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AfD-Gründer Lucke verlässt die Partei

AfD-Gründer Lucke verlässt die Partei
AfD-Gründer Lucke verlässt die Partei
Federico Gambarini

Bernd Lucke tritt aus der AfD aus. Das kündigte der Gründer der Alternative für Deutschland, der am Wochenende als Parteichef abgewählt worden war, in Straßburg an.

Über die mögliche Gründung einer neuen Partei habe er noch nicht entschieden, erklärte der 52-jährige Europaabgeordnete. Zu den Gründen für seinen Rückzug sagte Lucke, er wolle nicht als «bürgerliches Aushängeschild für politische Vorstellungen missbraucht werden», die er aus tiefster Überzeugung ablehne. Zu diesen Vorstellungen, die in der AfD inzwischen weit verbreitet seien, zählten eine antiamerikanische Grundhaltung, ausländerfeindliche Ansichten und fundamentale Systemkritik.

Bei einem Mitgliederparteitag in Essen hatten sich am Wochenende die nationalkonservativen Kräfte in der AfD klar durchgesetzt. Zur ersten Vorsitzenden wurde die frühere Co-Vorsitzende Frauke Petry aus Sachsen gewählt, Lucke gehört dem neuen Bundesvorstand nicht mehr an. Vorangegangen war ein monatelanger Machtkampf zwischen Petry und Lucke, der eher für liberal-konservative Ansichten steht.

In der Erklärung des 52-jährigen heißt es weiter: «Ich habe sicherlich Fehler gemacht und zu den größten gehört zweifellos, dass ich zu spät erkannt habe, in welchem Umfang Mitglieder in die Partei drängten, die die AfD zu einer Protest- und Wutbürgerpartei umgestalten wollen.» Beim Parteitag in Essen habe sich dann gezeigt, dass diese Wutbürger inzwischen in der AfD in der Mehrheit seien.

Indessen stemmt sich Frauke Petry gegen die Austrittswelle in ihrer Partei. In einer E-Mail bat sie die AfD-Mitglieder, «keine übereilten Entscheidungen zu treffen». Gleichzeitig distanzierte sie sich von dem pöbelhaften Verhalten einzelner Teilnehmer des Bundesparteitages in Essen, auf dem Parteigründer Lucke am Wochenende wüst beschimpft worden war.

Petry dementierte Berichte über einen «Rechtsruck» der AfD und versprach: «Wir werden uns weiterhin von radikalen und extremistischen Positionen abgrenzen.» Bei «Zeit Online» wehrte sie sich zudem gegen Vergleiche ihrer Partei mit der rechtsextremen Front National in Frankreich: «Mit dieser Partei hat die AfD nichts gemeinsam.»

Nach Auskunft der Bundesgeschäftsstelle waren nach dem Parteitag, bei dem sich das nationalkonservative Lager durchgesetzt hatte, rund 600 Mitglieder aus der AfD ausgetreten. Auch Mitglieder von Landesvorständen verließen die Partei. Am Mittwoch erklärte Bremens AfD-Landeschef Christian Schäfer seinen Rücktritt, drei von vier AfD-Abgeordneten in der Bürgerschaft kündigten an, die Partei zu verlassen.

Petry, die in Essen auch mit den Stimmen der Rechtsnationalen in der Partei gewählt worden war, verband ihre E-Mail mit einer Umfrage. Demnach sollen sich die Mitglieder zu der Frage äußern: «Wie stellen Sie sich die Zukunft der AfD vor?»

Zuvor hatte bereits der unterlegene liberal-konservative Flügel um Lucke eine Umfrage gestartet. Seine Anhänger sollen erklären, ob sie sich an einer neuen Partei beteiligen würden. Von bisher 2000 Teilnehmern der Umfrage votierten nach Informationen von «Zeit Online» bis Mittwochabend 1500 dafür, eine neue Partei zu gründen. Drei Viertel der Befragten sprachen sich demnach dafür aus, aus der AfD auszutreten. Beide Gruppen seien weitgehend deckungsgleich, hieß es.