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Bierhoff ermöglicht Weltmeistern leichten Weg

Bierhoff ermöglicht Weltmeistern leichten Weg
Bierhoff ermöglicht Weltmeistern leichten Weg
Tatyana Zenkovich

Oliver Bierhoff stand im Pressezelt vor dem Konstantinpalast und griff sich an die Hosentasche. Das dort verstaute Handy gab aber erstmal keinen Ton von sich. Auf einen Anruf von Joachim Löw musste der DFB-Teammanager am Samstagabend in St. Petersburg eine Weile warten.

Doch schließlich meldete sich der Bundestrainer, um zu gratulieren - und sich zu bedanken. Grund genug dazu hatte Löw. «Oliver Bierhoff hat einen guten Job gemacht», sagte Löw - natürlich mit einem Schuss Humor. «Wir haben eine interessante Gruppe zugelost bekommen mit guten Gegnern, und wir sind natürlich zufrieden mit der Auslosung», ließ Löw gen Russland übermitteln.

Bierhoff hatte statt des von der FIFA eingeladenen Löw am Samstagabend in St. Petersburg die Lose der europäischen Spitzenteams für die WM-Qualifikation gezogen und Deutschland den vermutlich leichtesten Weg aller Topteams zur Endrunde 2018 beschert. «Jede Qualifikation hat ihre Reize und Gefahren. Das sehen wir auch jetzt in der EM-Qualifikation. Man darf das nicht unterschätzen. Aber im Vergleich zu anderen Gruppen ist unsere schon mittelschwer einzuschätzen», sagte Bierhoff. Und das war eine Untertreibung.

Mit Tschechien, Nordirland, Norwegen, Aserbaidschan und San Marino wartet auf den Titelverteidiger kein Gegner auf Augenhöhe. Weder bei der WM 2014 noch der WM 2010 schaffte es einer der Kontrahenten zur Endrunde. Nur Tschechien war 2006 dabei und schied in der Vorrunde aus. Norwegen spielte vor 17 Jahren letztmals ein WM-Turnier. Für Nordirland liegt dieses Erfolgserlebnis schon 29 Jahre zurück. Die Underdogs aus Aserbaidschan und San Marino sind sportlich ohnehin keine Referenzgröße für Mesut Özil und Co.

Für deutsche Heiterkeit sorgte nicht nur Bierhoffs Glückshändchen in eigener Sache. Die Konkurrenz schickte der Golden-Goal-Torschütze der EM 1996 in knallharte oder zumindest brisante Duelle. Die Niederlande müssen sich in der Gruppe A mit Frankreich und Schweden um eine direkte Fahrkarte nach Russland streiten. In der Gruppe G messen die Weltmeister-Vorgänger Italien und Spanien ihre Kräfte. Und auf der Insel wird heftig über das schon seit 1872 brisante Duell zwischen England und Schottland debattiert.

Bierhoff konnte mit der kleinen DFB-Delegation um Generalsekretär Helmut Sandrock zufrieden seinen 48-Stunden-Trip nach Russland abschließen. In der Heimat wartet nun der Schlussspurt in der Qualifikation für die EM 2016 mit den entscheidenden Spielen gegen Polen, Schottland und Irland im September und Oktober. «Wir wollen uns jetzt voll auf die EM-Qualifikation konzentrieren und vorbereiten», sagte Bierhoff. Löw schlug den gleichen Ton an: «Wir werden uns aber jetzt auf die EM-Qualifikation konzentrieren, danach auf das Turnier und erst dann kommt die WM-Qualifikation für Russland.»

Aber: Im Herbst will man auch schon intensiv den Katalog der WM-Quartiere checken. Und die nächste Reise steht definitiv zur Auslosung für den Confed Cup im November 2016 in Kasan an - bevor es dann im Sommer 2017 zum WM-Testlauf mit dem Titelverteidiger in vier russischen Städten kommt. «Die Menschen sind sehr freundlich und herzlich. Man merkt, sie freuen sich auf uns. Ich bin gespannt, dass Land dann auch mal in seinen verschiedenen Facetten kennenzulernen und das eine oder andere noch zu sehen», sagte Bierhoff.