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Deutsche Aktien weiter ohne einheitliche Richtung

Belastet von steigender Unsicherheit haben die deutschen Aktienindizes am Donnerstag erneut keine einheitliche Richtung gefunden. Während der Dax am Nachmittag 0,08 Prozent tiefer stand bei 8659 Punkten, rückte der MDax um 0,06 Prozent auf 15 011 Punkte vor.

Der TecDax verlor 0,27 Prozent auf 1075 Punkte. Der Eurozonen-Leitindex EuroStoxx 50 fiel um 0,13 Prozent leicht zurück. Es gebe aktuell einige Unsicherheitsfaktoren und dafür halte sich der Markt erstaunlich gut, sagte ein Börsianer. Zum einen bleibe die Regierungsbildung in Deutschland trotz des klaren Wahlsiegs von Kanzlerin Angela Merkel (CDU) unklar. Das Wort «Minderheitsregierung» falle immer öfter, betonte ein Händler.

Zudem verwies er auf die wieder wackelige politische Lage in Italien im Zusammenhang mit Silvio Berlusconi. Mit dem Haushaltskonflikt in den USA steht noch eine weitere Unbekannte in der Gleichung. In New York legte der S&P-500-Index die längste Verlustserie seit Dezember hin. Neue Daten aus den USA bewegten kaum.

Finanzwerte standen am Dax-Ende: Mit einem Kursabschlag von 1,22 Prozent knüpften Deutsche-Bank-Papiere an ihre Vortagesschwäche an. Auf einer Investorenveranstaltung hatte Co-Chef Anshu Jain die Anleger auf ein schwaches Quartalsergebnis vorbereitet. Hinzu kommt Börsianern zufolge das Thema Italien. Eine weitere Verschärfung könnte neue Turbulenzen bei italienischen Staatsanleihen auslösen. Das würde dann insbesondere die Banken belasten. Der Sektor ist der schwächste in Europa. Ihren positiven Trend setzen T-Aktien fort, die an der Indexspitze 2,03 Prozent gewannen. Bei 10,81 Euro erreichte die Telekom ein Hoch seit August 2011.

Adidas-Titel büßten ihre anfänglichen Gewinne ein und verloren am Nachmittag 0,15 Prozent. Dabei scheint die Neuausrichtung der Problemtochter Reebok langsam Früchte zu tragen. «Im zweiten Quartal sind zum ersten Mal seit langem der Umsatz und die Marge gestiegen», sagte Reebok-Chef Matt O'Toole dem «Handelsblatt». Händler werteten dies leicht positiv, bemängelten aber den mangelnden Neuigkeitswert. Neue Bewegung könnte die Zahlenvorlage von Nike bringen.

Anteile an K+S verteuerten sich in der Dax-Spitzengruppe um 1,07 Prozent. In einem erbitterten Streit in der Kali-Branche hat Weißrussland die Untersuchungshaft gegen den Chef des russischen Bergbaukonzerns Uralkali in Hausarrest umgewandelt. Das bringt einem Händler zufolge leichte Hoffnungen auf eine Wiederbelebung des russisch/weißrussischen Kali-Kartells, was Düngerpreisen helfe.

Tui-Aktien profitierten im MDax mit plus 1,09 Prozent von positiv aufgenommenen Zahlen der Tochter Tui Travel. Ein starkes Sommergeschäft hatte Europas größtem Reiseveranstalter die Kassen gefüllt. Der Rüstungskonzern und Autozulieferer Rheinmetall will indes mit einem Einstieg ins Öl-Geschäft neue Kunden für seine Rüstungssparte in Afrika, dem Nahen Osten oder Südamerika finden. Die Aktie gab 0,72 Prozent ab. Bei den Nebenwerten gewannen Aktien der chinesischen Grohe-Tochter JouYou 1,88 Prozent. Der Badarmaturen-Hersteller Grohe wird vom japanischen Lixil-Konzern übernommen.

Am deutschen Rentenmarkt fiel die durchschnittliche Umlaufrendite börsennotierter Bundeswertpapiere auf 1,46 Prozent (Mittwoch: 1,47 Prozent). Der Rentenindex Rex stieg um 0,06 Prozent auf 133,41 Punkte. Der Bund-Future mit Laufzeit Dezember verlor 0,07 Prozent auf 139,86 Punkte. Der Euro verlor etwas. Die Europäische Zentralbank (EZB) setzte den Referenzkurs auf 1,3499 (1,3504) US-Dollar fest. Der Dollar kostete damit 0,7408 (0,7405) Euro.