Julian Nagelsmann
Münchens Trainer Julian Nagelsmann gestikuliert am Spielfeldrand. Tom Weller/dpa
Bundesliga

Bayern-Kater statt Wiesn-Vorfreude: „Trend ist katastrophal”

Keine Lust mehr aufs Prosit – der FC Bayern geht nach dem 0:1 beim FC Augsburg verkatert auf die Wiesn. Nagelsmann ist genervt, der Sportvorstand nimmt Mannschaft und Trainer in die Pflicht.
dpa
Augsburg

Julian Nagelsmann war die Lust auf seinen ersten Wiesn-Besuch als Bayern-Trainer vergangen. „Wenn die Mannschaft hingeht, dann muss ich mit”, sagte der 35-Jährige nach dem Stimmungsdämpfer bei der Pleite in Augsburg. Sinn mache der erste Oktoberfestbesuch des FC Bayern seit 2019 seiner Meinung nach nicht, „das werde ich auch dem Club mitteilen”, sagte der frustrierte Nagelsmann. Er wisse zwar nicht, welche vertraglichen Verpflichtungen es gebe und über politische Themen wolle er sich nicht äußern. Aber: „Grundsätzlich habe ich keine Lust.”

Nach dem 0:1 (0:0) in der Fußball-Bundesliga gegen einen giftigen, ekligen und grandios kämpfenden FC Augsburg mussten sich die Münchner nicht nur einmal wieder Fragen gefallen lassen, ob ihnen nicht eine echte Nummer 9 wie Robert Lewandowski fehlt. Sondern auch, ob das neue flexible Spielsystem mit vielen offensiven Kräften nach dem überragenden Saisonstart und zuletzt mehreren Enttäuschungen entschlüsselt ist.

„Entschlüsselt weiß ich nicht, aber pariert schon einige Male”, sagte Sportvorstand Hasan Salihamidzic. Der zum FC Barcelona gewechselte Lewandowski traf übrigens nach seiner persönlichen Nullnummer beim 2:0 für Bayern in der Champions League am Wochenende beim 3:0 von Barça gegen Elche doppelt.

Salihamidzic: „Müssen das Zielwasser trinken”

Den Bayern missfiel nicht nur das Ergebnis, sondern auch die Herangehensweise der Stars um den erneut glücklosen Sadio Mané. „Wir müssen das Zielwasser trinken und dann diszipliniert, fokussiert und gierig, Tore zu machen, in die Spiele gehen”, sagte Salihamidzic, „weil so können wir die Spiele in der Bundesliga nicht gewinnen.”

Vier Liga-Spiele ohne Bayern-Sieg gab es zuletzt vor über 20 Jahren – damals war Ottmar Hitzfeld noch Trainer der Münchner. Die Fassung, die Hitzfeld nach Enttäuschungen wahrte, muss Nagelsmann noch lernen. Grimmig und im Telegrammstil kommentierte er im Presseraum der Augsburger Arena die erste Saison-Niederlage.

In der anstehenden Länderspielpause wolle er nun viel nachdenken: „Über alles denke ich nach. Über mich. Über die Situation. Über alles.” Bockig beklagte Nagelsmann zum wiederholten Male die fehlende Effizienz. Seine Spieler seien „einfach sehr Laissez-faire” aufgetreten.

„Aus vier Spielen drei Punkte – da weiß ich nicht, ob mir die Maß schmeckt”, sagte Salihamidzic vor dem geplanten Wiesn-Besuch am Sonntag. Man habe große Probleme, „wenn es auf die Socken gibt. Da müssen wir einfach besser gegenhalten”, forderte der 45-Jährige.

Müller: „Der Trend ist katastrophal”

Ein stückweit verklärend sah Thomas Müller auch ein 10:2 für Bayern als mögliches Ergebnis an. Er räumte aber auch die insgesamt schwierige Situation ein. „Der Trend ist katastrophal, wenn man aus vier Spielen keines gewinnt”, sagte Müller. Das sei ein Trend, der „nix Gutes” bedeute, sagte sein Trainer, der nun eine Krise meistern muss.

Die Niederlage wird länger nachwirken in München. „Jetzt wird es erstmal eine ungemütliche Länderspielpause”, sagte Nationalmannschaftskollege Leon Goretzka. Danach kann es aber auch noch unruhiger werden: Bayer Leverkusen zu Hause und Borussia Dortmund auswärts sind die nächsten Bundesliga-Aufgaben.

Die beherzt und kampfstark auftretenden Augsburger krönten ihre famose Leistung mit dem Siegtor von U21-Europameister Mergim Berisha in der 59. Minute nach einem Freistoß aus der eigenen Hälfte, bei dem die Bayern kollektiv schliefen statt energisch zu verteidigen. „Solche Spiele und Tore vergisst man einfach nicht. Es wird eine tolle Erinnerung für mich bleiben, gegen den FC Bayern mein erstes Bundesliga-Tor geschossen zu haben”, sagte der 24-Jährige.

© dpa-infocom, dpa:220918-99-802848/2

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