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Griechenland dementiert Fund von Wrackteilen

Griechenland dementiert Fund von Wrackteilen
Griechenland dementiert Fund von Wrackteilen
Flightradar24.com

Griechische Suchtrupps haben nach Angaben des Außen- und Verteidigungsministeriums keine Wrackteile des über dem Mittelmeer abgestürzten Egyptair-Flugzeuges gefunden. Die Informationen über Wrackteile stammten ausschließlich von der ägyptischen Seite, hieß es.

Griechische Helfer hätten die Suche auf Wunsch der Ägypter abgebrochen. Die Flugzeuge seien nach Kreta zurückgekehrt und blieben dort in Bereitschaft. Unklar sei ebenfalls, ob ägyptische Einsatzkräfte bereits die Flugschreiber gefunden hätten.

Auch die Angaben aus Griechenland und Ägypten zum angeblichen Fundort der Wrackteile stimmen nicht überein. Aus dem griechischen Verteidigungsministerium hieß es, das abgesuchte Gebiet liege rund 200 Seemeilen (370 Kilometer) südöstlich der Insel Karpathos, also rund 70 Seemeilen vor der ägyptischen Küste. Dagegen sprach die ägyptische Seite davon, dass Teile des Airbus A320 bei Karpathos gefunden worden seien.

Der Vizepräsident der Fluggesellschaft EgyptAir sagte der CNN-Moderatorin Christiane Amanpour, dass das Flugzeugwrack gefunden worden sei. Das schrieb CNN im Kurznachrichtendienst Twitter. Für diese Angaben gab es zunächst keine weitere Bestätigung.

Der Egyptair-Flug MS804 von Paris nach Kairo ist mit 66 Menschen an Bord über dem Mittelmeer abgestürzt und zerschellt. Von Überlebenden wurde nichts bekannt. Deutsche waren nicht an Bord.

Frankreichs Präsident François Hollande sprach von der Möglichkeit eines Unfalls oder eines terroristischen Hintergrunds - keine Schlussfolgerung sei auszuschließen.

Ägyptens Regierung hielt einen Terroranschlag für plausibler als ein Unglück. Die Umstände wiesen darauf hin, dass die Wahrscheinlichkeit eines Anschlags wesentlich höher sei als ein technischer Fehler, sagte Luftfahrtminister Scherif Fathi am Nachmittag.

Das Flugzeug war etwa zehn bis fünfzehn Seemeilen im ägyptischen Luftraum in einer Höhe von 37 000 Fuß (knapp 11 300 Meter) ins Trudeln geraten, wie der griechische Verteidigungsminister Panos Kammenos sagte. «Dann machte es eine Drehung von 90 Grad nach links und danach eine andere Drehung von 360 Grad nach rechts und fiel auf eine Höhe von 15 000 Fuß. Sein Radarbild verschwand auf einer Höhe von 10 000 Fuß», sagte Kammenos, der von einem Absturz ausging. Einen Notruf setzten die Piloten nicht mehr ab.

Ein Flugzeug gerät ins Trudeln, wenn der Auftrieb an den Tragflächen abreißt. Das Flugzeug dreht sich dann unter schnellem Höhenverlust immer wilder um die eigenen Achse. Für das Trudeln kann es verschiedene Gründe geben - dass es kein Notsignal gab, spricht aber für ein plötzliches Ereignis wie etwa eine Explosion, sonst hätte die Cockpit-Crew wohl ein Notsignal gesendet. Sowohl in Ägypten als auch in Frankreich nahmen die Staatsanwaltschaften Ermittlungen auf.

Der Airbus war nach Angaben des Flughafens Charles de Gaulle um 23.21 Uhr am Mittwoch in Paris losgeflogen. Gegen 2.30 Uhr am Donnerstag - eine gute halbe Stunde vor der geplanten Ankunft in Kairo - verschwand er vom Radar. Das Flugzeug war zu dieser Zeit südöstlich der griechischen Insel Kreta und etwa 280 Kilometer vom ägyptischen Festland entfernt.

Angehörige der Passagiere harrten am Donnerstag am Flughafen Kairo aus und wurden dort betreut. Betroffenen Familien im Ausland bot Ägypten an, sie kostenlos nach Kairo zu fliegen.

In den vergangenen Monaten hat es bereits mehrere Zwischenfälle mit Flugzeugen aus Ägypten gegeben. Ende März hatte ein Mann mit einer Bombenattrappe eine Egyptair-Maschine nach Zypern entführt. Ende Oktober war ein russischer Ferienflieger über der Sinai-Halbinsel abgestürzt, nachdem an Bord eine Bombe explodiert war. Zu der Tat, bei der 224 Menschen starben, bekannte sich die Terrormiliz Islamischer Staat (IS).

An der Suche nach dem A320 im Mittelmeer beteiligten sich Schiffe und Flugzeuge aus Frankreich, Griechenland und Ägypten, auch ein Containerschiff der Hamburger Reederei Hapag-Lloyd nahm teil. Das östliche Mittelmeer ist bis zu 4500 Meter tief. Von den Flugschreibern, die Aufschluss über die Absturzursache geben könnten, gab es zunächst keine Spur.

Die Piloten von Flug MS804 hatten sich nach Angaben des Chefs der griechischen zivilen Luftfahrtbehörde noch gegen 1.55 Uhr (MESZ) normal bei den griechischen Behörden gemeldet und keine Probleme erwähnt. Beim Verlassen des griechischen Luftraums hätten sie sich aber nicht mehr gemeldet - wie es üblich gewesen wäre. An Bord waren 56 Passagier, vor allem Ägypter und Franzosen, sowie 3 Sicherheitsleute und sieben Besatzungsmitglieder.

Der betroffene Airbus war vor dem Unglücksflug nach Tunesien und Eritrea geflogen. Wie relativ leicht auf manchen Flughäfen eine Bombe an Bord zu bringen ist, zeigte ein Anschlag auf eine Maschine von Daallo Airlines. Die Bombe an Bord des Airbus A321 war am 2. Februar kurz nach dem Start in der somalischen Hauptstadt Mogadischu explodiert.

Dabei wurde ein Loch in die Außenhülle des Flugzeugs gerissen, durch das der Attentäter nach außen geschleudert wurde. Der Pilot konnte das Flugzeug notlanden. Alle außer dem Attentäter überlebten. Wäre die Bombe erst nach Erreichen der Reiseflughöhe gezündet worden, wäre eine Katastrophe Experten zufolge wohl unausweichlich gewesen. Knapp zwei Wochen später bekannte sich die islamistische Terrormiliz Al-Shabaab zu der Tat.