GERICHTSBERICHT

Zechpreller kostet Richter in Waren einige Nerven

Das Verfahren gegen einen 33-jährigen Brandenburger am Amtsgericht war außergewöhnlich. Er wollte von seiner Schuld ablenken, die Zeche geprellt zu haben.
Susann Salzmann Susann Salzmann
Zum Zeitpunkt des Betruges gab der damals arbeitslose Fliesenleger noch vor, eine Firma zu leiten.
Zum Zeitpunkt des Betruges gab der damals arbeitslose Fliesenleger noch vor, eine Firma zu leiten. Özcan Sen
Waren.

Die Gerichtsverhandlung hatte noch gar nicht begonnen, da diskutierte der Angeklagte mit seiner Anwältin bereits eifrig, wie es dazu kam, dass er im Warener Hotel „Am Müritzhafen“ die Zeche prellte. Dort ist nur Barzahlung möglich. Natürlich sei er willens zum Bezahlen gewesen, habe das Geld am Anreisetag sogar von seinem Konto abgehoben, doch die Hotelmitarbeiterin habe es wegen noch ausstehender Zusatzleistungen ohne Endsumme noch nicht entgegennehmen wollen.

So zumindest die Version des Angeklagten, der in polizeilicher Hinsicht keine weiße Weste hat. Derzeit sitzt er eine zweijährige Haftstraße in der Berliner Justizvollzugsanstalt wegen eines anderen Einmietbetruges in der Bundeshauptstadt ab. Damals habe er ein Zimmer lediglich für einen Freund gemietet – bezahlt habe er „später“, heißt, nachdem er dafür vor dem Amtsgericht Tiergarten in Berlin verurteilt wurde. In Waren aber wollte er sich vom 29. Juni bis zum 1. Juli 2018 mit seiner hochschwangeren Freundin ein paar erholsame Tage gönnen – weitab der Heimat im brandenburgischen Mittenwalde. Über die Internetplattform „booking.com“. reservierte er das Zimmer im Hotel „Müritzhafen“. Kosten samt Frühstück: 264 Euro. Das Geld – das Jobcenter soll zu diesem Zeitpunkt gerade Hartz IV in Höhe von 410 Euro überwiesen haben – hob er sofort ab, und trug es nach eigenen Aussagen bis zum Abreisetag mit sich.

Dass ihm fehlender Bezahlwille und Betrug vorgeworfen wird, kann der junge Mann daher ganz und gar nicht verstehen. „Er kam ziemlich hektisch bei uns an und wollte schnell auf sein Zimmer“, erinnerte sich die Hotelmitarbeiterin an den Vorfall von vor rund anderthalb Jahren. Damals gab er sogar noch an, endlich die Hektik des Firmenleitens für einige Tage hinter sich lassen zu wollen.

„Dachte, die ziehen das Geld ein, wenn ich nicht bezahle“

Strafbar machte sich der 33-Jährige spätestens mit seiner Abreise am Morgen des 1. Juli. Als der Angeklagte mit seiner Freundin das Hotel nach zwei Übernachtungen verließ, saß niemand an der Rezeption. Die Klingel, mit der zu den Mitarbeitern des Hauses umgehend eine Telefonverbindung aufgebaut wird, habe er nicht benutzt. Wirklich bemüht, seine Schulden zu begleichen, hat sich der gelernte Fliesenleger und Vater einer einjährigen Tochter damals scheinbar nicht. Billigend nahm er einen Betrug in Kauf, nur damit er und seine Freundin keinen späteren Zug zurück in Richtung Berlin nehmen mussten.

„Haben Sie sich danach mit dem Hotel in Verbindung gesetzt?“, fragte Richterin Alexandra Sprigode-Schwencke nach. Der junge Mann schüttelt mit dem Kopf. Immerhin wären seine korrekten Daten bei der Internetplattform hinterlegt. „Ich dachte, die ziehen das Geld dann ein, wenn ich es nicht bezahle“, versuchte er, sein fragwürdiges Nicht-Reagieren zu begründen.

Gemeldet habe sich auch Tage und Wochen später niemand bei dem Beschuldigten. Mahnbriefe kamen nicht an – die Nachbarin hätte unerlaubt seine Post unterschlagen, sagte er vor Gericht. Geld ging auch nicht vom Konto ab, und er selbst konnte ob fehlender Bankverbindung nicht überweisen. „Seit einem Jahr aber will ich meine Schulden bezahlen“, betonte er mehrfach vor Gericht.

Ob ihm eine Bezahlung – wie von ihm beteuert – am Abreisetag wirklich vorschwebte, blieb fraglich. Die Hotelchefin entschuldigte sich am Verhandlungstag wegen Krankheit und die Mitarbeiterin könne sich nicht daran erinnern. Weil eine zweite Verhandlungsrunde dem entstandenen Schaden nicht gerecht wäre, machte Alexandra Sprigode-Schwencke am Ende kurzen Prozess: Der Angeklagte soll die Hotelkosten an die Unterkunft zurückzahlen, das Verfahren wurde eingestellt – auch mangels widersprüchlicher Aussagen.

Stadt. Land. Klassik! - Konzert in Waren

Kommende Events in Waren

zur Homepage