Baden-Württemberg

„Es geht um alles”: Union Berlin fordert VfB Stuttgart

Der 1. FC Union Berlin glaubt an den historischen ersten Aufstieg in die Fußball-Bundesliga, der VfB Stuttgart will den Absturz in die Zweitklassigkeit mit aller Macht verhindern.
dpa
Urs Fischer
Union-Trainer Urs Fischer will mit seinem Team in die Bundesliga. Foto: Jörg Carstensen
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Vor dem Relegations-Hinspiel stehen vor allem die Schwaben am Ende einer für sie desolaten Saison unter enormem Druck. «Es geht um den VfB, es geht um die Region, um das Schwabenland», sagte VfB-Trainer Nico Willig vor dem ersten von zwei Duellen am Donnerstag (20.30 Uhr/Eurosport Player): «Wir müssen dankbar sein für diese Chance. Es ist viel schlecht gelaufen, aber jetzt können wir was gewinnen.»

Während sich der Bundesliga-16. Stuttgart unbedingt noch retten will, kann der Zweitliga-Dritte aus der Hauptstadt sich krönen. «Es geht um alles», sagte der Berliner Offensivspieler Joshua Mees: «Für uns geht es darum, Geschichte zu schreiben.» Der frühere DDR-Oberligist und FDGB-Pokalsieger von 1968 hat die Chance, es als 56. Neuling und fünfter Berliner Club ins Oberhaus zu schaffen.

Nur um ein Tor hatte der Kultclub aus Köpenick am Sonntag beim 2:2 in Bochum den direkten Sprung ins Oberhaus verpasst. «Optimal wäre es, wenn wir die negative Energie in eine Trotzreaktion umwandeln könnten», sagte Trainer Urs Fischer, der die Favoritenrolle dem VfB zuteilt: «Ich kann mir vorstellen, dass bei den Stuttgartern der Druck ein bisschen größer ist als bei uns.»

Doch auch für Union geht es um viel. In zehn Jahren in der 2. Liga sind die Ansprüche gestiegen, der Verein kontinuierlich gewachsen. Präsident Dirk Zingler träumt seit Jahren vom Aufstieg und will, dass die Eisernen zu den 20 besten Vereinen Deutschlands gehören. Ein Scheitern in der Relegation, in der es am Montag (20.30 Uhr) im Stadion An der Alten Försterei in Berlin zum Rückspiel kommt, würde nur Platz 21 bedeuten. «Man hat etwas zu verlieren», sagte Fischer.

Dem VfB droht gegen die Hauptstädter nach 1975 und 2016 der dritte Abstieg aus der Eliteliga. Allerdings macht ein Blick in die Statistik Hoffnung. Seit Wiedereinführung der Relegation vor zehn Jahren setzte sich nur zweimal der Zweitligist durch: 2009 der 1. FC Nürnberg gegen Energie Cottbus und 2012 Fortuna Düsseldorf gegen Hertha BSC. Union tat sich zudem immer schwer, wenn sich die Ligazugehörigkeit nach dem regulären Saisonfinale entschied: Nur zwei- von zehnmal gelang der Aufstieg oder Klassenverbleib.

Dennoch ist der VfB gewarnt. «Das ist eine ganz, ganz harte Nuss und das wissen wir», sagte Willig mit Blick auf die starke Berliner Defensive, die so wenige Gegentore zuließ wie kein anderer Zweitligist (33). Stuttgart musste hingegen 70 Gegentreffer hinnehmen. Willig, der in der kommenden Saison als Coach von Tim Walter abgelöst wird, bleibt trotzdem positiv und glaubt an ein Happy End: «Wenn wir uns in einer Woche in den Armen liegen vor Freude, dann ist das einfach ein gutes Bild.»

Dass sein Ex-Club überhaupt so lange zittern muss, liegt für den früheren Nationalspieler Matthias Sammer daran, dass sich der VfB von der erfolgreichen Vorsaison blenden ließ. «Hauchdünn die internationalen Plätze verpasst zu haben, hat natürlich alles ausgelöst, aber keinen Realitätssinn», sagte der Eurosport-Experte in einem Videobeitrag. Trotzdem sieht der 51-Jährige den fünfmaligen deutschen Meister im Vorteil: «Der Erstligist ist Favorit, der VfB hat sich zuletzt stabilisiert.»