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Griechenland wartet auf Regierungswechsel

Griechenland wählt ein neues Parlament. Nach Jahren der Entbehrungen setzen die Menschen offenbar auf das Linksbündnis Syriza. Sie hoffen vor allem auf bessere Lebensbedingungen.

Einen Tag vor der entscheidenden Parlamentswahl herrscht in Griechenland Gelassenheit. Den Wählerinnen und Wählern scheint klar zu sein, wie das Ergebnis des für die Zukunft des Landes entscheidenden Urnengangs aussehen wird. Alle Umfragen zeigen nämlich seit Wochen einen klaren Vorsprung der Linkspartei Syriza unter Alexis Tsipras. Selbst konservative Medien bereiten ihre Wähler auf einen Sieg der Linken vor.

Das Traditionsblatt der politischen Mitte «To Vima» zeigte am Samstag auf seiner Titelseite groß den 40 Jahre alten Syriza-Chef. Der Tenor lautete: «Das ist der Plan für die nächsten Tage.» An einem Sieg Tsipras' wird kaum mehr gezweifelt.

Der charismatische Tsipras verspricht, die Korruption und die Steuerhinterziehung im Land zu bekämpfen. Ärmere Menschen sollen mehr Unterstützung bekommen. Zudem wirbt er mit einer «vernünftigen» Krankenversicherung für alle. «Absolute Mehrheit für die große Wende», titelte siegessicher das Parteiblatt der Linkspartei, «Avgi».  

Nach in Friedenszeiten noch nie dagewesenen Entbehrungen sind offenbar viele Menschen nicht mehr bereit, den Gürtel noch enger zu schnallen. Viele Familien leben zum Teil mit Hilfe der Renten der Großeltern. Jeder zweite junge Mensch ist ohne Job. Das Gesundheitssystem bricht immer mehr zusammen. «Es knirscht und ächzt an allen Ecken und Enden», sagt Giorgos Tagaris, ein Arzt aus der Hafenstadt Patras, der Deutschen Presse-Agentur.

Den Menschen im Land ist aber auch bewusst, dass das von Tsipras versprochene Ende der Sparpolitik irgendwie finanziert werden muss. Tsipras will über einen Schuldenschnitt mit den internationalen Geldgebern verhandeln. Sein Hauptgegner, der noch amtierende konservative Regierungschef Antonis Samaras, wirft Tsipras vor, «keine Ahnung» zu haben, «was Europa ist» und «wie man (mit den Geldgebern) verhandelt». Sollte es zu einer Konfrontation und einem Bruch zwischen Tsipras und Brüssel kommen, könnten die Geldgeber Griechenland den Geldhahn zudrehen. Dann wäre das Land pleite.

Das konservative Boulevardblatt «To Proto Thema» warnt vor Schwierigkeiten nach der Machtübernahme durch die Linke: «Schnallt Euch an», mahnte es seine Leser. Griechenland stehe «mit einem Bein außerhalb der Eurozone». Tsipras werde noch mehr Steuern erheben, die vor allem die Mittelklasse träfen, hieß es.

Analysten betonen immer wieder, Griechenland brauche so schnell wie möglich eine neue handlungsfähige Regierung. Denn das Hilfsprogramm des Euro-Rettungsfonds (EFSF) läuft Ende Februar aus. Ohne ein Konsolidierungsprogramm kann Athen keine weiteren internationalen Hilfen erwarten.

Der Urnengang am Sonntag gilt damit als Schicksalswahl für Hellas. Falls die Linke nicht die absolute Mehrheit im Parlament erreicht, drohen schwierige Koalitionsverhandlungen. Sollten sie scheitern, was möglich ist, könnten im schlimmsten Falle erneut Neuwahlen nötig sein. «Die Sanduhr ist fast leer. Wir müssen bald eine Regierung haben. Möglichst am Montag schon», sagte ein Kommentator im griechischen Fernsehen.