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Betreiber wollen Aus für Gaskraftwerk Irsching

Betreiber wollen Aus für Gaskraftwerk Irsching
Betreiber wollen Aus für Gaskraftwerk Irsching
Tobias Hase

Die Betreiber des angeblich modernsten deutschen Gaskraftwerks in Irsching bei Ingolstadt denken wegen mangelnder Wirtschaftlichkeit über eine Stilllegung der Anlage nach. Das bestätigte am Freitag ein Sprecher des Eon-Konzerns in Düsseldorf.

Die erst vor fünf Jahren in Betrieb genommene Anlage mit 1400 Megawatt Leistung in zwei Blöcken gehört Eon zusammen mit den Energieunternehmen HSE, Mainova und N-Ergie. Abgeschaltet werden könnte sie frühestens Ende März 2016, die Betreiber müssten dies ein Jahr vorher bei der Bundesnetzagentur beantragen.

Im Fall von Irsching wäre eine Zustimmung der Behörde aus Sicht von Fachleuten aber eher unwahrscheinlich. Über die Pläne der Betreiber hatte zuerst die ARD berichtet.

Bisher gebe es noch keine Entscheidung, ob eine Stilllegung beantragt werden soll, hieß es bei Eon. Ein Sprecher der Bundesnetzagentur wollte keine Stellung nehmen, weil ihm noch kein Antrag vorliege.

Die Behörde kann Abschaltungs- und Stilllegungsanträge für Kraftwerke, die für die deutsche Stromversorgung wichtig sind, ablehnen. Dann müssen die Besitzer sie weiterbetreiben und bekommen dafür eine regulierte Vergütung. Stilllegungsanträge für Anlagen südlich der Mainlinie werden von der Behörde wegen der möglicherweise schwierigen Versorgung in Süddeutschland in der Regel abgelehnt.

Die Diskussion um eine mögliche Stilllegung dürfte vor allem Bayerns Ministerpräsidenten Horst Seehofer (CSU) unter Druck setzen. Denn Bayern benötigt fossile Kraftwerke, um nach der Stilllegung aller Atomkraftwerke im Jahr 2022 Versorgungssicherheit zu gewährleisten.

Die Lage wird noch dadurch verschärft, dass der Freistaat bei der Planung zweier großer Stromtrassen zum Transport von Windenergie aus dem Norden in den Süden weiter auf der Bremse steht. Der Widerstand Bayerns war bundesweit auf Unverständnis gestoßen.

Das Gaskraftwerk Irsching arbeitet bereits seit 2013 auf der Grundlage einer Sondervereinbarung der Betreiber mit dem Netzbetreiber Tennet. Diese Vereinbarung läuft Ende März 2016 aus.

«Die wirtschaftliche Perspektive des Gaskraftwerks Irsching ist äußerst kritisch», erklärte der Eon-Sprecher. «Energiepolitisch veränderte Rahmenbedingungen» hätten es so weit an den Rand des Marktes gedrängt, dass die Kosten kaum noch erwirtschaftet werden könnten. «Da sich die Marktbedingungen in den letzten Jahren weiter zugespitzt haben, ist der Weiterbetrieb nach dem Auslaufen der bisherigen vertraglichen Regelung gefährdet.»

«Es ist Energiewende paradox, dass jetzt die saubersten und effizientesten Kraftwerke in Deutschland, die Gaskraftwerke, keinerlei Geld verdienen», erklärte der Hauptgeschäftsführer des Verbandes kommunaler Unternehmen (VKU), Hans-Joachim Reck.