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Darmkeime in Berliner Charité: Fünf Frühgeborene «stabil»

Darmkeime in Berliner Charité: Fünf Frühgeborene «stabil»
Darmkeime in Berliner Charité: Fünf Frühgeborene «stabil»
Jörg Carstensen

Der Zustand der fünf von Darmkeimen befallenen frühgeborenen Säuglinge in der Berliner Uni-Klinik Charité ist weiter den Umständen entsprechend «gut und stabil».

Das sagte die Hygiene-Leiterin des Krankenhauses, Petra Gastmeier, im RBB-Inforadio. Die Babys auf der Neugeborenen-Intensivstation am Standort Virchow in Wedding würden jetzt intensiv gepflegt und medizinisch versorgt. Für infizierte und nicht infizierte Kinder gebe es je ein eigenes Team mit Ärzten und Pflegern. Weitere Frühgeborene werden derzeit nicht mehr aufgenommen.

Bei den fünf frühgeborenen Säuglingen wurde das Darm-Bakterium Serratia marcescens nachgewiesen. Erste Fälle gab es bereits am 13. April, den letzten am 23. Mai. Drei der Kinder hatten sich mit dem Keim infiziert und Lungenentzündungen bekommen, bei einem weiteren war es zu einer örtlichen Entzündung am Auge gekommen. In allen Fällen habe ein Antibiotikum angesprochen.

Die Herkunft der Keime sei noch nicht endgültig ungeklärt, sagte Gastmeier im Inforadio. Es könne sein, dass sie von der Mutter des ersten befallenen Kindes stammten. Derartige Infektionen gebe es. «Der Keim wird während der Geburt von der Mutter auf das Kind übertragen und wir nehmen an, dass es bei dem ersten Kind, bei dem es ausbrach, auch so der Fall gewesen sein wird.»

Die Bakterien kommen demnach bei vielen gesunden Menschen im Darm vor, sind dann aber unschädlich. Bei extrem früh geborenen Babys sind sie hingegen gefährlich.

Vollständig verhindern ließen sich solche Infektionen auf Frühgeborenen-Stationen nicht, sagte Gastmeier. «Es bleibt immer ein Restrisiko, weil die Kinder durch das medizinische Personal behandelt werden müssen, also Händekontakt gegeben ist. Auch die Eltern haben natürlich Kontakt zu den Kindern.»

Gastmeier betonte: «Wir haben einen sehr, sehr hohen Standard, was die Händehygiene betrifft auf dieser Station, aber wenn es Notsituationen gibt, dann braucht man für die Händehygiene etwa 30 Sekunden, bis wirklich alle Erreger abgetötet sind, und diese 30 Sekunden hat man dann häufig nicht.»

Auf der betroffenen Station werden auch die Vierlinge der 65-jährigen Annegret R. versorgt. Sie sind jedoch räumlich getrennt von den fünf infizierten Babys.

2012 waren an der Charité bei mehreren Säuglingen und Frühchen Serratien-Keime entdeckt worden. Einige erkrankten, andere trugen den Keim auf der Haut. Der Tod eines infizierten Babys, der allerdings durch eine Herz-OP eintrat, hatte bundesweit für Aufsehen gesorgt. Danach bemühte sich das Krankenhaus um bessere Vorbeugung.