MEHRERE BRÄNDE

Flüchtlingslager Moria auf Lesbos steht in Flammen

In dem heillos überfüllten Flüchtlingslager auf der griechischen Insel Lesbos brennt es. Angefacht durch starke Winde griffen die Flammen auch auf die Wohncontainer über.
dpa
Flammen
Menschen bringen sich vor den Flammen in Sicherheit. Foto: Panagiotis Balaskas/AP/dpa
Athen.

Im Flüchtlingslager Moria auf Lesbos und dessen Umgebung sind in der heutigen Nacht mehrere Brände ausgebrochen. Medienberichten zufolge stehen auch Wohncontainer in Flammen, weshalb die Behörden das Lager evakuierten. Mittlerweile hätten fast alle Menschen das nahezu vollständig in Flammen stehende Lager verlassen, berichtete der staatliche griechische Radiosender ERT in den frühen Morgenstunden.

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Starke Winde, die zum Teil bis zu 60 Stundenkilometer erreichten, fachten die Flammen an. Hilfsorganisationen und freiwillige Helfer vor Ort berichteten in Sozialen Medien von Menschen, denen Rauch und Flammen die Fluchtwege abgeschnitten hätten.

Brandstiftung von Inselbewohnern oder Protestaktion von Migranten?

Über die Ursachen der Brände gab es unterschiedliche Angaben: Manche Lagerbewohner sprachen von Brandstiftung von Inselbewohnern, anderen Berichten zufolge hatten Migranten selbst Feuer gelegt und behinderten danach die Feuerwehr bei den Löscharbeiten. Grund für eine solche Protestaktion könnte die Ankündigung der griechischen Regierung vor einigen Tagen sein, das überfüllte Lager durch einen Zaun nach außen abriegeln zu wollen. Die Einsatzkräfte der Insel kämpfen parallel bereits seit Dienstagabend mit einem großen Waldbrand rund 25 Kilometer nordwestlich von Moria.

Videos und Fotos von dem Feuer werden auf Twitter gepostet. Der Europaparlament-Politiker Erik Marquardt (Die Grünen) schrieb auf Twitter: "Bekomme viele Videos aus Moria. Wenn das Feuer nicht gestoppt wird, ist morgen kaum noch etwas übrig. Bewohner berichten von vielen Toten und tausenden Obdachlosen. Egal wer das Feuer gelegt hat: In Moria verbrennt auch die Europäische Idee."

Das Flüchtlingslager Moria ist seit Jahren heillos überfüllt, derzeit leben dort nach Angaben des griechischen Migrationsministeriums rund 12.600 Flüchtlinge und Migranten – bei einer Kapazität von gerade mal 2800 Plätzen. Seit vergangener Woche treten zudem immer mehr Fälle von Corona-Infektionen auf, weshalb das Lager unter Quarantäne gestellt worden ist. Aktuell sollen es 35 Personen infiziert sein. Bereits im März hatte es in Moria gebrannt. Bei dem Feuer starb ein Kind.

© dpa-infocom, dpa:200909-99-484215/2

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