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Fragen und Antworten: Wie passt das zur Überalterung?

Langfristig ist die Rente nicht mehr unbedingt sicher. Selbst Ex-Arbeitsminister Norbert Blüm (CDU) erwartet, dass die Rente in einigen Jahren in die Nähe der Sozialhilfe rückt, wie er jüngst sagte. Doch nun gibt es gute Nachrichten für die gut 20,5 Millionen Rentner - die Bezüge steigen spürbar. Wie passt das zusammen?

Wie entwickelt sich die Rente in diesem Jahr?

Zum 1. Juli steigt die Rente um 2,1 Prozent in den alten Ländern, im Osten um 2,5 Prozent. Bei 1000 Euro sind das genau 20,97 Euro (west) und 25,01 Euro (Ost).

Wie wird die Höhe ermittelt?

Die Anpassung orientiert sich vor allem an der Entwicklung der Bruttolöhne in Deutschland - getrennt errechnet für die West- und die Ostländer. Zusätzlich werden Veränderungen des Beitragssatzes
zu Grunde gelegt. Der änderte sich aber nicht im Zeitraum 2013/14, der für die Berechnung 2015 maßgeblich ist. Und das Verhältnis von Beitragszahlern und Rentnern schlägt bei der Anpassungsformel zu Buche, aber für 2015 nur minimal.

Welche Besonderheit gibt es dieses Jahr?

Eine Veränderung der Statistik, die auf EU-Vorgaben zurückgeht. Das für die Rentenberechnung wichtige Niveau der Durchschnittslöhne laut der sogenannten Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung wird um rund 0,9 Prozent niedriger ausgewiesen. Denn in die Statistik gehen nun mehr Beschäftigte mit niedrigerem Lohn ein, etwa Menschen mit Behinderung in Werkstätten. Die Erhöhung der Renten fällt durch diesen Effekt um gut 1 Prozentpunkt niedriger aus.

Wird das wieder ausgeglichen?

Ja. 2016 soll es so weit sein. Denn längerfristig ist gar nicht die Volkswirtschaftliche Gesamtrechnung die am Ende zählende Maßgabe, es sind die tatsächlichen beitragspflichtigen Löhne.

Ist Deutschland so gesehen ein finanzielles Paradies für Rentner?

Nicht unbedingt. Der Linken-Rentenexperte Matthias Birkwald sagt: «Nicht zu vergessen ist, dass die Renten im Zeitraum 2003 bis 2013 wegen der Kürzungsfaktoren im Westen um insgesamt 7,54 Prozentpunkte und im Osten um 6,28 Prozentpunkte hinter der Lohnentwicklung zurückgeblieben sind.»

Was ist längerfristig zu erwarten?

Wegen der Alterung der Gesellschaft stehen in den kommenden Jahrzehnten immer mehr Rentnern immer weniger Rentenkassen-Einzahler gegenüber. Die Armut sei bei den Rentnern und Pensionären seit 2006 um 47,5 Prozent gestiegen, so der Paritätische Gesamtverband - auch wenn die Armutsquote bei den Senioren mit 14,3 Prozent noch gut einen Prozentpunkt unter jener der Gesamtbevölkerung liegt.

Wie steuert die Politik gegen Unsicherheiten an?

Die Beiträge für die gesetzliche Rente will sie auf absehbare Sicht nicht erhöhen, auch deutlich mehr Steuergeld ist für die Rentenkasse nicht geplant. Als nächstes sollen dagegen die Betriebsrenten ausgeweitet werden, auf die derzeit 17,8 Millionen Beschäftigte Anspruch haben. Und in der kommenden Woche oder dann nach Ostern soll eine Koalitions-Arbeitsgruppe zur Flexibilisierung des Renteneintritts ihre Arbeit nach monatelanger Pause fortsetzen.