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Amokläufer von Dossenheim war Sportschütze

Ein etwa 70-jähriger Sportschütze hat bei einem Amoklauf in Dossenheim nahe Heidelberg zwei Menschen getötet und fünf verletzt.

Der Mann habe die tödlichen Schüsse am Dienstagabend mit einer großkalibrigen Pistole abgegeben, sagte Baden-Württembergs Innenminister Reinhold Gall (SPD) am Mittwoch. «Es war wieder ein schrecklicher Vorfall, bei dem ein Sportschütze beteiligt war.»

Der Täter hatte am Dienstagabend nach einem Streit bei einer Eigentümerversammlung das Feuer auf die etwa zehn Versammelten eröffnet. Danach nahm er sich selbst das Leben.

Ob der Mann aus Wut über den Verlauf der Eigentümerversammlung gehandelt hat, ist noch nicht ganz klar. Er war des Raumes verwiesen worden, kam aber mit einer Pistole wieder und schoss um sich, wie ein Polizeisprecher sagte. Derzeit würden Zeugen vernommen, um das Motiv zu klären. Zudem würden der Tatort genau untersucht und die drei Leichen obduziert. Eine schwer verletzte Frau sei inzwischen außer Lebensgefahr.

Um 14.00 Uhr wollten die Behörden am Mittwoch bei einer Pressekonferenz in der Polizeidirektion Heidelberg über den Stand der Ermittlungen berichten.

Die Versammlung mit etwa zehn Personen hatte im Raum des Vereins TSG Germania 1889 Dossenheim stattgefunden. Die Verletzten waren in umliegende Krankenhäuser gebracht worden. Andere Teilnehmer der Versammlung mussten psychologisch betreut werden. Insgesamt 50 Vereinsmitglieder und Gäste waren zum Tatzeitpunkt auf dem großen Areal, darunter auch Kinder.

Der Stuttgarter Innenminister Gall forderte erneut das Verbot großkalibriger Waffen. Diese benötigten Sportschützen nicht, sagte der Minister. Menschen, die Schießsport betrieben, müssten «intensiv kontrolliert» werden. Er könne nicht glauben, dass so ein Mann nicht vorher schon einmal aufgefallen ist.

Ein Zeuge erklärte, es seien mehr als zehn Schüsse abgefeuert worden. «Es waren vielleicht 10 bis 15 Schüsse, ich weiß es nicht genau», sagte ein älterer Mann, der zur Tatzeit auf der Terrasse der Gaststätte saß. «Wir waren wie verdattert. Danach war es ganz still. Dann sind alle runtergerannt.»

Der Dossenheimer Vereinspräsident Willi Ortlipp zeigte sich sehr bestürzt. «Ich fühle mich ganz mies und schlecht», sagte er. Ortlipp war kurz zuvor nach einer CDU-Wahlkampfveranstaltung auf dem Vereinsgelände mit der Bundesbeauftragten für Integration, Maria Böhmer, nach Hause gegangen und wieder herbeigeeilt.

In Deutschland verübten Sportschützen bereits mehrfach Gewalttaten mit ihren Waffen. Dies löste immer wieder heftige politische Debatten aus.

Im September 2010 hatte eine Sportschützin im südbadischen Lörrach ihren Ehemann, den fünfjährigen Sohn sowie den Pfleger eines Krankenhauses getötet. Sie selbst wurde von der Polizei erschossen. Sie hatte mehr als 300 Schuss Munition dabei und schoss wild um sich.

Die neue Tat weckt auch Erinnerungen an den Amoklauf von Winnenden und Wendlingen. Am 11. März 2009 hatte der 17-jährige Tim K. an seiner ehemaligen Schule und auf der Flucht 15 Menschen und sich selbst erschossen. Er hatte die Waffe von seinem Vater, einem Sportschützen.