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13 Ausländer unter den 44 Terror-Opfern in Istanbul

13 Ausländer unter den 44 Terror-Opfern in Istanbul
13 Ausländer unter den 44 Terror-Opfern in Istanbul
Sedat Suna

Bei dem verheerenden Terroranschlag auf den Atatürk-Flughafen in der türkischen Metropole Istanbul sind mindestens 44 Menschen getötet worden, darunter 13 Ausländer. Unter den 239 Verletzten ist nach Angaben aus dem Auswärtigen Amt auch eine Deutsche.

Das Istanbuler Gouverneursamt teilte mit, drei Selbstmordattentäter hätten bei dem Anschlag auf den größten Flughafen der Türkei am Vorabend 41 Menschen mit in den Tod gerissen. Die Regierung verdächtigte die Terrormiliz Islamischer Staat (IS).

Es ist bereits der vierte schwere Anschlag in Istanbul seit Jahresbeginn. Die Bluttat zum Beginn der Feriensaison in Europa dürfte die Krise der Tourismusbranche in der Türkei noch verschärfen. Erst am Dienstag war für Mai einen Rückgang der Besucherzahlen um 34,7 Prozent gemeldet worden, verglichen mit dem Vorjahreszeitraum.

Aus Regierungskreisen in Ankara hieß es, bei den getöteten Ausländern handele es sich um fünf Saudis, zwei Iraker, einen Tunesier, einen Usbeken, einen Chinesen, einen Iraner, einen Ukrainer und einen Jordanier. Aus dem Auswärtigen Amt hieß es, es lägen weiterhin keine Hinweise vor, dass unter den Toten Deutsche seien. Vollständige Gewissheit gebe es hier aber noch nicht. Die Nationalität der Angreifer, die sich in die Luft sprengten, blieb zunächst unklar.

Ministerpräsident Binali Yildirim sagte bei einem Besuch am Atatürk-Airport, erste Hinweise deuteten auf den IS als Urheber hin. Sicherheitsmängel am Flughafen schloss er aus.

Die türkische Polizei fahndete nach dem Hintermännern des Anschlags. Zunächst übernahm keine Gruppierung die Verantwortung. Der IS hat sich noch zu keinem der ihm in der Vergangenheit zugeschriebenen Anschläge in der Türkei bekannt.

Yildirim sagte, die Angreifer hätten zunächst um sich geschossen und sich dann in die Luft gesprengt. Aus türkischen Regierungskreisen hieß es, keiner der drei Selbstmordattentäter habe die Sicherheitsschleusen zum internationalen Terminal passiert. Augenzeugenberichte und Videos in sozialen Medien deuteten dagegen darauf hin, dass mindestens einer in den Innenbereich gelangte.

Der Luftverkehr auf dem Flughafen wurde bereits nach einigen Stunden wieder aufgenommen. Erste Flüge von Turkish Airlines landeten am frühen Morgen. Am Mittwoch gab es auch wieder Flüge aus Deutschland nach Istanbul.

Der Angriff sorgte dennoch für massives Chaos im Flugverkehr. Turkish Airlines strich am Mittwoch mehr als 340 Flüge. Die Airline bot allen Reisenden mit Buchungen vom oder zum Atatürk-Airport an, Flüge kostenlos umzubuchen oder zu stornieren. In der Nacht waren etliche Reisende vor dem Airport gestrandet.

Der Atatürk-Flughafen hat in etwa ein Passagieraufkommen wie der Airport Frankfurt/Main. Er liegt auf der europäischen Seite Istanbuls. Auf der asiatischen Seite liegt der kleinere Flughafen Sabiha Gökcen.

Nach Angaben der Rundfunkbehörde RTÜK verhängte ein Gericht in Istanbul eine Nachrichtensperre über den Anschlag. Betroffen seien «jede Art von Nachricht, Interview und Bilder vom Anschlagsort in den Druck- und visuellen Medien, den sozialen Medien und Internetmedien».

Nach dem Anschlag kam der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan in Ankara zu einem Krisentreffen mit Ministerpräsident Yildirim und Armeechef Hulusi Akar zusammen. In einer Mitteilung rief Erdogan die Welt und besonders westliche Staaten zum entschlossenen Handeln gegen die Terrorbedrohung auf. «Jeder soll wissen, dass die Terrororganisationen nicht unterscheiden zwischen Istanbul und London, Ankara und Berlin, Izmir und Chicago, Antalya und Rom.»

Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) zeigte sich am Rande eines Fastenbrechens in Berlin mit Christen, Juden und Muslimen entsetzt. «Wir stehen an der Seite der Türkei.» Auch die Regierungen der USA, Israels, Frankreichs und des Iran verurteilten den Terrorangriff. Nach Angaben aus dem Präsidentenamt in Ankara kondolierte US-Präsident Barack Obama Erdogan in einem Telefonat. Die Türkei erklärte für Mittwoch eine eintägige Staatstrauer.

Gesundheitsminister Recep Akdag sagte am Mittwochnachmittag, 128 Verletzte seien weiterhin in Krankenhäusern, 41 davon auf der Intensivstation. Yildirim sagte, die Attentäter seien mit einem regulären Taxi zum Flughafen gefahren. Die Nachrichtenagentur DHA berichtete, die Polizei habe den Taxifahrer nach einem Verhör freigelassen. Weitere Festnahmen wurden zunächst nicht gemeldet.

Bei einem IS-Selbstmordanschlag im Istanbuler Zentrum waren im Januar zwölf deutsche Urlauber getötet worden. Neben dem IS verübt auch die TAK - eine Splittergruppe der verbotenen kurdischen Arbeiterpartei PKK - immer wieder Anschläge in türkischen Metropolen. Erst vor drei Wochen waren bei einem Anschlag der TAK in Istanbuls Stadtmitte elf Menschen getötet worden. Dieses Attentat vom 7. Juni war der dritte schwere Anschlag seit Jahresbeginn im Zentrum Istanbuls.

Die TAK hat auch ausländische Urlauber vor Türkeibesuchen gewarnt. Im vergangenen Dezember hatte die Gruppierung einen Mörserangriff auf den Flughafen Sabiha Gökcen verübt.