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Chemiewaffenexperten kommen in Syrien voran

Chemiewaffenexperten kommen in Syrien voran
Chemiewaffenexperten kommen in Syrien voran
Magali Girardin

Die Vernichtung der syrischen Chemiewaffen kommt voran. Das Expertenteam der Organisation für das Verbot chemischer Waffen (OPCW) und der Vereinten Nationen habe in dem Bürgerkriegsland inzwischen elf Standorte überprüft, teilte die OPCW in Den Haag mit.

An sechs Orten wurde demnach wichtiges Zubehör zerstört. Darunter seien auch Waffen der Kategorie 3 gewesen - also Munition, in der Giftgas transportiert werden kann.

Bis November sollen noch weitere Anlagen überprüft werden, über die die syrische Regierung die Organisation informiert hat. Die Zerstörung von Waffen und Zubehör werde ebenfalls fortgesetzt.

Der am Mittwoch offiziell gestartete gemeinsame Einsatz der OPCW und der UN werde von der Niederländerin Sigrid Kaag geleitet, teilte UN-Generalsekretär Ban Ki Moon mit. Kaag, die zuvor für das Kinderhilfswerk Unicef und das UN-Entwicklungsprogramm UNDP gearbeitet hatte, sei in enger Zusammenarbeit von UN und OPCW benannt worden. Auch der Sicherheitsrat habe ihrer Ernennung schon zugestimmt. Sie fühle sich sehr geehrt, diese «komplexe und herausfordernde Aufgabe» zu übernehmen, sagte Kaag. Zur Finanzierung richteten sowohl die UN als auch die OPCW Fonds ein.

Am vergangenen Montag trat Damaskus offiziell der internationalen Chemiewaffen-Konvention bei. Anlass für den Beitritt war ein Giftgasangriff im August in der Nähe von Damaskus, bei dem etwa 1400 Menschen getötet worden waren. Unter Druck Russlands und der USA stimmte das Regime von Baschar al-Assad - das die Verantwortung für das Massaker von sich wies - schließlich der Vernichtung seines C-Waffenarsenals zu.

Die Fachleute hatten Anfang Oktober mit ihrer Arbeit in dem Bürgerkriegsland begonnen. Auch Inspekteure der Vereinten Nationen sind Teil des Teams mit derzeit etwa 60 Mitarbeitern - weitere sollen bald folgen. Die OPCW, die in der vergangenen Woche mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet wurde, ist verantwortlich für die Umsetzung der 1997 in Kraft getretenen Konvention und somit für den Abbau von C-Waffen.

In den von Rebellen kontrollierten Gebieten Syriens mehren sich derweil die blutigen Machtkämpfe zwischen radikalen Islamisten und anderen Milizen. Wie die oppositionelle Beobachtungsstelle für Menschenrechte mitteilte, kamen bei Zusammenstößen zwischen kurdischen und islamistischen Kampfbrigaden in der Provinz Hasaka mindestens 41 Menschen ums Leben.

Den Angaben zufolge brachen die Kämpfe zwischen den Kurden und den dem Terrornetzwerk Al-Kaida nahestehenden Gruppen Islamischer Staat im Irak und Syrien (ISIS) und der Al-Nusra-Front in der Nähe der türkischen Grenze aus. Unklar blieb zunächst der Grund für die Gefechte. Kurden wehren sich allerdings schon seit längerem gegen einen Einmarsch der Islamisten in die von ihnen bewohnten Gebiete.

In den vergangenen Wochen gab es zudem vermehrt Kämpfe zwischen den selbst ernannten Gotteskriegern und Angehörigen der oppositionellen Freien Syrischen Armee. Es gab zwar auch Vereinbarungen zum Waffenstillstand, doch der Frieden blieb stets fragil. Meist ging es bei den Auseinandersetzungen um die Hoheit in strategisch wichtigen Grenzregionen - wichtig, um den Nachschub an Kämpfern, Waffen und Lebensmitteln zu gewährleisten.

Seit Beginn des Syrienkonflikts im März 2011 sind nach UN-Schätzungen inzwischen mehr als 100 000 Menschen getötet worden.