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„Ein Mahnmal der Geschichte, ein Mahnmal für den Frieden“

Die deutsch-polnische Projektgruppe „Kinder von Kamp“ hatte Montag zu einem ersten öffentlichen Gedenken an eine Flugzeugtragödie vor 67 Jahren eingeladen.

 Mit einer sehr emotionalen Feier wurde Montag der mehr als 70 Insassen – darunter viele deutsche Kinder – eines Wasserflugzeugs gedacht, das am 5. März 1945 in den Kamper See unweit des heutigen polnischen Ortes Rogowo versunken war. „Unsere moralische Pflicht ist es, diese Kinder nie zu vergessen“, sagte der Vize-Präsident des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge, Prof. Volker Hannemann, bei der Gedenkveranstaltung in einem ehemaligen Hangar des Fliegerhorstes am Kamper See.
Er sehe die Unglücksmaschine auch als „Mahnmal der Geschichte, ein Mahnmal für den Frieden“. Die Geschichte der Kinder von Kamp zeige, dass es „keine Sieger mehr auf den Schlachtfeldern geben könne“. Alle Redner  betonten, wie wichtig es sei, das Flugzeug zu bergen um den Kindern eine letzte Ruhestätte geben zu können.

Ökumenischer Gottesdienst mit Versöhnungsgedanke

Der Gedanke der deutsch-polnischen Versöhnung dominierte auch den ökumenischen Gottesdienst am Ufer des Kamper Sees, der von mehreren polnischen und deutschen Geistlichen bestritten wurde. „Wir sind alle einfach nur traurig“, sagte Annette Klein, die deutsche Generalkonsulin in Danzig (Gdansk), bei der Gedenkfeier, die von Schülern aus Pasewalk und Police umrahmt wurde.

Vom Kamper See aus war in den letzten Tagen des Zweiten Weltkrieges eine aufwändige Evakuierung von Tausenden Kindern aus den Lagern der so genannten Kinderlandverschickung sowie von Flüchtlingsfamilien gestartet. Eine der eingesetzten Dornier 24-Wasserflugzeuge stürzte allerdings kurz nach dem Start ab. Unklar ist, ob aufgrund des Treffers durch eine sowjetische Panzergranate oder wegen der Überladung der Maschine  Fakt ist: Fast 67 Jahre lang wurde das Schicksal der Kinder in der Öffentlichkeit kaum diskutiert.

Hoffnung auf Spenden besteht

Auch heute noch ist es aber „ein langer Weg bis zur Bergung und die eine oder andere Frage offen“, sagte Hannemann. Damit könnte er beispielsweise auch die Frage der Finanzierung des Projekts gemeint haben. Experten gehen von einem fünfstelligen Betrag aus. Doch für die Initiatoren des Projekts, darunter Zdzislaw Matusewicz, Bürgermeister von Treptow an der Rega (Trzebiatow), der Verein Pomeraniak und der Volksbund, bestehen berechtigte Hoffnungen, die notwendigen Spenden einzuwerben. So wurde Montag bekannt, dass Silvius Dornier, ein Vertreter der Familie Dornier, 10 000 Euro zugunsten des Projekts bereit stellte. Er empfinde die Initiative der Hebung der Maschine als ein „schönes wertvolles Zeichen zukunftsgerichteter deutsch-polnische Versöhnungsarbeit“, erklärte Dornier in einem Brief an den Volksbund. Zuvor hatte bereits der Unternehmer Anton Häring aus Bubsheim in Baden-Württemberg 3600 Euro gespendet. Dank der  Unterstützung konnte die Einmessung des Wracks finanziert werden.

Viele Zeitzeugen zu Gast

Unter den zahlreichen Gästen waren Montag auch viele Zeitzeugen. So hielt Helmut Schütt, der Sohn des Bordmechanikers, eine sehr bewegende Rede, in dem er an seinen Vater, aber auch an die Tragik des Zweiten Weltkriegs erinnerte, der von den Deutschen ausgegangen sei. Ein gefragter Mann war  auch Hans Dietrich Werner. Der heute 81-Jährige stand am Ufer, als die Dornier 24 ins Wasser stürzte. Für ihn gebe es keine Beweise, dass die Maschine wirklich durch sowjetische Panzer abgeschossen wurde. „Niemand hat eine Explosion oder eine Detonation gehört“, erinnert er sich.

Werner flog mit der nächsten Maschine Richtung Stralsund. Er kann sich noch genau an die Atmosphäre in der Kabine erinnern: „Es war totenstill. Jeder befürchtete, dass wir jetzt auch abstürzen könnten.“ Unter den Gästen  waren auch Romy W. und ihr Vater.
Die Mutter verlor bei dem Unglücksflug fünf Schwestern und ihre Mutter. Nachdem alle Offiziellen, die zahlreichen Medienvertreter und die anderen Gäste das Ufer des Kamper Sees längst verlassen hatten, übergaben Romy und ihr Vater dem See sechs Rosen. Auf jeder stand der Name eines der Familienmitglieder, das sie am 5. März 1945 verloren haben.