Dahlmeier hofft auf Ruhpolding-Start – Ausrichtung fraglich

Dahlmeier hofft auf Ruhpolding-Start – Ausrichtung fraglich
Dahlmeier hofft auf Ruhpolding-Start – Ausrichtung fraglich
Matthias Balk

Bei strahlendem Sonnenschein und blauem Himmel räumte Laura Dahlmeier am Schießstand alle fünf Scheiben ab, ehe sie mit ihrer verspiegelten Sonnenbrille entspannt an den noch leeren Tribünen der Chiemgau Arena vorbeilief.

Nach ihrer Grippe-Pause in Oberhof bereitete sich die Doppel-Olympiasiegerin bei wieder perfekten Bedingungen mit dem deutschen Biathlon-Team konzentriert und motiviert auf ihre Rennen in der Ruhpoldinger Arena vor. Ob diese allerdings am Donnerstag stattfinden, war am Mittwoch zunächst noch völlig offen. Ausrichter und Landratsamt schoben sich die Verantwortung gegenseitig zu.

Nachdem wegen des für den Landkreis Traunstein bestehenden Katastrophenfalls der ursprünglich für Mittwoch geplante Männer-Sprint am Dienstag um einen Tag verschoben wurde, vermeldete der Biathlon-Weltverband IBU, dass der Landkreis am Mittwochmorgen grünes Licht für den Doppel-Start am Donnerstag (11.00 und 14.45 Uhr/ARD und Europsort 2) gegeben habe. Ruhpolding findet statt!

Am Mittag folgte das Dementi. „Unser Sicherheitskonzept steht. Aber es muss noch final vom Landratsamt bestätigt werden”, sagte Ruhpoldings Bürgermeister Claus Pichler. Nur das Landratsamt könne entscheiden, ob der Weltcup stattfindet oder nicht. Sportlich sei alles hergerichtet. Tagelang hatten viele Freiwillige rund 10.000 Kubikmeter Schnee von der Tribüne geschippt und die Arena wettkampffähig gemacht. Doch am Mittwoch kam eine Gefährdung durch mögliche Lawinenabgänge hinzu.

Während Pichler auf das Go vom Landratsamt wartete, schob der Traunsteiner Landrat Siegfried Walch (CSU) den Ausrichtern die Verantwortung zu. Es zeichne sich eine Lage ab, dass der Weltcup stattfinden könne, sagte Walch in einer bei Facebook und YouTube verbreiteten Video-Botschaft. Dann werde er dem keine Steine in den Weg legen.

Er betonte aber, dass Biathlon wegen der Lawinengefahr im Landkreis und einer deshalb geräumten Ortschaft für ihn nach wie vor Nebensache sei. „Inwiefern man es gut findet, einen Weltcup stattfinden zu lassen, während ein paar Kilometer weiter eine akute Krisensituation ist, das kann jeder selber bewerten und das muss auch der Veranstalter bewerten”, sagte der CSU-Politiker.

Auch Pichler ist nicht egal, „was im Nachbartal passiert.” Doch klar ist auch, dass eine erneute Verschiebung oder gar eine Absage des Weltcups einen hohen finanziellen Schaden bedeuten würde. Kritik mussten die Ausrichter ohnehin einstecken. „Diese Kritik kann ich nachvollziehen, ist aber teilweise differenziert zu sehen”, sagte Engelbert Schweiger, Generalsekretär des Organisationskommitees. Er stellte klar: In der Chiemgau Arena wurden keine Kräfte eingesetzt, die im „K-Fall” woanders gefehlt hätten. „Wir haben das Stadion aus eigenen Kräften mit eigenen zugemieteten Firmen wettkampffähig gemacht”, sagte er.

Sportlich geht Dahlmeier entspannt in ihr Mini-Comeback. „Wo ich ganz genau stehe, kann ich nicht sagen. Morgen ist der erste scharfe Test, und dann werden wir mal schauen, wie es läuft”, sagte die siebenmalige Weltmeisterin, die nach ihrer gesundheitsbedingten Zwangspause erst beim letzten Dezember-Weltcup in Nove Mesto in die Saison eingestiegen. Dort hatte sie aber auf Anhieb Platz zwei im Sprint und Rang fünf in der Verfolgung geholt.

Wie Dahlmeier hofft auch der formschwache Massenstart-Weltmeister Simon Schempp bis zur WM im März wieder fit zu sein. Schempp lässt nach Ruhpolding wohl auch die kommenden Rennen in Antholz aus. In Südtirol soll Erik Lesser wieder einsteigen. Der 30-Jährige war am Samstag erstmals Vater geworden und bleibt diese Woche zu Hause bei seiner Freundin Nadine und Tochter Anouk.