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Große Sorge um Welterbe in Palmyra nach IS-Vormarsch

Der Vormarsch der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) in Syrien hat weltweit große Sorge um das Unesco-Weltkulturerbe in der historischen Wüstenstadt Palmyra ausgelöst.

Eine Zerstörung der archäologischen Stätten Palmyras wäre nach Einschätzung von Unesco-Chefin Irina Bokowa ein «enormer Verlust für die Menschheit». Die Extremisten kontrollieren nach den Geländegewinnen in Zentralsyrien jetzt mehr als 50 Prozent der Landesfläche.

Die IS-Terrormiliz hatte Palmyra am Mittwochabend vollständig unter ihre Kontrolle gebracht und auch die archäologischen Stätten im Südwesten der Stadt eingenommen, wie die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrecht bestätigte. Auch der IS meldete über seinen Radiosender Al-Bajan die Einnahme der Stadt.

Die einzigartigen Ruinen Palmyras aus den ersten Jahrhunderten nach Christus gehören zum Unesco-Weltkulturerbe. Die einstige Handelsmetropole gilt als einer der bedeutendsten Komplexe antiker Bauten im Nahen Osten.

Im Nordirak hatten IS-Anhänger im Frühjahr bereits einmalige Kulturstätten zerstört, darunter die Ruinen der Jahrtausende alte Stadt Nimrud und die Grabungsstätte Ninive. Die altorientalischen Überreste stellen nach der radikalen Islam-Interpretation der Dschihadisten Kultstätten «Ungläubiger» dar. Nach dieser Lesart sind auch Bilder und figürliche Darstellungen von Menschen verboten.

Bokowa forderte erneut ein Ende der Auseinandersetzungen und rief den Sicherheitsrat der Vereinten Nationen auf, sich des Themas Palmyra anzunehmen. «Wir brauchen die totale Mobilisierung der internationalen Gemeinschaft», forderte sie.

Aktivisten aus der Stadt erklärten, bislang habe es keine Zerstörungen gegeben. Der Leiter der syrischen Museums- und Altertumsbehörde, Mamun Abdul-Karim, sagte laut der staatlichen Nachrichtenagentur Sana, Hunderte Statuen seien vor dem IS-Einmarsch an einen sicheren Ort gebracht worden.

Das IS-Herrschaftgebiet erstreckt sich vor allem über den Norden und Osten Syriens. Dabei handelt es sich hauptsächlich um Wüstengebiete. Auch im benachbarten Irak kontrollieren sie riesige Regionen.

Dort hatten sie im Westen des Landes am vergangenen Wochenende die Provinzhauptstadt Ramadi eingenommen. Die Terrormiliz beherrsche nun auch fast alle Öl- und Gasfelder Syriens, erklärten die syrischen Menschenrechtsbeobachter. Die Extremisten finanzieren sich hauptsächlich aus dem Verkauf von Öl.

Die humanitäre Lage in Palmyra sei schwierig, sagte der Leiter der Menschenrechtler, Rami Abdel Rahman, der Deutschen Presse-Agentur. Das Regime habe mehrere Luftangriffe gegen IS-Stellungen geflogen. Aktivisten des Medienzentrums Palmyra berichteten, die Terrormiliz habe eine Ausgangssperre verhängt und durchkämme die Häuser auf der Suche nach Regierungsanhängern. Demnach schnitten die Extremisten mehreren Kämpfern des Regimes die Kehle durch.

Laut den Menschenrechtsbeobachtern gibt es in Palmyra seit vier Tagen keinen Strom. Die Medienaktivisten berichteten, es gebe auch kein Wasser und keine medizinische Versorgung mehr. Unklar ist, wie viele Menschen sich noch in Palmyra aufhalten. Den Aktivisten zufolge sind noch mehrere Zehntausend Menschen in der Stadt. Mehr als die Hälfte seien Flüchtlinge. Die Angaben der Aktivisten zur Lage in der Stadt ließen sich nicht unabhängig überprüfen.