Doppelmord am Hamburger Jungfernstieg: Urteil erwartet

Doppelmord am Hamburger Jungfernstieg: Urteil erwartet
Doppelmord am Hamburger Jungfernstieg: Urteil erwartet
Bodo Marks

Zehn Monate nach der tödlichen Messerattacke auf eine Frau und ihre einjährige Tochter an der Hamburger S-Bahnstation Jungfernstieg wird heute das Urteil erwartet.

Der Angeklagte hatte vor Gericht gestanden, seine Ex-Freundin und die gemeinsame Tochter Mariam am 12. April 2018 an dem belebten Bahnsteig attackiert zu haben. Hintergrund war nach Überzeugung der Staatsanwaltschaft ein Sorgerechtsstreit. Staatsanwältin Maria Hutka forderte vor dem Hamburger Landgericht lebenslange Haft für den 34-Jährigen. Zudem sei die besondere Schwere der Schuld festzustellen.

Wird eine lebenslange Freiheitsstrafe verhängt und die besondere Schwere der Schuld festgestellt, ist eine vorzeitige Haftentlassung nach 15 Jahren rechtlich zwar möglich, in der Praxis aber so gut wie ausgeschlossen.

Der 34-Jährige aus dem westafrikanischen Niger habe den Doppelmord aus niedrigen Beweggründen und heimtückisch begangen, sagte Hutka. Er habe Mariam „zum Werkzeug seiner Rache” an der in der Nähe stehenden Mutter gemacht. Dann habe er auch die 34-Jährige angegriffen. Die Frau hatte noch vier weitere Kinder aus früheren Beziehungen.

Die Nebenklage schloss sich der Forderung der Anklage an. Der Verteidiger plädierte auf eine Verurteilung wegen Totschlags. Sein Mandant sei nur eingeschränkt schuldfähig und habe sich spontan zu der Tat entschieden, sagte Anwalt Tim Burkert. „Es gibt ein ganzes Bündel an Emotionen, die zur Tat geführt haben”, sagte der Anwalt. Er sprach sich für eine zeitlich begrenzte Haftstrafe aus.

Nach Überzeugung der Staatsanwaltschaft war der Angeklagte voll schuldfähig, als er die Tat beging. Es sei keine Affekttat gewesen, er habe nicht unter dem Einfluss von Drogen oder Alkohol gestanden, sagte Hutka.

Der Angeklagte hatte sich zum Ende des Verfahrens geweigert, überhaupt noch den Gerichtssaal zu betreten und musste schließlich in Hand- und Fußfesseln vorgeführt werden. Er störte den Ablauf mit Zwischenrufen, drehte den Richtern den Rücken zu oder hielt sich die Ohren zu. Immer wieder verlangte er, den Botschafter seines Heimatlandes sprechen zu können. Laut Gericht gilt er aber als verhandlungsfähig.