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Dax kaum bewegt vor US-Notenbankprotokoll

Der Dax hat am Mittwoch seiner jüngsten Erholungsrally Tribut gezollt und ist kaum von der Stelle gekommen.

Vor der abendlichen Veröffentlichung des Sitzungsprotokolls der US-Notenbank Fed übten sich die Marktakteure in Zurückhaltung, schrieb Analyst Gregor Kuhn vom Broker IG. Zum Schluss notierte der deutsche Leitindex 0,04 Prozent im Minus bei 11 848,47 Punkten.

Am Dienstag hatte der Dax noch mit Gewinnen von mehr als 2 Prozent an einen bereits starken Wochenauftakt angeknüpft - dank der Ankündigung der EZB, Anleihekäufe vorzuziehen. «Nach dem gestrigen Höhenrausch setzte am Aktienmarkt heute der Realitätscheck des Nullsummenspiels der EZB ein», kommentierte Marktanalyst Niall Delventhal vom Broker DailyFX die aktuelle Entwicklung.

Die Vorsicht der Anleger machte sich zur Wochenmitte auch bei den anderen Aktienindizes bemerkbar: Der MDax der mittelgroßen Werte gab am Mittwoch um 0,25 Prozent auf 20 983,15 Zähler nach, während der TecDax der Technologietitel 0,08 Prozent auf 1735,73 Punkte gewann. Für den Eurozonen-Leitindex EuroStoxx 50 ging es um 0,35 Prozent hoch auf 3683,48 Punkte. Die nationalen Indizes in Paris und London schlossen ebenfalls moderat höher, und der US-Leitindex Dow Jones Industrial trat zum europäischen Handelsende auf der Stelle.

Das Fed-Protokoll könnte Hinweise über den Zeitpunkt der ersten Leitzinserhöhung seit der Finanzkrise geben, sagten Beobachter. Ökonomen rechnen angesichts zuletzt schwächerer US-Konjunkturdaten mit einer späteren Zinswende. «Man darf gespannt sein, ob es noch Hinweise darauf gibt, dass die Fed vielleicht doch noch im Juni handeln könnte, was inzwischen ja als unwahrscheinlich gilt», schrieb National-Bank-Experte Dirk Gojny.

Von der Konjunkturagenda kamen am Mittwoch keine Impulse. Die deutschen Erzeugerpreise waren etwas stärker gefallen als erwartet. Börsianer maßen ihnen aber keine allzu große Bedeutung für den Markt zu.

Unter den Einzelwerten gehörten Metro-Aktien nach Berichten über eine Übernahmeofferte für die Warenhaustochter Kaufhof nur zeitweise zu den größten Gewinnern im MDax: Sie verteuerten sich am Ende nur noch um 0,30 Prozent. Laut «Handelsblatt» und «Manager-Magazin» hat der österreichische Investor und Karstadt-Eigentümer René Benko über seine Signa-Holding ein annähernd 3 Milliarden Euro schweres Angebot für Kaufhof abgegeben. Benko hatte sich schon in der Vergangenheit für die Metro-Tochter interessiert.

Im Dax zeigte sich vor allem Eon stark: Die Aktien legten an der Indexspitze um 1,39 Prozent zu. Börsianer begründeten dies mit einer positiven Citigroup-Studie, der zufolge für den Energiekonzern ein Ende der schweren Zeit in Sicht ist.

Die Papiere der Deutschen Bank und der Commerzbank kamen nach der Abstufung durch die US-Ratingagentur Fitch nur wenig vom Fleck. Zahlreiche europäische deutsche Banken werden nun schlechter bewertet, weil Europas Regierungen nicht mehr bereit sind, sie im Krisenfall zu stützen. Beim deutschen Branchenprimus bremste zudem eine negative Einschätzung der spanischen Bank Santander.

Am deutschen Rentenmarkt stieg die Umlaufrendite börsennotierter Bundeswertpapiere von 0,46 Prozent am Vortag auf 0,48 Prozent. Der Rentenindex Rex fiel hingegen um 0,20 Prozent auf 138,67 Punkte. Der Bund-Future verlor 0,14 Prozent auf 153,61 Punkte. Der Kurs des Euro sank auf zuletzt 1,1080 US-Dollar. Zuvor hatte die EZB den Referenzkurs auf 1,1118 (Dienstag: 1,1180) US-Dollar festgesetzt und der Dollar damit 0,8994 (0,8945) Euro gekostet.