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Experten: E-Mobilität braucht genauer geplante Förderung

Keine Schnellschüsse, sondern durchdachte Konzepte: Mögliche Kaufzuschüsse für Elektroautos können nach Expertenmeinung nur mit einer präzisen Strategie erfolgreich sein.

Dazu gehörten eine Verzahnung von Energie- und Verkehrssystem sowie gezielte Förderung statt pauschaler Subventionen, betonten die Wissenschaftler Claudia Kemfert und Ferdinand Dudenhöffer. In der Politik bleibt das Thema vor einem Spitzengespräch mit Kanzlerin Angela Merkel (CDU) umstritten.

«Eine Kaufprämie einzuführen, ohne aber die Mobilität als Ganzes auf Nachhaltigkeit auszurichten, ist zu kurzsichtig», sagte Kemfert der Deutschen Presse-Agentur in Berlin.

Ohne eine höhere Dieselsteuer und eine Stärkung des Schienen-Güterverkehrs seien Kaufzuschüsse für Elektrofahrzeuge wenig sinnvoll, meinte die Energieexpertin des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW). «Zudem muss der Kohleausstieg stattfinden, damit die E-Autos wirklich klimafreundlich sind», sagte sie zur Frage, woher der Strom für den Betrieb kommt.

Merkel wollte am Dienstagabend mit Spitzenvertretern der Autoindustrie über neue Anreize beraten, um die schleppende Elektroauto-Nachfrage anzukurbeln. Regierungssprecher Steffen Seibert kündigte «ein erstes Beratungs- und Informationsgespräch» an. In der Diskussion sind staatliche Kaufzuschüsse von 5000 Euro pro Auto unter einer möglichen Beteiligung der Industrie. Dies ist in der großen Koalition jedoch umstritten: Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) lehnt direkte Zuschüsse ab, dagegen machen sich SPD und CSU inzwischen dafür stark.

Dudenhöffer, Chef des CAR-Instituts an der Uni Duisburg-Essen, sieht Bedarf für eine stärkere Förderung der Elektromobilität. Dabei komme es aber auf die Gestaltung an. In von Stickoxid-Abgasen belasteten Ballungszentren seien Hilfen gerechtfertigt: «Die Differenzierung könnte bei der Förderung dadurch zum Ausdruck gebracht werden, dass etwa Carsharing-Systeme mit reinen Elektroautos zusätzliche Förderung erhalten.» Wagen nur mit E-Motor sollten zudem mehr Hilfen bekommen als Hybridautos, die Verbrennungs- und Elektromotor kombinieren.

Die Nachfrage in Deutschland ist weiter schwach. 2015 wurden nur 12 363 Elektroautos neu zugelassen - verglichen mit 3,2 Millionen Pkw. Als Hauptprobleme gelten neben dem vergleichsweise hohen Preis die geringere Reichweite und das noch löchrige Netz an Ladestationen.

Unter den deutschen Marken schnitt im vorigen Jahr nach Daten des Kraftfahrt-Bundesamts Volkswagen relativ gut ab. 1648 reine E-Modelle der Wolfsburger kamen neu auf die Straße. Es folgten BMW (1051) und Smart (676). Konkurrenz kam von ausländischen Anbietern wie Renault (1339) und Nissan (1016). Kia lag überraschend auf Platz eins (3842) - allerdings sollen die Südkoreaner viele ihrer über eigene Händler zugelassenen Modelle danach aus Deutschland exportiert haben. «Fälle wie bei Kia sollten vermieden werden», meinte Dudenhöffer hierzu. Betrachtet man Hybridantriebe, lag Toyota (13 138) mit großem Abstand vorn. Anschließend kamen VW (3188), Audi (2192) und Mercedes (2178).

Befürworter erhoffen sich von Kaufzuschüssen den Durchbruch für die E-Mobilität sowie sichere Auto-Jobs. Gegner fordern, das Geld für mehr Umweltschutz anders zu investieren. Grünen-Fraktionschef Anton Hofreiter schlug eine Querfinanzierung über PS-starke Verbrenner vor: «Die Halter von übermotorisierten Dreckschleudern sollten über die Kfz-Steuer die Förderung von Elektroautos finanzieren», sagte er der Funke-Mediengruppe. SPD-Fraktionsvize Hubertus Heil brachte einen Fonds als öffentlich-private Partnerschaft mit Autobauern ins Spiel - ähnlich wie der Bundesverband der Verbraucherzentralen.

Vertreter wichtiger Zulieferbranchen sehen die Debatte skeptisch. Mehr Investitionen in Forschung und Entwicklung seien der bessere Weg, betonte der Chef des Maschinenbau-Verbands VDMA, Thilo Brodtmann. Klaus Mittelbach vom Elektrotechnik-Verband ZVEI meinte, nötig sei zunächst vor allem eine flächendeckende Ladeinfrastruktur.