STREIT AUF DEM ZELTPLATZ

Zornige Camper schließen Reihen fester

Nachdem mehr als 300 Dauerzelter vom Verein "Heidepark Silz" die Kündigung ihrer alten Pachtverträge erhielten, wollen die jetzt eine eigene Interessengemeinschaft bilden. Die Liebhaber der frischen Luft appellieren an die Kraft der Einigkeit.
Aufregung statt Entspannung. Wegen des Ärgers mit ihrem Verpächter haben die Dauercamper auf dem Zeltplatz in Silz jetzt beschlossen, eine eigene Interessenvertretung zu gründen.
Aufregung statt Entspannung. Wegen des Ärgers mit ihrem Verpächter haben die Dauercamper auf dem Zeltplatz in Silz jetzt beschlossen, eine eigene Interessenvertretung zu gründen. Thomas Beigang
Silz.

Camper können improvisieren. Klaus Peschel, seit sechs Jahren mit dem Wohnwagen auf dem Zeltplatz in Silz am Fleesensee, zeigt auf einen Packen Papier. Der offene Brief, den einige der Dauercamper an die Adresse des Vorstands des Vereins „Heidepark Silz“ geschrieben haben, liegt für alle bereit. „Denn“, so der engagierte Zeltplatzbewohner, „die Exemplare, die wir an öffentlichen Stellen auf dem Platz ausgehängt haben, sind über Nacht verschwunden“. Aber schnell haben die Dauercamper den Brief für alle vervielfältigt.

An Zufall glaubt dabei keiner der vielen erbosten Dauercamper, die sich am Wochenende zu einem Treffen auf dem Zeltplatz versammeln. Die Entfernung des Schreibens gilt vielen als ein neuerliches Zeichen für den rauen Umgang zwischen dem Vereinsvorstand und den Dauercampern. Das Fass zum Überlaufen haben vor wenigen Tagen die Kündigungen der Pachtverträge gebracht.

Ungerechtigkeiten sollen behoben werden

Jeder der mehr als 300 Dauercamper, viele halten dem Platz seit Jahrzehnten die Treue, soll einen neuen Vertrag unterschreiben. Als Begründung wurden unter anderem bestehende Ungerechtigkeiten zwischen einzelnen Verträgen angeführt. Der Verein, dem nur die Bewohner der benachbarten Bungalowsiedlung angehören, verpachtet die Parzellen auf dem Zeltplatz an die Camper.

Seither ist es vorbei mit der idyllischen Beschaulichkeit am Seeufer. „Wir wollen uns hier erholen und haben eigentlich keine Lust, uns mit solchen Käse zu beschäftigen“, so Klaus Peschel. Was der „Käse“ nennt, sind befürchtete Erhöhungen der Pachtbeiträge. „Der Verein der Bungalowbesitzer lebt von unserem Geld“, so Peschel zu den versammelten Campern. Bei Jahresbeiträgen von bis zu 1000 Euro käme doch eine ganze Menge zusammen. „Wir wollen jetzt endlich wissen, wie mit unserem Geld gewirtschaftet wird“, ruft Peschel unter dem Beifall der Zahler und beschwört seine „Kollegen“, die Reihen fest zu schließen um mit einer Stimme gegen „die da“ zu sprechen.

Redner beschwören den Geist des Mauerfalls

Andere Redner erinnern an die Kraft des Volkes, die es vor 25 Jahren geschafft hat, noch ganz andere Mauern einzureißen. Der Ausflug in die Historie zeigt Wirkung, mit überwältigender Mehrheit beschließen die Parzellen-Pächter, eine Interessengemeinschaft der Dauercamper zu gründen. Eine ältere Dame erzählt, das sie schon seit 1957 Dauergast auf dem Platz sei - eine solche „Diktatur“ hätte sie bislang aber noch nie erlebt.

Nicht ganz ungefährlich die neuen Einigkeiten, so meinen einige Beobachter aus der Bungalowsiedlung, die „heimlich“ die Veranstaltung der Zelter besuchen. Denn - wenn auch nur 20 oder 30 der aufgebrachten Dauercamper die neuen Verträge nicht akzeptieren und kündigen - dann sehe es um die Finanzen im Verein mächtig mau aus. Dem Vereinsvorsitzenden Uwe Müller stehen harte Zeiten bevor. Denn am Freitag will er den Dauercampern gegenüber treten und ihnen die neuen Verträge erklären.

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