Unsere Themenseiten

Europaparlament will Biosprit ausbremsen

Europaparlament will Biosprit ausbremsen
Europaparlament will Biosprit ausbremsen
David Ebener

Biosprit ist öko? Naja. Denn allzu klimaschonend ist die CO2-Bilanz von Raps oder Soja nicht. Wenn Pflanzen für den Tank angebaut werden, wird andernorts Wald gerodet - für den Teller. Die EU hat das Problem erkannt, nun schlägt das EU-Parlament einen moderaten Reformkurs ein.

Künftig soll der Anteil von herkömmlichen Ökotreibstoffen am Gesamtsprit im EU-Verkehr maximal sechs Prozent betragen. Das beschloss das Straßburger Parlament. Derzeit liegt der Anteil schon bei knapp fünf Prozent.

Der konventionelle Biosprit aus Raps oder Soja ist umstritten, weil durch den Anbau der Pflanzen Flächen für Nahrungsmittel wegfallen. Für neue Felder werden vor allem in Entwicklungsländern Wälder gerodet, was schlecht fürs Klima ist. Dieses Problem ist bekannt als indirekte Landnutzungsänderung (englischer Begriff: Iluc).

Mit dem Votum des Parlaments deutet sich an, dass ursprüngliche Gesetzespläne der EU-Kommission abgeschwächt werden. Die Brüsseler Behörde hatte 2012 eine Obergrenze von fünf Prozent vorgeschlagen.

Der Rat als Vertretung der EU-Staaten sieht die Pläne des Parlaments kritisch. Wie von Diplomaten verlautet, peilt eine große Mehrheit der Staaten eine Obergrenze von sieben Prozent an. Besonders osteuropäische Staaten wie Polen fürchten um wirtschaftliche Einbußen. Agrarvertreter warnen vor dem Verlust von Arbeitsplätzen, wenn sich die Biodiesel-Produktion nicht mehr lohnt. Deutschland ist zwar für fünf Prozent, zeigt sich aber kompromissbereit.

Auch in einem zweiten Teil der Reform wählte das Europaparlament einen Mittelweg zwischen Umwelt- und Agrarinteressen. So sollen die Folgen der indirekten Landnutzungsänderung zwar in die CO2-Bilanz von Biosprit eingerechnet werden, dies aber erst ab 2020. Durch die Einrechnung könnte vor allem Biodiesel nicht mehr für Klimaschutzziele angerechnet werden. Die neuen Regeln sollen ein Schub für neue Formen von Biosprit sein, etwa aus Stroh oder Algen.

Christdemokraten reagierten erleichtert auf das Plenarvotum. Das Ergebnis sei ein Sieg der Vernunft, sagte die CDU-Europaabgeordnete Christa Klaß. Aus dem linken Parteienspektrum kam hingegen Kopfschütteln. Die angestrebten Regeln reichten nicht aus, um die schlimmen Folgen von Biosprit fürs Klima und für Armut in Drittweltländern abzumildern, sagte die Linkspolitikerin Sabine Wils. Ähnlich missmutig äußerten sich Umweltschützer. Der Reformkurs sei viel zu zaghaft, sagte Hubert Weiger vom Bund für Umwelt und Naturschutz (Bund). Auch «Transport & Environment» forderte schnelles Handeln pro Klimaschutz und eine Kurswende in der Biosprit-Politik.

Nun müssen die EU-Staaten ihre Sicht auf die Reform festlegen und sich anschließend mit dem Parlament einigen. Das dürfte dauern. Es ist fraglich, ob das Gesetzgebungsvorhaben bis zur Europawahl im Mai 2014 abgeschlossen werden kann.