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Engpässe bei Griechlands Banken

Engpässe bei Griechlands Banken
Engpässe bei Griechlands Banken
Federico Gambarini

Krisensitzung bei der EZB: Europas Währungshüter beraten in einer Notschalte über die angespannte finanzielle Lage der griechischen Banken. Entsprechende Marktberichte wurden in Finanzkreisen bestätigt.

Griechenlands Banken brauchen dringend frisches Geld und hoffen auf eine erneute Ausweitung der Ela-Notkredite. Ein Sprecher der Europäischen Zentralbank (EZB) wollte die Informationen nicht kommentieren.

Den Kreisen zufolge werden die Mitglieder des EZB-Rates zur Mittagszeit telefonisch über eine Anfrage der griechischen Zentralbank beraten. Diese habe um eine weitere Erhöhung der Ela-Kredite von mehr als drei Milliarden Euro gebeten. Erst am Mittwoch hatte die EZB eine Ausweitung der Ela-Hilfen um 1,1 Milliarden auf 84,1 Milliarden Euro bewilligt. In den vergangenen Monaten waren die Hilfskredite stetig ausgeweitet worden.

Ela steht für «Emergency Liquidity Assistance». Die Hilfe wird nicht von der EZB direkt, sondern von der jeweiligen nationalen Notenbank vergeben, die auch für mögliche Verluste haftet. Der EZB-Rat muss der Gewährung aber zustimmen. Streng genommen dürfen Ela-Kredite nur an Banken vergeben werden, die nur einen vorübergehenden finanziellen Engpass haben. Grundsätzlich müssen die Geldhäuser aber solide aufgestellt, also solvent sein. Kritiker bezweifeln, dass dies auf griechische Banken noch zutrifft.

Sollte die EZB die Ela-Hilfen einstellen, müssten die griechischen Banken die bereits gewährten Milliarden relativ schnell zurückzahlen - was sie faktisch nicht können. Würde die EZB einer erneuten Ausweitung des Kreditrahmens nicht zustimmen, könnte die griechische Regierung gezwungen sein, noch vor Öffnung der Banken des Landes am kommenden Montag Kapitalverkehrskontrollen zu verhängen, um weitere Bargeldabflüsse in einem überschaubaren Rahmen zu halten. Denkbar ist auch, dass der EZB-Rat wie von Griechenland beantragt weitere Ela-Hilfen gewährt mit Blick auf das Krisentreffen der Staats- und Regierungschefs der Euroländer am Montag (22.6.).

Seit Monaten hängen die Hellas-Banken am Ela-Tropf: Von der üblichen Versorgung mit frischem Zentralbankgeld sind sie überwiegend abgeschnitten. Denn ein Großteil ihrer Sicherheiten - griechische Staatsanleihen - werden von der EZB zurzeit nicht als Pfand akzeptiert, weil sie zu schlecht bewertet sind. Bis Mitte Februar hatte die EZB die Papiere ausnahmsweise angenommen, seither gilt diese Ausnahme nicht mehr.

In dem seit Monaten ungelösten Schuldenstreit zwischen Athen und seinen Geldgebern gerieten die griechischen Geldhäuser zunehmend unter Druck. Verunsicherte Verbraucher und Unternehmen ziehen aus Ungewissheit über den Fortgang der Krise Einlagen in großer Höhe ab. Zum Teil fließen die Gelder ins Ausland, zum Teil werden sie als Bargeld gehortet. In Bankenkreisen in Athen ist von drohenden Engpässen bei der Bargeldversorgung die Rede: Viele Kunden holten sich am Schalter mehr Geld, als das am Geldautomaten möglich sei.