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Die voraussichtlichen Themen des Gipfels

Die voraussichtlichen Themen des Gipfels
Facundo Arrizabalaga / Pool

Die Staats- und Regierungschefs der führenden Industrienationen und Russlands (G8) treffen sich in Nordirland. Auf der Tagesordnung des Gipfels dürften diese politischen und wirtschaftlichen Themen stehen:

- Syrien: Die internationale Gemeinschaft sucht weiter eine diplomatische Lösung für den Bürgerkrieg, der seit März 2011 nach Erkenntnissen der Vereinten Nation mindestens 80 000 Todesopfer gefordert hat. Russland steht zum syrischen Regime von Präsident Baschir Al-Assad, liefert Waffen und blockiert im Sicherheitsrat jede gegen Assad gerichtete Initiative. Großbritannien und Frankreich erwägen Waffenlieferungen an die Aufständischen. Die USA wollen einen Regime-Wechsel. Uneinigkeit ist bei diesem Thema programmiert.

- Nordkorea und Iran: Die Atomprogramme beider Staaten bereiten der G8 gleichermaßen Sorge. Nordkorea hat in den vergangenen Monaten mit überaus aggressivem Kriegsgeschrei selbst den engsten Verbündeten China verschreckt. Der Iran wählt vor dem Gipfel einen neuen Präsidenten. Dassder neue Mann bereit ist, das Atomprogramm komplett offenzulegen, ist unwahrscheinlich. Das Land steht im Verdacht, unter dem Deckmantel der zivilen Nutzung Atombomben bauen zu wollen.

- Währungs- und Handelsstreit: Japans neuer Premier Shinzo Abe versucht mit aller Macht, den jahrelangen Stillstand der noch immer drittgrößten Volkswirtschaft der Erde zu überwinden. Seine sogenannten Abenomics zeigen Wirkung - das Bruttoinlandsprodukt legte im ersten Quartal erstaunlich stark zu. Dieser Erfolg hat einen Preis. Die Notenbank pumpt viele Yen in die Wirtschaft und wertet die Währung damit letztlich ab - zur Freude der japanischen Exportwirtschaft, zum Ärger der globalen Wettbewerber aus Amerika und Europa.

Aber vielleicht kommt auch mal etwas voran. Europa und Amerika sind grundsätzlich bereit, über ein Freihandelsabkommen zu verhandeln. Allerdings liegt der Teufel im Detail. Immerhin könnten US-Präsident Barack Obama und seine europäischen Kollegen weitere Steine aus dem weg räumen.

- Steueroasen, offenes Geschäftsgebaren internationaler Konzerne bei Rohstoff- und Landkäufen in armen Ländern: Gastgeber Cameron will die Partner dafür gewinnen, ihre Konzerne entsprechenden Transparenzregeln zu unterwerfen. Viele arme Länder haben enorme Rohstoffvorkommen und fruchtbare Ländereien, allerdings verhindern korrupte Eliten, dass die Profite der ganzen Bevölkerung zugutekommen.

Beim Thema Steuerflucht sind nicht europäische Staaten daran interessiert, möglichst viele der Oasen rund um den Globus auszutrocknen. Den Haushalten entgehen Milliarden. Die G8 will versuchen, beim anstehenden G20-Gipfel im September im russischen St. Petersburg Verbündete unter den aufstrebenden Volkswirtschaften wie China, Indien und Brasilien zu finden. Cameron will mit gutem Beispiel vorangehen, und die bei Unternehmen und Privatleuten attraktiven britischen Überseegebiete schärfer kontrollieren - allerdings ohne die Interessen seiner Londoner Banken und Hedgefonds all zu sehr zu beschneiden.