch viele Erwachsene demonstrierten mit. Ein Teilnehmer schlug „1000 Meter Abstand zwischen jedem Politiker und de
Aber auch viele Erwachsene demonstrierten mit. Ein Teilnehmer schlug „1000 Meter Abstand zwischen jedem Politiker und den Lobbyisten der Kohleindustrie“ vor. Christine Gerhard
Auch die MLPD (Marxistisch-Leninistische Partei Deutschlands) lief bei der Klimaschutz-Demonstration mit.
Auch die MLPD (Marxistisch-Leninistische Partei Deutschlands) lief bei der Klimaschutz-Demonstration mit. Christine Gerhard
Waren.

Eckart Hübener hat einen Traum - einen Traum, den bei der Warener Klimademo am Freitag wohl viele träumten: dass in Waren nur Busse, Bahn, Räder, Roller und abgaslose Autos fahren und man das Wasser aus der Müritz wieder trinken kann. In seinem Brunnen habe das Wasser in diesem Sommer vier Meter tiefer gestanden als sonst, erzählte der pensionierte Pastor bei seiner eindringlichen Rede. Um zu wissen, dass das Klima sich ändert, brauche er kein Fernsehen und keine Zeitungen, sagte er bei der Kundgebung in Waren.

Dort fand am Freitag nach Schulschluss eine von 3800 Klimademos weltweit statt. Schätzungsweise 110 Menschen gingen in der Müritzstadt auf die Straße, darunter auch Schüler, deren Eltern einem Schulstreik nicht zugestimmt hätten.

Müllsammeln sei wichtiger als Klima-Management

Vor ihnen und allen übrigen Versammelten äußerte sich Stefan Dahlmann, Stadtvertreter der Grünen, nicht nur scharf gegen die Bundespolitik mit ihrem „lachhaften“ Klimapaket, dem niedrigen CO2-Preis und dem ausbleibenden Tempolimit. Auch in der Kommunalpolitik fehlt es seiner Ansicht nach an Engagement und Einsicht: Dahlmann kritisierte Stadtvertreter, „die mit zwanzig, dreißig Jahre alten Zeitungsartikeln erklären wollen, dass wir klimahysterisch sind“ und denen Müllsammeln wichtiger sei als ein Klimamanagement.

„Der Einsatz für einen Klimaschutzmanager ist bisher am Geld gescheitert“, sagte Grünen-Stadtvertreterin Jutta Gerkan. „Das kann doch nur mangelnder politischer Wille gewesen sein.“ Für ein Klimaschutzkonzept, einen Klimaschutzbeirat und -manager in Waren lagen Unterschriftenlisten aus.

Die waren lang. Ganz allein sind Mitinitiator Titus Hübner vom Wossidlo-Gymnasium und seine Mitstreiter also nicht, auch wenn es sich manchmal so anfühle. Der Frust, dem die Demonstranten pfeifend und lärmend Luft machten, war deutlich zu spüren: „Ich steige aufs Fahrrad und ein anderer steigt in ein Flugzeug“, gab Hübner ein Beispiel, „weil Fliegen billiger ist als Zugfahren.“

„1000 Meter Abstand zwischen Politikern und Kohle-Lobbyisten”

Dabei hält Hannes Mast, ein Urlauber aus Essen, die technischen Voraussetzungen für eine Veränderung im größeren Stil für gegeben. „Ich arbeite bei Siemens und eigentlich haben wir die Technologien, die nötig sind, um weniger Emissionen in die Atmosphäre zu schleudern.“ Nur der Profit müsse stimmen. In Anlehnung an den geplanten Abstand zwischen Windkraftanlagen und Siedlungen schlug Hübner „1000 Meter Abstand zwischen jedem Politiker und den Lobbyisten der Kohleindustrie“ vor.

Schüler, Eltern, Grüne, Kirchen, MLPD demonstrieren

Wut und Unverständnis über die Bundespolitik wurden laut: „Das Klimapaket der Bundesregierung ist ein Skandal“, sagte Barbara Schilke von der MLPD. „Und selbst das wurde nicht einmal verabschiedet, sondern nur Teile davon.“ Sie mahnte darüber hinaus zur Wachsamkeit, die Bewegung werde von den Medien heruntergespielt.

Dabei ist die Umweltbewegung nichts Neues, erinnert Pastorin Anja Lünert, die die Demonstration angemeldet hat. Neben ihr marschierten gestern auch andere Kirchenvertreter mit. „Die Bewahrung der Schöpfung, war für die Kirchen schon immer sehr wichtig, unsere ureigenste Aufgabe“, so Lünert.

 

 

 

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