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DOSB-Chef Hörmann bedauert Gaucks Olympia-Verzicht

DOSB-Chef Hörmann bedauert Gaucks Olympia-Verzicht
DOSB-Chef Hörmann bedauert Gaucks Olympia-Verzicht
Michael Kappeler

Der neue DOSB-Chef Hörmann findet es schade, dass Bundespräsident Gauck nicht nach Sotschi fährt. Kritik an Russland kann er nachvollziehen. Wegen der Menschenrechtslage verzichtet eine andere Politikerin auf eine Reise nach Sotschi.

Die Diskussionen um den Verzicht auf eine Reise von Bundespräsident Joachim Gauck zu den Olympischen Winterspielen in Sotschi gehen weiter. Der neue DOSB-Chef Alfons Hörmann bedauerte die Entscheidung. «Selbstverständlich wäre es für uns ein schönes Signal gewesen, wenn er mit von der Partie wäre», sagte der Präsident des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) am Dienstag im ZDF-«Morgenmagazin». Er betonte aber auch: «Zunächst einmal gibt es keinen Automatismus, dass der Bundespräsident zu Olympischen Spielen kommt.»

Nach Gauck hatte am Montagabend in der stellvertretenden EU-Kommissarin Viviane Reding eine weitere prominente Politikerin angekündigt, nicht zu dem Großereignis zu kommen. Die Luxemburgerin hatte als Grund dafür anders als das deutsche Staatsoberhaupt ausdrücklich die Menschenrechtslage in Russland genannt. «Ich werde sicher nicht nach Sotschi fahren, solange Minderheiten auf diese Weise von der derzeitigen russischen Regierung behandelt werden», schrieb Reding bei Twitter.

Gründe für Gaucks Verzicht waren nicht genannt worden. Das Bundespräsidialamt hatte am Wochenende einen Bericht des Nachrichtenmagazins «Der Spiegel» bestätigt, dass Gauck nicht nach Sotschi fliegen werde. Den früheren Turn-Weltmeister Eberhard Gienger überraschte die Entscheidung nicht. «Gauck bleibt seiner Linie treu, daran ist nichts auszusetzen. Aber diese Messlatte muss er jetzt auch bei anderen Ländern gelten lassen», sagte der CDU-Bundestagsabgeordnete der «Bild»-Zeitung (Mittwoch).

Biathlon-Olympiasiegerin Magdalena Neuner meinte: «Wenn ein Bundespräsident sagt, er bleibt zu Hause, ist das kein schlechtes Zeichen. Es zeigt, dass wir in anderen Ländern schon sehen, was in Russland passiert.» Die Rekord-Weltmeisterin, die im Vorjahr ihre Karriere beendet hatte und 2014 ein Kind erwartet, will selbst aber nach Sotschi reisen und dort fürs Fernsehen arbeiten. «Olympia ist für einen Sportler einfach das Größte. Natürlich sieht man das andere auch und darf seine Augen nicht verschließen. Es ist ein Spagat», sagte Neuner im Interview der »Augsburger Allgemeinen» (Mittwoch).

Menschenrechtler hatten die Entscheidung von Gauck begrüßt. Russland steht international wegen Menschenrechtsverletzungen sowie eines harten Anti-Homosexuellen-Gesetzes in der Kritik - was Hörmann nachvollziehen kann. «Aus heutiger Sicht gibt's sicherlich viele kritikwürdige Punkte an der Vergabe an Sotschi», sagte der 53-Jährige. «Die Art, wie die Spiele dort umgesetzt werden, erfährt an zahlreichen Stellen berechtigte Kritik.» Er selbst werde sich mit den Kolleginnen und Kollegen und den Athleten in den kommenden Wochen selbst ein Bild vor Ort machen, meinte Hörmann und kündigte an: «Dann werden wir zu einer klaren und kritischen offenen Reflexion kommen, und selbstverständlich die Dinge auch mit dem IOC offen und klar bereden.»

Grundsätzlich führten Olympische Spiele dazu, dass Themen in der Region diskutiert werden, glaubt Hörmann. «Das zeigen ja die aktuellen Szenarien. Und insofern ist damit den Nationen grundsätzlich geholfen.» Viel wichtiger sei es, dass auch nach den Spielen entsprechende Diskussionen weiter stattfinden würden «und die Dinge, die nicht zu akzeptieren sind, auf der Agenda bleiben», so Hörmann. «Dafür müssen allerdings die zuständigen Politiker sorgen», fügte er hinzu und schloss sich damit der Meinung des DOSB-Athletensprechers Christian Breuer an.

Auch Berlins Innensenator Frank Henkel hält einen Olympia-Boykott für nicht sinnvoll. «Als Sportsenator werde ich selbstverständlich nach Sotschi reisen. Es ist mir wichtig, unsere Sportlerinnen und Sportler persönlich zu unterstützen», sagte Henkel dem «Tagesspiegel» (Mittwoch). «Die Probleme, die es zweifelsfrei gibt», sollen «vor Ort angesprochen werden», fügte der CDU-Politiker hinzu.

Das Internationale Olympische Komitee (IOC) reagierte unterdessen mit Gelassenheit auf die Auflösung der staatlichen russischen Nachrichtenagentur Ria Nowosti, die damit auch als Medienpartner der Olympischen Winterspiele 2014 in Sotschi ausscheidet. «Wir erwarten nicht, dass diese Entscheidung Auswirkungen auf den Ablauf der Spiele hat», erklärte das IOC am Dienstag in Lausanne auf dpa-Anfrage.