MEDIZINBRANCHE

Fresenius will Kosten drücken – Gewinn in Pandemie gesunken

Die Corona-Krise hat auch beim Krankenhausbetreiber und Medizinkonzern Spuren hinterlassen. In der Pandemie standen Betten leer, es wurde weniger operiert, Dialysepatienten verstarben. Nun stemmt sich Fresenius gegen die Seuche.
dpa
Fresenius – Konzernzentrale in Bad Homburg
Fresenius und Fresenius Medical Care haben ihre Jahreszahlen für 2020 mitgeteilt. Foto: Arne Dedert/dpa Arne Dedert
Bad Homburg ·

Nach einem Gewinnrückgang in der Corona-Krise will der Krankenhaus- und Gesundheitskonzern Fresenius die Kosten senken.

Da in der Pandemie vorerst wenig Licht am Ende des Tunnels in Sicht ist, steuert das Dax-Unternehmen gegen und will mit einem Bündel von Maßnahmen bis 2023 Verbesserungen beim Ergebnis nach Steuern und Minderheitenanteilen von mindestens 100 Millionen Euro pro Jahr erreichen. Es gehe um Maßnahmen zur Effizienzsteigerung, den Ausbau künftiger Wachstumsfelder sowie Optimierungen des Portfolios, teilte Fresenius am Dienstag in Bad Homburg mit.

„Corona wird uns auch im laufenden Jahr noch vor manche Herausforderung stellen”, sagte Vorstandschef Stephan Sturm. „Umso mehr gilt es, unsere Effizienz zu steigern und damit unsere Kostenbasis zu verbessern.” Fresenius wolle digitale Medizinangebote, Heimdialyse für Nierenkranke, das Geschäft mit Kinderwunschkliniken sowie Nachahmerprodukte von Biotech-Arzneien ausbauen.

Ab dem Jahr 2023 peilt Fresenius mit den Maßnahmen zusätzliche Ergebnisverbesserungen an. Zunächst aber rechnet der Konzern mit erheblichen Kosten. Diese dürften sich zwischen 2021 und 2023 in gleicher Höhe von 100 Millionen Euro pro Jahr bewegen.

Im vergangenen Jahr bekam Fresenius, mit 89 Krankenhäusern Deutschlands größter privater Betreiber, die Pandemie zu spüren. Operationen mussten verschoben werden, um Intensivbetten für Corona-Patienten freizuhalten. Da die Pandemie aber relativ glimpflich verlief, standen viele Betten leer. Staatliche Hilfen konnten die Ausfälle nur mindern. Da weniger operiert wurde, kamen auch weniger Arzneien von der Flüssigmedizin-Tochter Fresenius Kabi zum Einsatz. Und bei der Dialysetochter Fresenius Medical Care (FMC) machte sich zuletzt bemerkbar, dass viele Blutwäschepatienten im Zusammenhang mit dem Coronavirus sterben und so Behandlungen ausfallen.

Fresenius konnte den Umsatz 2020 zwar leicht um zwei Prozent auf 36,3 Milliarden Euro steigern, das bereinigte Konzernergebnis sackte jedoch um 4 Prozent auf knapp 1,8 Milliarden Euro ab. Konzernchef Sturm hatte wegen der Pandemie seine Ziele für das vergangene Jahr stutzen müssen. Die Aktionäre sollen dennoch eine auf 0,88 Euro je Aktie erhöhte Dividende erhalten. FMC verbuchte unterdessen einen Gewinnrückgang um 3 Prozent auf 1,16 Milliarden Euro, will den Aktionären mit 1,34 Euro pro Anteil aber ebenfalls mehr ausschütten.

Fresenius rechnet weiter mit Belastungen in der Pandemie. Erst in der zweiten Jahreshälfte würden sich die Bedingungen in wesentlichen Märkten verbessern, warnte der Konzern und verwies auf hohe Risiken. „Dies ist jedoch stark von der zügig voranschreitenden Durchimpfung der Bevölkerung in diesen Märkten abhängig.” In diesem Jahr erwartet der Konzern nunmehr währungsbereinigt einen Umsatzanstieg im niedrigen bis mittleren einstelligen Prozentbereich. Das bereinigte Konzernergebnis soll „mindestens in etwa stabil” bleiben.

Auch FMC feilt an den Kosten. Bei der Dialysetochter wurden erhebliche Mehrkosten etwa für Personal und Schutzmaßnahmen großteils durch staatliche Hilfen aufgefangen. Im Schlussquartal sorgten zudem Wertminderungen im schwierigen Lateinamerika-Geschäft für einen Ergebniseinbruch um fast die Hälfte. Um die Kosten zu senken, steckt der Konzern bis 2025 bis zu 500 Millionen Euro in den Umbau. Er erwartet für jeden investierten Euro eine Verbesserung des operativen Ergebnisses um mindestens den gleichen Betrag im Jahr 2025.

© dpa-infocom, dpa:210223-99-555248/2

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