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Eierproduzenten halten Zehntausende Legehennen

Eierproduzenten halten Zehntausende Legehennen
Auslaufwiesen des Bio-Betriebes Hufe 8 in Selow bei Bützow.
Jens Büttner

Ist das Bio, wenn ein Betrieb 6000, 15.000 oder 30.000 Legehennen hält? Innerhalb der Bio-Branche existieren erhebliche Unterschiede bei den Betriebsgrößen.

Rund jedes zehnte in Deutschland gelegte Ei stammt heute aus Bio-Betrieben. Die Legehennen haben hier etwa 50 Prozent mehr Platz im Stall und im Auslauf als ihre Artgenossinnen auf konventionellen Höfen. Die EU-Öko-Verordnung erlaubt maximal 3000 Legehennen pro Stall. Im Vergleich zu konventionell gehaltenen Legehennen, ist hier ein etwa doppelt so große Stallfläche und Auslauf vorgeschrieben. Dazu brauchen sie Unterschlüpfe zum Schutz vor Greifvögeln. In Mecklenburg-Vorpommern ist die Stallgröße auch durch die Förderpolitik des Landes gesteuert. Hier sind maximal zwei 3000er Ställe in einem Gebäude förderfähig. Die Menge an den pro Bio-Betrieb gehaltenen Tieren sorgt dennoch für Diskussionen.

Nebeneinander von Haltungsstandards

Zusätzlich zum europäischen Mindesstandard verfolgt jeder Verband sein eigenes Ideal. Im Demeter-Betrieb Hufe 8 in Selow im Landkreis Rostock leben 6600 Hennen in vier Mobilställen. Sie gilt als eine der innovativsten Haltungsformen. Auch die Hähnchen werden aufgezogen und nicht als Eintagsküken getötet, wie es in der konventionellen und ökologischen Produktion überwiegend geschieht. Im selben Landkreis sitzt auch die Erzeugergemeinschaft Fürstenhof, zu ihr gehören 23 Betriebe. Insgesamt werden von der Gruppe 300.000 Tiere gehalten. Weitere Betriebe sind für den Ackerbau und die Futterproduktion zuständig. Um den Kreislauf zu schließen, fehlt nur noch eine eigene Brüterei, die im ersten Halbjahr geplant ist. Jeder der Höfe versorgt 15.000 bis 33.000 Tiere. Damit liegen sie über dem von der Organisation Foodwatch 2015 erfassten bundesweiten Durchschnitt von 13.500 Hennen je Bio-Betrieb. Auch bei Fürstenhof betreibt eine Hähnchenaufzucht.

Tiergesundheit als Kriterium

Trotz aller besseren Bestimmungen stammen Bio-Eier nicht nur von glücklichen, gesunden Hühnern. Bei keiner Haltungsform sei die Tiergesundheit ein Kriterium, bemängelt Foodwatch-Sprecher Dario Sarmadi. Man könne nie sicher sein, dass die Eier, die man kauft, von gesunden Tieren stammen. „Es geht Tieren in Biobetrieben nicht unbedingt besser”, meint er. Mit mehr Auslauf allein sei es nicht getan. Neben Parasiten plagten die Hennen häufig Knochenbrüche, da viel Kalzium in die Eierschalen gehe. Annalina Behrens, die Geschäftsführerin von Fürstenhof, sagt das die Erzeugergemeinschaft "Hühnerbonituren" durchführen würde. Einmal im Quartal werde jedes Tier vom Kamm über die Schnabelspitze und das Gefieder bis zur Kloake, dem Legeorgan, und den Füßen untersucht. Die Anregung sei vom Abnehmer Alnatura gekommen, der nur Eier von Hennen wolle, die „telegen” sind.