Bayer-Aktien brechen nach Glyphosat-Schlappe ein

Glyphosat-Prozess
Bis Ende Januar wurden Monsanto in den USA glyphosatbezogene Klagen von etwa 11.200 Klägern zugestellt. Foto: Seth Perlman

– Eine Schlappe in einem richtungweisenden Glyphosat-Prozess in den USA hat der Laune der Bayer-Aktionäre einen herben Dämpfer versetzt.

Der Aktienkurs brach im frühen Handel im Dax um rund 10 Prozent auf 62,54 Euro ein. Zum Vergleich: Vor einem Jahr kosteten die Aktien noch rund 100 Euro.

Eine Geschworenen-Jury in San Francisco hatte einstimmig entschieden, dass der Monsanto-Unkrautvernichter Roundup mit dem umstrittenen Wirkstoff Glyphosat ein wesentlicher Faktor für die Lymphdrüsenkrebs-Erkrankung des Klägers Edwin Hardeman gewesen sei.

Für Bayer dürfte es nun nur noch darum gehen, den Schaden zu begrenzen, sagte Analyst Gunther Zechmann von Bernstein Research. Mit Blick auf die zweite Prozessphase sei das Schlimmste zu befürchten.

Analyst Michael Leacock sagte, die Wahrscheinlichkeit steige, dass Bayer und die im Zentrum der Klagen stehende US-Saatguttochter Monsanto eine große Zahl der vielen tausend Glyphosat-Klagen verlieren könnte. Bis Ende Januar wurden Monsanto in den USA glyphosatbezogene Klagen von etwa 11.200 Klägern zugestellt.

Bayer zeigte sich in einer ersten Stellungnahme zwar enttäuscht von der Entscheidung, bleibt aber davon überzeugt, dass die wissenschaftlichen Erkenntnisse bestätigen, dass glyphosatbasierte Herbizide keinen Krebs verursachten. Doch auch angesichts des fallenden Aktienkurses werden die Fragen an Bayer-Chef Werner Baumann lauter, ob er die Risiken beim rund 63 Milliarden Dollar schweren Kauf von Monsanto unterschätzt hat.

Entsprechend harsch dürfte die Kritik auf der Bayer-Hauptversammlung am 26. April ausfallen. So bezeichnete Christian Strenger von der Regierungskommission Deutscher Corporate Governance Kodex den Monsanto-Kauf in einem dem «Manager Magazin» vorliegenden Brief unlängst als «den größten und schnellsten Wertvernichter der Dax-Geschichte». Strenger fordert demnach die übrigen Aktionäre auf, Baumann und seinen Vorstandskollegen die Entlastung zu verweigern.