DHB-Team vor Handball-WM im Steigflug: „Die Chemie stimmt”

DHB-Team vor Handball-WM im Steigflug: „Die Chemie stimmt”
DHB-Team vor Handball-WM im Steigflug: „Die Chemie stimmt”
Danny Gohlke

Die Handball-Nationalmannschaft hat WM-Witterung aufgenommen. Exemplarisch für das Championat könnte das Testspiel gegen Polen sein: Langsam reinkommen, aber dann explodieren!

Der deutliche 35:23 (16:13)-Erfolg über den im Umbruch steckenden Olympia-Vierten Polen in Rostock war vor allem Resultat einer Steigerung in der zweiten Halbzeit. „Eine WM wird auch nicht linear steil nach oben laufen, und wir werden nicht nur von Sieg zu Sieg eilen”, sagt Bundestrainer Christian Prokop, hat dabei aber einen wichtigen Rat: „Cool bleiben, richtige Schlüsse ziehen.”

Die 17 in Rostock zusammengezogenen Nationalspieler reisten am Donnerstag mit einem neuen Wir-Gefühl ab. „Die drei Tage in Rostock haben sich gelohnt”, sagt Kreisspieler Patrick Wiencek und Rechtsaußen Patrick Groetzki ergänzt: „Der Lehrgang war wichtig, um in dieses WM-Feeling reinzukommen.” Für Matthias Musche, der den fehlenden Kapitän Uwe Gensheimer von Paris Saint-Germain auf der Linksaußen-Position vertrat und sechs Tore warf, steht fest: „Wir haben eine gute Mannschaft. Ich bin für die WM zuversichtlich.”

Auch wenn noch nicht alles rund läuft, ist sich das Team sicher: Die WM im eigenen Land in nicht mal mehr einem Monat (10. bis 27. Januar) kann kommen. „Die Vorfreude auf die Weltmeisterschaft ist unglaublich”, versichert Prokop und erinnert an die beflügelnde Atmosphäre bei der Heim-WM 2007, die mit dem Titel gekrönt wurde. Bei zwei weiteren Lehrgängen in Barsinghausen (28. bis 30. Dezember) und Hamburg (2. bis 6. Januar) sowie den Testspielen gegen Tschechien am 4. Januar in Hannover und Argentinien am 6. Januar in Kiel will er Abstimmungsprobleme ausmerzen und den Feinschliff fortsetzen.

Die klassische 6:0-Abwehr bezeichnet Prokop als „die Versicherung” der DHB-Auswahl, das reicht ihm aber nicht. „Wir haben die Aufgabe, die Gegner mit unterschiedlichen taktischen Mitteln unter Druck zu setzen.” Da geht es dem 39 Jahren alten Coach, der seit Juli 2017 im Amt ist, um eine aggressivere, offensivere Spielweise. Auch im Angriff strebt er den Wechsel verschiedener Systeme an. „Wir müssen mit mehr Schnelligkeit, Dampf und Überzeugung in die Aktionen gehen.”

Perfektionist Prokop sieht beim Angriffsspiel unverändert den größten Handlungsbedarf. „Da haben wir ein paar Abstimmungsprobleme zu viel”, moniert der aus Köthen in Sachsen-Anhalt stammende Coach. Nicht von ungefähr lobte er deshalb Steffen Fäth. Der linke Rückraumspieler von den Rhein-Neckar Löwen hat Verantwortung übernommen und vier Tore erzielt. Einen Ersatz für den wegen eines Kreuzbandrisses seit Wochen fehlenden Rückraumkanoniers Julius Kühn kann es nicht geben. Nach einer Linderung des Problems sucht Prokop dennoch verzweifelt. Deshalb registriert er erfreut: „Nach dem Ausfall von Julius Kühn haben wir mit Steffen Fäth eine Waffe im Rückraum.”

Nach der unbefriedigenden EM vor knapp einem Jahr in Kroatien mit dem neunten Platz, vielen Misstönen und Schuldzuweisungen gibt sich Prokop diesmal geschmeidiger und beschwört den Teamgeist. Auch deshalb konstatiert er mit Erleichterung: „Die Chemie stimmt.” Ob es nun eine Kehrtwende oder sanftes Einlenken ist, darüber streiten sich Beobachter. „Ein anderer Bundestrainer ist er nicht geworden”, sagt Teammanager Oliver Roggisch. „Aber er hat aus seinen Fehlern gelernt. Wir haben einen Neustart gemacht.” Aber auch der frühere Kreisläufer weiß: „Das beste für die Mannschaftsbildung sind immer Siege und Spiele auf hohem Niveau. Das bringt uns weiter.”