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Groll gegen Guatemalas Präsidenten wächst

Groll gegen Guatemalas Präsidenten wächst
Groll gegen Guatemalas Präsidenten wächst
Joel Jeronimo

In Guatemala haben Tausende Demonstranten den Rücktritt des Präsidenten Jimmy Morales gefordert. Studenten, Professoren und Aktivisten versammelten sich am Donnerstag (Ortszeit) im historischen Zentrum von Guatemala-Stadt.

Auch Bauern- und Frauenverbände nahmen teil, wie die guatemaltekische Zeitung „La Hora” berichtete. Tausende unterstützten den Kampf gegen die Straffreiheit und Korruption in dem mittelamerikanischen Land, schrieb Ex-Innenminister Francisco Rivas auf Twitter neben einem Bild, das ihn in einer Menschenmenge mit guatemaltekischen Flaggen zeigte. Demonstranten riefen „Jimmy Morales vor Gericht” und zündeten eine Figur an, die den Präsidenten symbolisierte.

Morales hatte dem Chef der UN-Kommission zur Korruptionsbekämpfung (Cicig), Iván Velásquez, die Einreise verweigert. Das Verfassungsgericht des Landes hatte erklärt, Morales müsse den Cicig-Chef nach Guatemala einreisen lassen. Die Regierung kam dem Gerichtsentscheid bisher aber nicht nach.

Morales hatte zudem entschieden, dass das Mandat der UN-Kommission nach September nicht verlängert wird. Velásquez hatte Mitte August eine Aufhebung der Immunität Morales' für ein Strafverfahren wegen illegaler Wahlkampffinanzierung gefordert. Die Herkunft von 600.000 US-Dollar sind demnach unklar.

„In einem Land, in dem die politische Klasse keine Legitimität hat, in dem Herrschende die Interessen der Bevölkerung nicht verteidigen, war die Arbeit von Iván Velásquez und Cicig grundlegend, weil sie uns gezeigt hat, dass Gerechtigkeit möglich ist”, sagte Lenina García, Leiterin des Studentenverbandes AEU, laut der Zeitung „La Hora”.

Guatemala ist eines der korruptesten Länder der Welt. Die Arbeit der UN-Kommission gegen Straflosigkeit gilt als vorbildlich. Zusammen mit der guatemaltekischen Staatsanwaltschaft hat die UN-gestützte Cicig seit 2007 zahlreiche Korruptionsskandale aufgedeckt. 2015 brachten ihre Ermittlungen zu einem kriminellen Netzwerk im Staatsapparat den Präsidenten Otto Pérez Molina zu Fall. Für ihre Arbeit wurden Velásquez und die guatemaltekischen Ermittler für den Nobelpreis gehandelt.