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Gefeilsche um Kompensation nach WM-Winter-Votum

Nach dem historischen Votum für die erste Winter-WM der Fußball-Geschichte in Katar 2022 drängt die FIFA auf eine rasche Klärung der Terminproblematik für Europas Top-Ligen.

Nur mit einer Beschwichtigung von Bundesliga, Premier League und Co. kann der Weltverband weitere Negativschlagzeilen rund um das unvermindert harsch kritisierte Turnier am Golf verhindern.

Zuletzt war von einer Verdoppelung der Kompensationszahlungen auf mindestens 100 Millionen Euro spekuliert worden. Die Bild-Zeitung berichtete in ihrer Online-Ausgabe sogar von einem extremen Anstieg auf rund 195 Millionen Euro - und zwar für die WM 2018 in Russland, die zum traditionellen Sommertermin stattfindet und für das Katar-Turnier.

Mit einer Kompensation in definitiv dreistelliger Millionenhöhe für Ligen und Vereine ist es aber offenbar für die FIFA nicht getan. Als erster Kontinentalverbandschef erinnerte natürlich UEFA-Boss Michel Platini - Dauerrivale von FIFA-Chef Joseph Blatter - an die Interessen der nationalen Verbände, die in gut sieben Jahren zur ungewohnten Adventszeit um den WM-Pokal kämpfen und ihre regulären Länderspiele deshalb verschieben müssen.

«Aber die FIFA muss jetzt die internationalen Termine der Nationalverbände schützen - es gibt vier Länderspieltermine, die betroffen sein können. Sie sind die Lebensader der Nationalverbände», sagte Platini. Seine eigene Vorstellung von einem Endspiel am 23. Dezember hatte der UEFA-Chef im FIFA-Exekutivkomitee gegen den Blatter-Apparat nicht durchdrücken können. Die Niederlage verkaufte er als vermeintlich fairer Verlierer. «Der 18. Dezember ist in Ordnung für die UEFA, wir können die Änderungen für die Champions League vornehmen», sagte Platini.

Eine Reaktion der European Club Association ECA, die die Belange der Top-Clubs vertritt und vehement gegen den Wintertermin angegangen war, stand lange nach dem FIFA-Beschluss aus, ebenso wie ein Statement von Englands Ligachef Richard Scudamore, der sonst reflexartig gegen die Winter-WM gewettert hatte. Rund um die FIFA-Zentrale wurde dies als Indiz gewertet, dass ein Deal schon abgeschlossen sein könnte.

Bayern-Boss und ECA-Chef Karl-Heinz Rummenigge hatte schon vor der entscheidenden Sitzung des FIFA-Exekutivkomitees klar gemacht: «Es kann von den europäischen Ligen und Clubs nicht erwartet werden, die Kosten für eine solche Terminverschiebung zu tragen. Wir erwarten, dass die Vereine für den Schaden eine Kompensation erhalten, die eine endgültige Entscheidung hervorrufen wird.» Am 30. und 31. März trifft sich die ECA zu ihrer Generalversammlung in Stockholm - mit der WM-Thematik als logischem Topthema.

Die FIFA will auch bald die Konsultationen für die notwendige Spielplanmodifizierung angehen. «Die Arbeitsgruppe für den internationalen Spielkalender wird sich in Kürze treffen, um den internationalen Spielkalender für den Turnus 2019-2022 zu finalisieren», kündigte der Weltverband an.

Kurz zuvor hatte eine Indiskretion aus höchsten FIFA-Kreisen für reichlich Hektik in und um das Hauptquartier auf dem Zürichberg gesorgt. Dem Vernehmen nach soll der nordirische FIFA-Vize Jim Boyce, britischen Medienvertretern zu sorglos den Beschluss der Winter-WM mit dem Finaldatum 18. Dezember bereits 20 Stunden vor der Pressekonferenz verraten haben, bei der Blatter die Nachricht eigentlich höchstselbst verkünden wollte.

Die Fakten jedenfalls stehen - trotz des erneut wenig koordiniert wirkenden Außendarstellung der FIFA: Endspiel am 18. Dezember, Eröffnungspartie wahrscheinlich am 20. November. Das Turnier soll auf 28 Tage begrenzt werden. So können die zu erwartenden Kompensationszahlungen reduziert werden.

Seine Kontrahenten im Exekutivkomitee hatte Blatter offenbar wieder einmal überrumpelt. Keine Diskussion oder Abstimmung über den Katar-Termin, sondern eine simple Vorstellung des Plans durch Scheich Salam bin Ebrahim al Khalifa aus Bahrain - und dann willfähriges Kopfnicken. «Es hat keinem Votum per Handzeichen oder ähnlichem bedurft», berichtete FIFA-Medienchef Walter De Gregorio.