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Bahn und EVG suchen Einigung im Tarifkonflikt

Nach dem vorzeitigen Ende des Lokführerstreiks könnte es im Tarifkonflikt bei der Deutschen Bahn in der Nacht einen weiteren Fortschritt geben.

Vertreter des Konzerns und der Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) trafen in Berlin zur zwölften und möglicherweise entscheidenden Verhandlungsrunde zusammen. Beide Seiten gingen zum Auftakt davon aus, dass das Treffen bis in den späten Abend hinein andauert.

Bahn-Personalvorstand Ulrich Weber kündigte an, alles zu tun, um dieses Mal zu einem Ergebnis zu kommen. Auch EVG-Verhandlungsführerin Regine Rusch-Ziemba sagte: «Wir haben die Zielsetzung, heute noch zu einem Abschluss zu kommen.» Sie drohte aber zugleich mit Warnstreiks nach Pfingsten, falls die Bahn sich in dieser Runde nicht bewege. Die Chancen stünden 50 zu 50.

Am Morgen erst hatte die Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) in eine Schlichtung eingewilligt und ihren Streik vorzeitig abgebrochen. Die GDL und die EVG ringen um Einfluss bei dem Konzern. Die Bahn will in getrennten Verhandlungen mit den Gewerkschaften konkurrierende Abschlüsse vermeiden.

Bahn-Manager Weber sagte, mit der EVG bestehe «viel Konsens» in Fragen der Tarifstruktur. «Dann wird es ernst, wenn es ums Geld geht, um Laufzeiten.» Die Gewerkschaft verlangt sechs Prozent mehr Geld für ihre 100 000 Mitglieder bei der Deutschen Bahn, mindestens aber 150 Euro mehr im Monat. Strittig sind demnach auch die Laufzeiten der einzelnen Tarifverträge.

Weber sagte, die bevorstehende Schlichtung mit der GDL habe keinen Einfluss auf die Verhandlungen mit der EVG. «Da sind keinerlei Punkte verabredet, die aus Sicht der EVG unfreundlich wären.» GDL-Chef Claus Weselsky zeigte sich unbeeindruckt von der möglichen Einigung zwischen EVG und Bahn. «Das ist so, wie wenn in China ein Sack Reis umfällt, wenn die heute einen Tarifabschluss machen», sagte er dem rbb-Inforadio.