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Ärger um Wertung bei Rückkehr von Totilas auf große Bühne

Unmittelbar nach seinem Ritt umarmte Matthias Rath begeistert den Hals von Totilas, als hätten er und sein Millionen-Pferd gerade schon den Team-Titel bei der Dressur-EM gewonnen.

Die Zuschauer im Hauptstadion der CHIO-Anlage in Aachen bejubelten das Paar, als es aus der Arena schritt. Doch dann folgte die Ernüchterung, als die Wertung kam. Das erhoffte Gold ist damit fast schon weg.

«Ich war mit der Prüfung im Großen und Ganzen ganz zufrieden. Und dann kommen die Punkte... Das hat niemand verstanden», klagte Rath über die nicht nur aus seiner Sicht viel zu niedrige Bewertung. Mit 75,971 Prozentpunkten blieb die Benotung weit hinter den Erwartungen und gefährdete alle Titel-Träume. «Ich habe ihn gefühlt Richtung 80 Prozent gesehen», sagte Bundestrainerin Monica Theodorescu.

Die Wertungen der sieben Richter gingen von 80,100 bis runter auf 71,600 Prozentpunkte. Das sei eine «ungewöhnliche Spanne für ein Turnier auf diesem Niveau», klagte Theodorescu. Doch Rath war nicht der einzige Reiter, der solche Unterschiede in seinen Noten erhielt. «Das gehört zum Sport dazu», sagte er. Ungewöhnlich war auch, dass ausgerechnet bei seinem Ritt mit dem mittlerweile 15-jährigen Hengst die für die Zuschauer sichtbare Live-Bewertung ausgefallen war.

Zwar behielt Titelverteidiger Deutschland nach Raths Auftritt die Führung mit 226,071 Prozentpunkten vor den Niederlanden (225,800) und Olympiasieger Großbritannien (221,143). Doch das erwartete EM-Gold ist vor den jeweils vierten und letzten Startern mehr als fraglich, da nur die drei besten Ergebnisse in die Team-Wertungen einfließen.

Kristina Bröring-Sprehe auf Desperados soll als letzte Starterin des Wettbewerbs das 23. EM-Gold eines deutschen Teams perfekt machen. Für das Oranje-Team ist der frühere Totilas-Reiter Edward Gal auf Undercover vorgesehen, die Briten setzen auf ihre Doppel-Olympiasiegerin Charlotte Dujardin und Valegro.

Die Deutschen hatten gehofft, dass Rath und Totilas einen klareren Vorsprung für Bröring-Sprehe herausarbeiten würde. Am Mittwoch hatten Jessica Bredow-Werndl auf Unee und Isabell Werth auf Don Johnson die Gastgeber in Führung gebracht, doch der Abstand war enger als erwartet. «Jetzt muss Kristina voll durchziehen», meinte Theodorescu.

Der Auftritt von Rath mit seinem mittlerweile 15 Jahre alten Hengst war mit Spannung erwartet worden. Nach fast einjähriger Verletzungspause hatte sich das Paar im Juni zurückgemeldet und im letzten Moment für die EM qualifiziert.

Seitdem herrschte erneut ein Hype in den Medien. Wieder zeigte sich, dass kein Pferd so viele Emotionen auslöst wie der schwarze Hengst. «Die Situation kenne ich schon seit 2011, 2012, 2013, 2014, 2015. Sobald das Pferd auf das Turnier kommt, schauen die Leute hin», sagte Rath.

2014 hatten er und Totilas beim CHIO in Aachen ihren letzten Auftritt in ähnlichem Rahmen - und gewannen nach zuvor zweijähriger Zwangspause im Grand Prix Special sogar gegen die als unschlagbar geltende Charlotte Dujardin und Valegro. Dann kam erneut eine Verletzung und das WM-Aus.