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172 000 Ausbildungsplätze unbesetzt

172 000 Ausbildungsplätze unbesetzt
172 000 Ausbildungsplätze unbesetzt
Daniel Bockwoldt

Zum Start des neuen Ausbildungsjahres stehen den jungen Menschen noch Zehntausende Plätze offen. 172 224 Ausbildungsstellen waren laut Deutschem Industrie- und Handelskammertag (DIHK) nach den jüngsten Zahlen Ende Juli unbesetzt.

«Jugendliche Lehrstellenbewerber haben in diesem Jahr allerbeste Chancen, einen Ausbildungsplatz zu finden», sagte DIHK-Präsident Eric Schweitzer der Deutschen Presse-Agentur in Berlin.

«Ende Juli waren bei den Agenturen für Arbeit 24 000 mehr Ausbildungsangebote als suchende Jugendliche gemeldet», sagte Schweitzer. Demnach waren noch mehr als 12 800 Plätze für angehende Einzelhandelskaufmänner und -frauen offen, rund 11 400 als Verkäufer und rund 6200 Plätze für Köche. Im Beruf des Hotelfachmanns und der Hotelfachfrau waren es rund offene 4400 Plätze. Freie Plätze als Kaufleute im Büromanagement gab es rund 5300. Tausende offene Plätze gab es auch bei den Friseuren (4300), Lagerlogistikern (4000), KFZ-Mechatronikern (4000) und medizinischen Fachangestellten (2200).

Schweitzer wies auf Probleme für viele Unternehmen hin. «Ihnen gehen die Bewerber aus.» Laut der jüngsten DIHK-Ausbildungsumfrage würden mittlerweile in fast jedem dritten Ausbildungsbetrieb Lehrstellen unbesetzt bleiben. «Rund 14 000 haben überhaupt keine Bewerber mehr.» Der Trend zum Studium und die sinkende Zahl an Schulabgängern schlügen hier durch. So hätten 2015 rund 150 000 junge Leute mehr ein Studium begonnen als 2005. In dieser Zeit sei zugleich die Zahl der Lehrstellenbewerber um etwa 190 000 gesunken - das sei ein Minus von 25 Prozent.

«Viele junge Leute sind sich nicht im Klaren darüber, dass die Gefahr von Arbeitslosigkeit bei einer Kombination von betrieblicher Aus- und Weiterbildung geringer ist als bei Akademikern», sagte Schweitzer. «Und häufig verdient eine Fachkraft keineswegs schlechter als jemand, der eine Hochschule besucht hat.»

Die Gymnasien rief der DIHK-Chef auf, die Schüler nicht vorrangig in Richtung Hochschulen zu mobilisieren, sondern ihnen Berufsorientierung zu geben. Mit der Allianz für Aus- und Weiterbildung von Bund, Ländern, Wirtschaft und Gewerkschaften solle die berufliche Bildung gestärkt werden, betonte er. Viele Betriebe würden sich zudem gegen den aktuellen Trend stemmen und intensiv für ihre Ausbildung werben. Auch die Chancen von Hauptschülern würden immer besser.