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Belgische Ermittler nehmen sechsten Terrorverdächtigen fest

Belgische Ermittler nehmen sechsten Terrorverdächtigen fest
Belgische Ermittler nehmen sechsten Terrorverdächtigen fest
Stephanie Lecocq

Belgische Ermittler haben knapp drei Wochen nach den Anschlägen von Brüssel einen weiteren Terrorverdächtigen festgenommen. Das bestätigte die Staatsanwaltschaft der Agentur Belga, ohne nähere Angaben zu machen.

Am Vorabend hatte sie bereits die Festnahmen von fünf Männern gemeldet, darunter der im Zusammenhang mit den Pariser Terroranschlägen gesuchten Mohamed Abrini. Offen ist weiterhin, ob es sich bei ihm auch um den als «Mann mit dem Hut» bekannten drittten Flughafenattentäter von Brüssel handelt.

Abrini war bereits seit November zur Fahndung ausgeschrieben, seine Festnahme am Freitag ist ein wichtiger Fahndungserfolg. Die Ermittler prüfen nun, ob der 31-jährige Belgier auch der Mann ist, der am Brüsseler Flughafen mit den beiden Selbstmordattentätern gesehen wurde.

Unklar war zunächst, ob ein Großeinsatz der Polizei im Brüsseler Stadtteil Etterbeek ebenfalls im Zusammenhang mit den Anti-Terror-Ermittlungen stand. Wie Augenzeugen dem Sender RTBF sagten, waren rund 50 Beamte im Einsatz. Augenzeugen berichteten laut Belga, dass zwischenzeitlich auch Scharfschützen und Bombenexperten der Armee vor Ort waren.

Bei der nun bekanntgewordenen sechsten Festnahme in Brüssel soll es sich nach Angaben des Senders VRT und der Zeitung «De Standard» um einen Mann handeln, der vergangenes Jahr wegen Mitgliedschaft in der Islamisten-Organisation «Sharia4Belgium» zu fünf Jahren Haft verurteilt worden war. Er sei aber vorzeitig freigekommen.

Bei einem weiteren Festgenommenen namens Osama K. könnte es sich nach Angaben der Staatsanwaltschaft um den Mann handeln, der kurz vor der Explosion in der Brüsseler Metrostation Maelbeek an der Seite des Selbstmordattentäters gesehen wurde. Der Abgebildete soll in einem Einkaufszentrum jene Taschen erworben haben, die später bei den Anschlägen benutzt wurden.

Osama K. soll sich im vergangenen Jahr in Deutschland aufgehalten haben. Der Mann wurde nach den bisherigen Ermittlungen am 3. Oktober vom mutmaßlichen Paris-Terroristen Salah Abdeslam in Ulm abgeholt und nach Belgien gebracht.

Bei den Anschlägen am Brüsseler Flughafen und in einem U-Bahn-Wagen hatten die Terroristen am 22. März 32 Menschen getötet. Die Terrorserie von Paris am 13. November vergangenen Jahres kostete 130 Opfer das Leben, zudem starben am Tag der Anschläge und bei einer späteren Polizeiaktion insgesamt neun Attentäter. Die Urheber der Bluttaten standen nach Erkenntnissen der Ermittler in Verbindung. In beiden Fällen bekannte sich die Terrormiliz Islamischer Staat zu den Anschlägen, die in Syrien, im Irak und in Libyen große Gebiete beherrscht.

Spuren von Abrini fanden die Ermittler in zwei Wohnungen in der Brüsseler Gemeinde Schaerbeek. Es seien Fingerabdrücke und DNA sichergestellt worden, teilte die Staatsanwaltschaft mit. Seine genaue Rolle bei den Terroranschlägen in Paris ist bislang unklar. Er war zwei Tage vor den Attentaten gemeinsam mit dem inzwischen festgenommenen Salah Abdeslam an einer Tankstelle an der Autobahn nach Paris gefilmt worden. Mit Abdeslam, einem Hauptverdächtigen der Paris-Ermittlungen, soll Abrini auch eine Unterkunft für die Terroristen nahe Paris gemietet haben.