Bäte folgt auf Diekmann an der Spitze der Allianz

Überraschender Chefwechsel bei der Allianz: Der 49-jährige Oliver Bäte löst den langjährigen Vorstandschef Michael Diekmann ab, der den Posten nach seinem 60. Geburtstag räumt.

Bäte solle das Amt zur Hauptversammlung am 7. Mai 2015 übernehmen, teilte der größte europäische Versicherungskonzern nach einer Aufsichtsratssitzung am Donnerstag in München mit. Der Betriebswirtschaftler war im Jahr 2008 von der Unternehmensberatung McKinsey zur Allianz gekommen. Innerhalb des Vorstandes ist er derzeit für das Versicherungsgeschäft in Europa verantwortlich.

Bäte galt seit langem als Kronprinz für Diekmann, der seit März 2003 an der Spitze der Allianz steht. Im Dezember wird er aber 60 Jahre alt und erreicht damit die interne Altersgrenze der Allianz für Vorstandsmitglieder. Diekmann scheide aber auf eigenen Wunsch aus, erklärte die Allianz. In Finanzkreisen war damit gerechnet worden, dass er seinen Vertrag mindestens noch um ein Jahr verlängert.

Auch Clement Booth verlässt das Unternehmen zum Jahresende mit 60 Jahren. Sein Nachfolger wird Axel Theis. Den Vorstand verlassen wird dann zudem Gary Bhojwani. Ein Jahr Verlängerung gibt es für Manuel Bauer. Der 60-Jährige zeichnet im Vorstand für die Wachstumsmärkte verantwortlich. Den Vertrag von Helga Jung verlängerte der Aufsichtsrat um fünf, die Verträge von Dieter Wemmer und Werner Zedelius um drei Jahre.

Diekmann stand seit 2003 an der Spitze der Allianz und hat in dieser Zeit unter anderem die Trennung von der Dresdner Bank durchgebracht. Er soll nach einigen Jahren Abstand 2017 in den Aufsichtsrat wechseln. Aufsichtsratschef Helmut Perlet dankte Diekmann für die Arbeit: Er habe als Vorsitzender des Vorstands das Unternehmen entscheidend geprägt und weiterentwickelt sowie sehr erfolgreich durch die Finanzkrise geführt.

Ein Wechsel an der Vorstandsspitze hat bei der Allianz immer noch Seltenheitswert: Seit der Gründung vor fast 125 Jahren hatte die Versicherung erst neun Chefs - Bäte ist der zehnte in der Reihe der Vorstandschefs.

Der Rheinländer übernimmt die Allianz-Führung zu einem schwierigen Zeitpunkt: Seit Monaten sorgt die US-Tochter Pimco für Probleme. Der Vermögensverwalter kämpft seit Monaten mit milliardenschweren Mittelabflüssen.

Vor wenigen Tagen verabschiedete sich Gründer und Starinvestor Bill Gross von der Fondsgesellschaft und heuerte bei der Konkurrenz an. Hinzu kommen Ermittlungen der US-Börsenaufsicht SEC wegen des Verdachts auf geschönte Bilanzen. Auch bei der US-Tochter Fireman's Fund, die seit Jahren nur Verluste bei den Münchnern ablieferte, wartet viel Arbeit auf Bäte: Sie soll aufgespalten und möglicherweise in Teilen verkauft werden.