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Aktivisten schneiden Braunkohle-Kraftwerk von Nachschub ab

Aktivisten schneiden Braunkohle-Kraftwerk von Nachschub ab
Aktivisten schneiden Braunkohle-Kraftwerk von Nachschub ab
Patrick Pleul

Im Lausitzer Braunkohlerevier haben Umweltaktivisten mit einer tagelangen Gleisblockade den Betrieb des Kraftwerks Schwarze Pumpe massiv gestört. Der Betreiber Vattenfall musste nach eigenen Angaben die Kapazität drosseln und forderte ein Eingreifen der Polizei.

«Die Uhr tickt, wir brauchen eine Lösung», sagte der Unternehmenssprecher Thoralf Schirmer am Sonntag. Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke warf den Aktivisten Gewalttätigkeit und Nötigung vor.

Braunkohlegegner des Bündnisses «Ende Gelände» halten seit Samstag Gleise besetzt, über die das Kraftwerk versorgt wird. Die Proteste sind Teil der weltweiten Aktionsreihe «#breakfree2016», die sich gegen die Verstromung fossiler Rohstoffe wie Kohle und Öl richtet. Braunkohle gilt als besonders klimaschädlich. An den verschiedenen Protestaktionen beteiligten sich über das Pfingstwochenende etwa 2000 Menschen auf dem riesigen Tagebaugelände.

Vattenfall kündigte an, alles zu tun, um die Versorgung aufrechtzuerhalten. «Wenn man ein Kraftwerk nicht mehr mit Kohle versorgen kann, bedeutet das in letzter Konsequenz die Abschaltung. (...) Danach kann man es nicht in ein paar Minuten wieder anfahren. Das braucht bis zu einen Tag», sagte Unternehmenssprecher Schirmer. Schwarze Pumpe versorgt die nahen Städte Spremberg in Brandenburg und Hoyerswerda in Sachsen mit Fernwärme. In beiden Städten gebe es Krankenhäuser, die Warmwasser und Heizwärme vom Kraftwerk bezögen, erläuterte der Sprecher.

Eine Sprecherin von «Ende Gelände» zog am Sonntag eine positive Zwischenbilanz: «Die Ausdauer und Entschlossenheit der Aktivisten ist unglaublich. Diese Bewegung wird den Kohleausstieg durchsetzen.»

Das Bündnis teilte mit, Schwarze Pumpe erzeuge nur noch 20 Prozent seiner gewöhnlichen Leistung und bezog sich damit auf Zahlen der Leipziger Strombörse vom Samstagabend. Vattenfall machte dazu auf Nachfrage keine Angaben.

Umweltaktivisten hatten das Gelände des Kraftwerks Schwarze Pumpe am Samstag gestürmt. Daraufhin nahm die Polizei rund 120 Menschen vorläufig fest. Am Freitag hatte die Protestaktion in der Nähe von Cottbus begonnen, tags darauf kam es zu den Gleisblockaden.

Ministerpräsident Woidke forderte die Demonstranten auf, das Recht auf Demonstrations-, Versammlungs- und Meinungsfreiheit nicht zu missbrauchen. «Wenn Aktionen in Gewalt und Nötigung umschlagen, ist eine rote Linie erreicht», sagte Woidke.

Zu dieser Kritik sagte die «Ende Gelände»-Sprecherin, bei einer «Massenaktion zivilen Ungehorsams» müssten wenn nötig auch Zäune überwunden werden. Dass der Zaun des Kraftwerks Schaden genommen habe, bedauere sie. «Uns ist vor allem wichtig, dass es keine Gewalt gegen Menschen gibt.»