Unsere Themenseiten

Ausfällen zum Trotz: Eishockey-Team hofft auf WM-Coup

Ausfällen zum Trotz: Eishockey-Team hofft auf WM-Coup
Ausfällen zum Trotz: Eishockey-Team hofft auf WM-Coup
Anatoly Maltsev

Allen Verletzungssorgen zum Trotz will eine verschworene Gemeinschaft Eishockey-Geschichte schreiben. Obwohl in jedem Fall eine Topnation wartet, hofft das deutsche Nationalteam bei der Weltmeisterschaft in Russland auf einen Viertelfinal-Coup.

Klappt es, wäre Deutschland erst zum dritten Mal seit 1953 und erstmals seit der Heim-WM 2010 unter den Top Vier. «Die Mannschaft hat Charakter. Es ist egal, wer kommt», sagte Bundestrainer Marco Sturm, der sich wegen der Ausfälle ernsthafte Gedanken machen muss.

Bevor feststand, ob am Donnerstag Gastgeber Russland, Schweden oder Tschechien nächster Gegner ist, rissen die bitteren Nachrichten für den Deutschen Eishockey-Bund in St. Petersburg nämlich nicht ab. Felix Schütz musste am Montagabend als vierter Spieler in fünf Tagen passen. Beim 4:2 gegen Ungarn verletzte sich der Stürmer beim Zusammenprall mit dem eigenen Mitspieler Daryl Boyle am Knie.

«Das ist natürlich bitter. Aber das letzte Wort ist noch nicht gesprochen», sagte Sturm. «Ich hoffe, dass noch eine Chance besteht. Wenn nicht, bekommen andere mehr Eiszeiten. Irgendwie geht es weiter.» Eine harmonierende Sturmreihe mit Schütz und den Kölnern Patrick Hager und Philip Gogulla droht jedoch auseinanderzufallen.

«Jetzt darf aber wirklich gar nichts mehr passieren», warnte NHL-Verteidiger Korbinian Holzer. In den gemeinsamen erfolgreichen Tagen hat sich allerdings aus den deutschen Kufencracks eine Einheit entwickelt, die schon Charaktertests bestanden und mehrere Ausfälle weggesteckt hat. Allen voran den von NHL-Stürmer Tobias Rieder.

Schon ohne den jungen Anführer trotzte die DEB-Auswahl den USA, schaffte mit dem 3:2 eine Überraschung. Nach Rieder meldeten sich noch Angreifer Gerrit Fauser und Verteidiger Torsten Ankert für den Rest der WM ab. Constantin Braun plagt sich zudem mit einer Schnittverletzung am Fuß. «Das ist eine Weltmeisterschaft, da muss man manchmal auf die Zähne beißen, auch wenn es weh tut», sagte Sturm über weitere Sorgenkinder.

Am Dienstag gab Sturm seinen Profis einen freien Tag zur Regeneration. Vier intensive Spiele in zuletzt fünf Tagen gingen an die Substanz. Schon der vierte Vorrundensieg gegen die Ungarn war somit das Ergebnis einer Energieleistung. Der hart erkämpfte Erfolg sprach erneut für den Charakter des Teams um Führungsspieler wie Starverteidiger Christian Ehrhoff und Kapitän Marcel Goc. Mit 13 Punkten und vier Siegen schloss die Auswahl die Vorrunde so erfolgreich wie seit 23 Jahren nicht mehr ab.

Bereits vor dem ersten Viertelfinale seit 2011 hat das deutsche Eishockey nach tristen Jahren an Ansehen gewonnen. «Man merkt im ganzen Umfeld, in der ganzen Szene, dass man als Deutschland respektiert ist», sagte DEB-Präsident Franz Reindl. «Was nicht unbedingt ein Vorteil ist. Man wird zu 100 Prozent ernst genommen.»

Die K.o.-Runde dürften auch die Branchen-Größen ohnehin nicht auf die leichte Schulter nehmen. Für die deutsche Nationalmannschaft sind mit den bisherigen Viertelfinal-Duellen fast ausschließlich Erinnerungen an Niederlagen verbunden. Achtmal erreichte sie das 1992 eingeführte das WM-Viertelfinale, nur einmal kam sie weiter. Vor sechs Jahren zog Deutschland bei der Heim-WM ins Halbfinale ein. Mit Silber gewann eine deutsche Auswahl zuletzt vor 63 Jahren eine Medaille.

«Das sind alles Top-Nationen, die Weltmeister werden können», sagte Stürmer Gogulla, bevor am späten Dienstagabend die Entscheidung über den Kontrahenten fiel. «Wer kommt, muss für uns egal sein. Unser Ziel muss sein, ein Riesenspiel hinzulegen. Wenn wir so spielen, wie gegen die USA oder gegen Kanada, dann kann alles passieren.»