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Diskussionswut und Straßenprotest beim AfD-Parteitag in Bremen

Die Alternative für Deutschland (AfD) hat sich bei ihrem Bundesparteitag in Bremen an der Frage festgebissen, ob die Partei weiterhin drei Vorsitzende haben soll oder nur einen.

Die ursprünglich für den Mittag geplante Abstimmung über diesen Teil der neuen Satzung konnte am Samstag zunächst nicht stattfinden, da zahlreiche AfD-ler eine längere Debatte über die neue Führungsstruktur führen wollten. Einige Teilnehmer forderten gar eine Verschiebung der Abstimmung um ein Jahr. Die Stimmung war aufgeheizt, streckenweise sogar aggressiv.

Der Co-Vorsitzende der AfD, Bernd Lucke, warb für den alleinigen Parteivorsitz. Er sagte vor den mehr als 1700 AfD-lern, die Partei müsse künftig professioneller geführt werden, und zwar von einem einzigen Vorsitzenden, dem ein loyaler Generalsekretär zur Seite stehe. «Wir sind kein Kegelclub oder Kaninchenzüchterverein», betonte Lucke. Der Bundesvorstand der jungen Partei habe bisher aufgrund der komplizierten Führungsstruktur «stümperhaft» gearbeitet.

Der Parteitag, der am Freitagabend schon mit stürmischen Debatten zu Verfahrensfragen begonnen hatte, fand am Samstag wegen des großen Andrangs in zwei weit voneinander getrennten Gebäuden statt, die per Videolink miteinander verbunden waren. In der Bremer Innenstadt versammelten sich nach Angaben der Polizei rund 2500 Gegner der AfD und der islamkritischen Dresdner Pegida-Bewegung. Die Demonstration, an der sich auch Gewerkschaften beteiligten, stand unter dem Motto «gegen Rechtspopulismus und Rassismus». Sie wurde von einem Großaufgebot der Polizei begleitet. Auf Plakaten der Demonstranten hieß es «Schöner leben ohne Nazis».

Bisher hat die AfD drei gleichberechtigte Bundesvorsitzende. Neben Lucke gehören dem Gremium die sächsische Landesvorsitzende Frauke Petry und der Publizist Konrad Adam an. Der Vorstand hatte Mitte Januar nach öffentlichem Streit einen Kompromissvorschlag gefunden, der ab April eine Zweierspitze vorsieht. Ab Dezember soll die rechtskonservative Partei dann nur noch einen einzigen Vorsitzenden haben. Frauke Petry lobte Luckes «aufopferungsvolle» Arbeit für die Partei, widersprach ihm jedoch in einzelnen Punkten. Sie sagte: Die AfD dürfe nicht geführt werden wie ein «schlankes Unternehmen».

Über ihr neues Parteiprogramm will die AfD frühestens Ende November abstimmen. In den vergangenen Wochen hatte es einen heftigen Richtungsstreit zwischen dem liberalen und dem nationalkonservativen Flügel der Partei gegeben.