GERICHTSPROZESS

Zwei Jahre Haft für Drogen-"Lagerist" gefordert

Bei einer Razzia auf dem Hof des 35-Jährigen nördlich von Waren (Müritz) hatten Polizisten mehr als sechs Kilo Marihuana und andere Drogen gefunden.
Matthias Lanin Matthias Lanin
Der Drogenfund - hier nur ein Teil der sichergestellten Drogen - war einer der bedeutendsten Fälle der vergangenen Jahre in der Müritzregion. Der Gesamtwert wurde von der Polizei damals auf mehr als 100 000 Euro beziffert.
Der Drogenfund – hier nur ein Teil der sichergestellten Drogen – war einer der bedeutendsten Fälle der vergangenen Jahre in der Müritzregion. Der Gesamtwert wurde von der Polizei damals auf mehr als 100 000 Euro beziffert. Polizei
Neubrandenburg.

Mit einem oder vielleicht zwei blauen Augen davon kommen könnte einer der Beteiligten am größten Drogenvertriebsring, der in der Mecklenburgischen Seenplatte bislang aufgedeckt wurde. Robert H. war den Behörden im Juni 2018 im Rahmen einer Großrazzia ins Netz gegangen. Insgesamt wurden dabei mehr als ein Dutzend Verdächtige gefasst, die Drogenhandel in großem Stil betrieben haben sollen. Zwei Drahtzieher aus der Müritzregion waren darauf im Dezember schon zu Haftstrafen von drei und vier Jahren verurteilt worden.

Beim zweiten Verhandlungstag gegen den 35-jährigen Robert H. aus einem Dorf nördlich von Waren hat sich der Angeklagte am Montag einsichtig doch wortkarg dargestellt. Die Staatsanwaltschaft fordert gegen ihn eine zweijährige Bewährungsstrafe wegen Verstoßes gegen das Betäubungsmittelgesetz. Als Grund für dieses vergleichsweise geringe Strafmaß führten die Juristen am Montag das Geständnis und die Hilfsbereitschaft des Beschuldigten an. „Bereits während der Durchsuchung hat er sich ruhig und zum größten Teil kooperativ gezeigt”, sagte der leitende Kripo-Beamte im Zeugenstand.

Eine "wahre Drogenscheune" gefunden

Der koordinierte Schlag gegen das Drogenhandel-Netzwerk wurde an einem „schönen sonnigen Morgen” ausgeführt, wie am Montag der leitende Beamte erklärte. Er sei mit zwei Fahrzeugen auf dem Hof des Angeklagten Robert H. angekommen und habe den Verdächtigen sogleich hinter einer Gardine der Wohnung entdeckt. Eine Flucht war sinnlos und Robert H. versuchte es auch gar nicht erst. Die Beamten haben eine wahre „Drogenscheune” gefunden. Hier fanden sie mehr als sechs Kilogramm Marihuana in einem schwarzen Müllsack, professionelle Dealer-Utensilien und mehrere Salzgurkengläser mit Amphetaminen. In einem halb angekokelten Sack in einem alten Ofen auf dem Dachboden fanden die Ermittler zudem Unmengen an Ecstasy-Tabletten.

Die Vorsitzende Richterin Nicola Schmidt-Nissen versuchte am Montag die Beziehung des angeklagten Robert H. zu den Drahtziehern des Drogenrings zu ermitteln. Dabei zeigte sich, dass der in Peenehagen bei Waren wohnende Mann als Lagerist und Entsorger für das Netzwerk fungiert hatte.

Geparktes Auto als Briefkasten

Als Lieferkanal habe dem Netzwerk kein Briefkasten sondern ein abgestelltes Auto ohne Kennzeichen gedient. Aufgrund der Überwachung dieses Drogenautos habe die Kriminalpolizei Robert H. auch schlussendlich erwischen können. Die Betäubungsmittel des Netzwerks hatten insgesamt einen Wert von weitaus mehr als 100 000 Euro und stellten damit einen der bedeutendsten Fälle der letzten Jahre in der Region dar.

Auch wie Robert H. in den Kreis der bereits verurteilten Drogenbarone geraten war, ist am Montag im Landgericht zur Sprache gekommen. So habe er mit einem der Hauptangeklagten der vorhergehenden Prozesse als Parkettleger zusammen gearbeitet, während er noch in Berlin tätig war. Mit dieser nur wenige Wochen andauernden beruflichen Zusammenarbeit begann eine verhängnisvolle und länger andauernde kriminelle Zusammenarbeit. Robert H. ist Vater zweier Kinder und lebt mit seiner Lebensgefährtin in der Gemeinde Peenehagen.

Die öffentliche Verhandlung soll am Landgericht Neubrandenburg am Mittwoch fortgesetzt werden.

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