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MV-Fischer dank Hering im grünen Bereich

VonRalph SommerNach drei Jahren Stagnation steigen die Erlöse ostdeutscher Küstenfischer erstmals wieder deutlich an. Doch der Flotte droht neues Ungemach: ...

VonRalph Sommer

Nach drei Jahren Stagnation steigen die Erlöse ostdeutscher Küstenfischer erstmals wieder deutlich an. Doch der Flotte droht neues Ungemach: Umweltverbände fordern drastische Fangbeschränkungen.

Negast.Der Hering war’s. Der sogenannte Brotfisch sei vor allem für die positive Fangbilanz der Küstenfischer verantwortlich, sagte Ulf Blume, Referatsmitarbeiter im Landwirtschaftsministerium Mecklenburg-Vorpommern, am Freitag auf dem Fischereitag in Negast.
Der Saisonfisch habe sogar die um über 900000 Euro zurückgegangenen Erlöse im Dorschfang ausgeglichen. Angesichts der für dieses Jahr nochmals um 23 Prozent erhöhten Heringsquote und des aktuell akzeptablen Marktpreises könnten die Gesamterlöse in diesem Jahr noch einmal steigen.
Dennoch ist die Fischerei noch nicht aus der Krise. Seit 2007 gaben 123 Fischer ihren Hauptberuf auf. Dem standen nur 64 Existenz-Neugründungen gegenüber. Insgesamt werfen derzeit noch
277 Fischer vor Mecklenburg-Vorpommerns Küste hauptgewerblich ihre Netze aus.
Nach Einschätzung des Landesverbandes der Kutter- und Küstenfischer war 2012 ein durchwachsenes Fangjahr. „Wir hatten zwar eine gute Heringssaison“, sagte Verbandschef Norbert Kahlfuss. Sorge bereite aber der Dorsch, der aus unerklärlichen Gründen seit einem Jahr nicht mehr in großen Schwärmen durch die Ostsee ziehe. Zudem seien die Weltmarktpreise im Keller. Deshalb sei 2012 die zugewiesene Dorschquote nur zu zwei Dritteln abgefischt worden. Existenzielle Einbußen befürchtet die Branche durch Fangverbote in den geplanten Meeresschutzgebieten, mit denen die EU vor allem Seevögel, Schweinswale und Kegelrobben besser schützen will. So würde das Verbot der Schleppnetzfischerei in der Pommerschen Bucht mit den jahrzehntelangen Fanggründen Oderbank, Roennebank und Adlergrund für die kleine Küstenfischerei zu erheblichen Verlusten führen, warnte Kahlfuss. Umweltschützer und Forscher des Bundesamt für Naturschutz (BfN) fordern auch Fangbegrenzungen für Fanggebiete außerhalb von Schutzgebieten.
Auch die vergleichsweise umweltverträgliche Stellnetzfischerei ist bedroht. So soll als Ausgleich zum geplanten Bau eines Gaskraftwerks in Lubmin der Fang mit aufgestellten Netzwänden im Greifswalder Bodden während der Heringssaison begrenzt werden. Betroffen sei vor allem das Gebiet der Auslauffahne des Kraftwerkskühlwassers, sagte der Chef der Freester Fischereigenossenschaft, Michael Schütt.
„Es ist für uns nicht nachvollziehbar, weshalb die Fischerei wegen eines Investitionsprojektes an Land bluten soll. Deshalb haben wir im Rahmen des gegenwärtig laufenden Genehmigungsverfahrens Einwand erhoben.“ Grundsätzlich seien Fang-
einschränkungen nur gegen Ausgleichszahlungen durch den Investor möglich.
Der für Mecklenburg-Vorpommern im EU-Parlament sitzende Abgeordnete Werner Kuhn (CDU) verwies darauf, dass Brüssel in der nächsten Förderperiode den Etat des Fischereifonds von 4,8 auf 6,7 Milliarden Euro erhöhen wolle. Damit könnten nicht nur Aquakulturprojekte, Fischbesatzmaßnahmen und Schiffsmodernisierungen, sondern auch Vorhaben der Fischereiforschung stärker gefördert werden. Vorgeschlagen wurde ein von Land, Bund und EU gefördertes Pilotforschungsprojekt zur Entwicklung neuer praktikabler Fanggeräte, mit denen sich unerwünschte Beifänge vermeiden ließen.

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r.sommer@nordkurier.de