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Drama im Stochennest

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Storchenpapa schlägt eines von vier Jungen tot

Einer der vier Jungstörche in Alt Kentzlin wurde vom Altstorch erschlagen und lag nun tot am Rand.
Privat

„Eigentlich waren alle schon richtig groß“, sagt Karl Fröhlich und kann sich das Drama nicht erklären. Stolz waren die Alt Kentzliner, dass diesmal in ihrem Storchennest „Vierlinge“ geschlüpft waren. Die gedeihten gut.

„Eigentlich waren alle schon richtig groß“, sagt Karl Fröhlich und kann sich das Drama nicht erklären. Stolz waren die Alt Kentzliner, dass diesmal in ihrem Storchennest „Vierlinge“ geschlüpft waren. Die gedeihten gut. Jeder glaubte, dass die Jungtiere durchkommen. Doch nun das. Karl Fröhlich saß gerade am Frühstückstisch und beobachtete, wie der alte Storch eines der Jungen erschlug. Ob es doch zu schwach oder krank war, der 62-Jährige weiß es nicht. „Das ist Natur.“ Auch Nachbarin Grit Sander ist ganz traurig. „Schon im vorigen Jahr hat er eins tot gemacht“, erzählt sie. Da waren von drei Jungstörchen zwei groß geworden. Jetzt hoffen alle, dass die verbliebenen drei in diesem Jahr Ende September mit den Eltern in den Süden ziehen können.

Wie Karl Fröhlich sagt, hat der Storch versucht, das tote Junge aus dem Nest zu werfen. Das sei ihm jedoch nicht gelungen. So mussten die Alt Kentzliner nachhelfen. Sie hatten Angst, wenn das Tier oben verwest, die Störche das Nest verlassen. Das hat er schon mal vor Jahren beobachtet. „Da hatten die Kolkraben das Nest dann ausgeräumt“, erinnert sich der Naturfreund. Das wollten sie diesmal verhindern. Fröhlich organisierte eine Hebebühne von der Landschaftsbau Hans Wegener Neubrandenburg, kannte Fahrer wie Thomas Boy aus Lindenberg und Frank Kasdorf aus der Langen Reihe in Törpin. „Unentgeltlich haben sie die Bühne zur Verfügung gestellt.“ Über die Wiese von hinten konnten sie ans Nest heranfahren. „Wir sind mit der Bühne hochgefahren und haben den kleinen Storch rausgenommen“, erzählt Karl Fröhlich.

Storche hatten auf das Nest nur gewartet

Er hat eine ganz besondere Beziehung zu den Störchen. Zur Wende war er nach 15 Jahren Tützpatz in sein Geburtsdorf zurückgekehrt und hatte sich neben dem Elternhaus ein eigenes Heim errichtet. Im Mai 1999 baute er dann in der Astgabel einer trockenen Pappel ein Nest hinein. „Vormittags waren wir fertig, am Nachmittag kam schon der Storch, als ob er schon drauf gewartet hat.“ Der Horst an der alten Schule war verwaist. „Da haben wir gesagt, wir müssen was machen.“ Das Klappern des Storches gehöre schließlich ins Dorf. Inzwischen hat Karl Fröhlich einen Mast für das Nest neu gebaut. „Den hab ich so gesetzt, dass wir beim Frühstück die Störche beobachten können.“ Er nennt es sein Frühstücksfernsehen.

Karl Fröhlich war schon immer ein Naturmensch, war als Kind fast nur im Wald. In „seinem“ Storchenhorst sind bisher 32 Jungtiere aufgewachsen. In diesem Frühjahr kam Adebar am 1. April. „Es ist jedes Mal ein Fest, wenn der Storch kommt“, meint Grit Sander, die mit ihrem Mann vor fünf Jahren aus Frankfurt/Main nach Alt Kentzlin kam. Das Weibchen habe sich diesmal Zeit gelassen, so dass sich schon eine „Fremde“ ins Nest setzte. „Der Storch hat diese so umgarnt, dass wir ihn Berlusconi genannt haben.“ Als seine richtige „Frau“ dann kam, sei das andere Weibchen abgehauen.