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Europas Automarkt: Erholungskurs auf extrem niedrigem Niveau

Europas Automarkt: Erholungskurs auf extrem niedrigem Niveau
Europas Automarkt: Erholungskurs auf extrem niedrigem Niveau
Hendrik Schmidt

Die Menschen im krisengeplagten Europa kaufen wieder mehr Autos: Im September wurden in der Europäischen Union 1,16 Millionen Neuwagen zugelassen, das sind 5,4 Prozent als vor einem Jahr, teilte der Branchenverband Acea am Mittwoch in Brüssel mit.

Vor allem Eurokrisenländer wie Spanien, Irland oder Portugal überraschten mit kräftigen Zuwächsen. «Der westeuropäische Pkw-Markt hat (...) seinen Erholungskurs fortgesetzt», urteilte der deutsche Autoverband VDA.

Ein Grund zum Jubeln ist das aber noch nicht: Von Januar bis September ist der Autoabsatz mit 3,9 Prozent im Minus. Und: Nach dem miserablen Vorjahresmonat war der September 2013 der zweitschwächste seit Beginn der Erhebungen 2003.

«Der Absturz ist gebremst, aber die Krise hält an», analysierte Peter Fuß, Partner bei der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft EY: «Die Talsohle dürfte nun erreicht sein, von einer Erholung ist der europäische Automarkt allerdings noch weit entfernt.» Mit etwa 11,6 Millionen Neuzulassungen werde das Gesamtjahr voraussichtlich das schlechteste Jahr seit 1995. Zum Vergleich: 2007 wurden in der EU noch fast 15,6 Millionen Neuwagen zugelassen.

Immerhin gibt es Licht am Ende des Tunnels. Vor allem die lange Zeit am Boden liegenden Automärkte in den europäischen Krisenländern konnten im September kräftig zulegen. In Spanien wurden 28,5 Prozent mehr Autos verkauft als im Vorjahr, in Irland lag das Plus bei 28 Prozent, in Portugal bei 16 Prozent und in Griechenland bei 10 Prozent. Italien war zwar mit minus 2,9 Prozent noch rückläufig, doch sei auch hier eine Besserung gegenüber dem bisherigen Jahresverlauf (minus 8,3 Prozent) erkennbar, urteilte der VDA. In Deutschland sanken die Verkäufe im September um 1,2 Prozent.

Der Rückenwind hat auch den Absatz deutscher Marken angeschoben. Die VW-Gruppe verkaufte in der EU 5,4 Prozent mehr Autos als im Vorjahr, Opel lag 5,6 Prozent im Plus, BMW 6,3 Prozent und Daimler 12,5 Prozent. Damit konnten die deutschen Autohersteller ihren Marktanteil in der EU ausbauen, rechnete EY vor: Im September lag er bei 37 Prozent, 2009 stammten nur 31 Prozent der EU-weit verkauften Neuwagen aus den Fabriken deutscher Autokonzerne. Der Marktanteil der französischen, italienischen und US-amerikanischen Konzerne sei in dem Zeitraum von 50 Prozent auf nur noch 42 Prozent gesunken.

Zudem profitieren deutsche Autobauer weiter von der dynamischen Entwicklung in China. Dort wurden im September mit 1,5 Millionen Autos 29 Prozent mehr verkauft als im Vorjahr, berichtete der VDA. Der Marktanteil der deutschen Konzernmarken liege bei knapp 22 Prozent. China ist der größte Automarkt der Welt, Marktführer ist VW.