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Zum Praktikum nach Mecklenburg: Die Kuh kennt keine Sprachbarrieren

Vier Wochen lang packt Alexis Weber in Lehsten mit an. Beim Füttern der Kühe, wie beim Reinigen der Traktoren.  FOTO: C. Schönebeck

VonCarsten SchönebeckMit Tieren versteht sich Alexis Weber wortlos. Mit den Kollegen im Agrarbetrieb ist das nicht ganz so einfach. Denn der junge Franzose ...

VonCarsten Schönebeck

Mit Tieren versteht sich Alexis Weber wortlos. Mit den Kollegen im Agrarbetrieb ist das nicht ganz so einfach. Denn der junge Franzose macht seit dieser Woche ein Praktikum in Lehsten.

Lehsten.Menschen, Tiere und Traktoren - für den Blick über den landwirtschaftlichen Tellerrand hat Alexis Weber eine lange Reise auf sich genommen. Knappe 1000 Kilometer hat der Franzose am vergangenen Wochenende zurückgelegt. 12 Stunden Autofahrt, nur um bei sommerlicher Hitze schuften und schwitzen zu dürfen. Der 18-Jährige absolviert ein Praktikum im Landwirtschaftsbetrieb von Thomas Diener in Lehsten.
Allerdings geht es hier nicht um einen Schnupperkurs im Kühemelken und Ausmisten. Alexis Weber will selbst Landwirt werden und besucht deshalb eine Agrar-Schule in Frankreich. „Ein Praktikum im Ausland ist Pflicht für uns“, erklärt er in beinah akzentfreiem Deutsch. Auch wenn das Wörterbuch in diesen Tagen ein ständiger Begleiter ist. Die Nachwuchskräfte sollen ihre Fremdsprachen-Kenntnisse aufpolieren und gleichzeitig einen anderen Blick auf ihren Traumberuf bekommen.
Letzteres, sagt Alexis Weber, sei schon mal gelungen. „Wir haben auch größere Betriebe in Frankreich. Aber das hier ist schon riesig“, schildert er seinen ersten Eindrücke aus Lehsten. Denn bei ihm zu Hause, da hat so ein Landwirt vielleicht 100 Kühe, wenn es hoch kommt. In Lehsten kommt man da schon auf das Fünffache.
Zu Hause, das ist für ihn das Elsass. Er lebt und lernt in Straßburg. Von dort bis zur deutschen Grenze ist es nur ein kurzer Spaziergang. Den unternimmt er gern und oft. Nicht nur, weil Lebensmittel in Deutschland deutlich günstiger seien. So weit wie diesmal hat es ihn allerdings noch nie ins Nachbarland verschlagen. Zumindest ganz alleine musste er die Reise nicht antreten. „Ich habe noch eine Schulkollegin mitgenommen. Insgesamt sind wir im Moment zu acht in Mecklenburg.“ Allerdings alle in unterschiedlichen Betrieben. Kommende Woche wollen Sie sich in Neubrandenburg treffen. Bis dahin hat ihn die Arbeit fest im Griff. Um 7 Uhr geht‘s los, bis in den späten Nachmittag: Rinder füttern, Traktor fahren, kleine Reparaturen.
Aber es soll noch Zeit und Energie bleiben um Land und Leute kennenzulernen. Denn abgesehen von der Größe des Betriebs, seien die Unterschiede überschaubar. „Ich will mein Deutsch verbessern, das ist das Wichtigste“, sagt Alexis Weber.
Seit acht Jahren lernt er Deutsch. „Die Verbindungen nach Deutschland sind im Elsass sehr eng. Die meisten lernen dort Deutsch in der Schule“, berichtet er. Einen Kulturschock gab es für ihn also nicht. Schließlich sei auch das Essen hier nicht viel anders als in seiner Heimat.
Auf seine Fremdsprachen-Kenntnisse ist er in Lehsten angewiesen, denn unter den Kollegen ist Französisch kaum verbreitet. Nur mit den „Arbeitsobjekten“, klappt die Verständigung wortlos. „Ich mag Tiere allgemein und Kühe besonders. Wenn ich mit der Ausbildung fertig bin, will ich gerne in einem Viehbetrieb anfangen“, sagt er. Bis Ende des Monats bleibt er in Lehsten. Seine Abschlussprüfung steht im Winter an.

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