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Bericht: Zu wenig Rettungswagen im Ebola-Fall in Deutschland

Bericht: Zu wenig Rettungswagen im Ebola-Fall in Deutschland
Bericht: Zu wenig Rettungswagen im Ebola-Fall in Deutschland
Holger Scharlach

Deutschland hat mehrere Isolierstationen, die für die Behandlung von Ebola-Patienten geeignet sind. Aber gibt es im Notfall auch genügend spezielle Krankenwagen und medizinisches Personal?

Deutschland ist nach Einschätzung von Experten nicht ausreichend auf den möglichen Transport von Ebola-Kranken innerhalb des Landes vorbereitet. Das geht nach einem Bericht des ARD-Hauptstadtstudios aus einer Analyse der Schutzkommission beim Bundesinnenministerium hervor. Die unabhängige Runde von Wissenschaftlern bemängelt laut Bericht, es sei nicht einmal bekannt, wie viele spezielle Rettungswagen es dafür gebe. Geschätzt seien es nur zwölf bundesweit. China, Kuba und andere Länder intensivierten unterdessen ihre Maßnahmen im Kampf gegen die Seuche in Westafrika. In den USA will Pflegepersonal für mehr Sicherheit protestieren.

DEUTSCHLAND: In der Analyse der Kommission heißt es laut ARD weiter, einzelne Ebola-Fälle seien medizinisch gut beherrschbar. Doch auch bei Einzelfällen müsse in Deutschland mit erheblichen sozialen und wirtschaftlichen Risiken gerechnet werden. So seien Feindseligkeiten gegenüber dunkelhäutigen Menschen fremder Herkunft möglich. Eventuell würden Menschen in Regionen mit Ebola-Fällen aus Angst nicht mehr zur Arbeit gehen. Die Schutzkommission beim Bundesinnenministerium ist ein Gremium von Wissenschaftlern verschiedener Fachrichtungen.

Ein führender deutscher Tropenmediziner sprach sich im Kampf gegen Ebola für eine zentrale Koordinierungsstelle in Deutschland aus. «Infektionen machen nicht an den Grenzen der Bundesländer Halt», sagte der Sprecher des Ständigen Arbeitskreises der Kompetenz- und Behandlungszentren, August Stich, der «Berliner Zeitung». Der Infektionsschutz sei zwar Ländersache, eine bessere übergeordnete staatliche Vernetzung aber «sehr wünschenswert».

Der Würzburger Arzt forderte zudem mehr qualifiziertes Personal für die Betreuung von Infizierten und Verdachtsfällen. «Wir werden Schwierigkeiten bekommen, wenn Hunderte deutsche Helfer aus dem Ebola-Gebiet zurückkehren», sagte Stich. Jeder mit erhöhter Temperatur oder anderen Symptomen müsse überprüft werden. In einem Interview mit der Nachrichtenagentur dpa hatte Stich kürzlich gesagt, dass derzeit nur etwa zehn der insgesamt rund 50 Ebola-Betten in den sieben deutschen Behandlungszentren auch wirklich einsatzfähig sind.

CHINA: Unterdessen verstärkte China seine Hilfen zur Bekämpfung der Ebola-Epidemie in Westafrika. Es seien insgesamt 750 Millionen Yuan (umgerechnet 97 Millionen Euro) bereitgestellt worden, teilte der Generaldirektor im Außenministerium in Peking, Lin Songtian, am Freitag mit. Die Zahl der medizinischen Helfer aus China in der Region werde von 200 auf rund 700 aufgestockt. Das Land will binnen eines Monats ein Behandlungszentrum in Liberia aufbauen. China schickt unter anderem 60 Krankenwagen und 150 000 Teile zum Schutz von Helfern nach Afrika. Zudem würden 480 medizinische Mitarbeiter der Volksbefreiungsarmee für den Einsatz geschult.

USA: In den USA wächst unter Pflegekräften offenbar die Angst vor einer Ansteckung. Die Gewerkschaft National Nurses United (NNU) rief ihre Mitglieder in mehreren Bundesstaaten für den 12. November unter anderem zu Arbeitsniederlegungen auf. Ziel sei es, höhere Sicherheitsstandards zu etablieren, teilte der Verband mit. Die Gewerkschaft ist nach eigenen Angaben die größte ihrer Art in den Vereinigten Staaten. Ihr gehören demnach mehr als 180 000 Mitglieder an. Zwei Krankenschwestern hatten sich in einer Klinik im US-Bundesstaat Texas bei einem Ebola-Patienten angesteckt. Der Patient starb, die Pflegekräfte sind inzwischen geheilt.

KUBA: Gesundheitsexperten und Regierungsvertreter aus 34 mehrheitlich amerikanischen Ländern einigten sich in Kuba auf gemeinsame Strategien zur Ebola-Bekämpfung. Zum Abschluss eines zweitägigen Treffens der 278 Spezialisten in der Hauptstadt Havanna legten die Teilnehmer einen Leitfaden für ihre Arbeit vor, wie die kubanische Nachrichtenagentur «Prensa Latina» berichtete. Vorgesehen sind unter anderem die Zusammenstellung interdisziplinärer Eingreifteams und einheitliche Sicherheitsstandards. Trotz diplomatischer Funkstille beider Länder waren auch die USA beim Treffen vertreten.